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Zu verkaufen: die große zentrale Fläche im Kemmelpark.

Meinung, Analyse, Hintergrund

Kemmelpark: Heikle Investorensuche

Murnau - Murnaus Kemmelpark wird gerne als Musterbeispiel für eine gelungene Kasernenkonversion genannt. Doch auf der Zielgeraden ist das Leuchtturmprojekt offenbar ins Stocken geraten. Es steht in den Sternen, was aus den restlichen, noch freien Gewerbeflächen werden soll. Hat sich die Ortspolitik ein zu enges Vorgabenkorsett geschnürt?

Auf dem einstigen Kasernenareal hat sich in den vergangenen Jahren zweifelsohne sehr viel getan: Es entstand ein Ortsteil, der dem Markt ein neues Gesicht verlieh. Die Wohnsiedlung im Süden, in der viele Familien leben, das angrenzende Seniorenheim, das Einkaufszentrum im Eingangsbereich sowie im Norden der Gewerbehof und die vielen sozialen Einrichtungen prägen das Bild. Doch es fallen ebenso die beiden großen, unbebauten Flächen ins Auge: neben dem Streifen gegenüber dem Supermarktkomplex vor allem das Filetstück in der Mitte des Geländes.

Insgesamt sind noch rund 12 000 Quadratmeter Gemeinde-Grund frei – reserviert für Betriebe, die sich hier ansiedeln, Arbeitsplätze schaffen und Steuereinnahmen bringen sollen. So lautet zumindest das politische Kalkül. Doch den Gemeinderäten fällt es anscheinend schwer, sich festzulegen. An konkreten Angeboten von Investoren mangelt es dem Vernehmen nach nicht. Nur ließ sich die Politik bislang auf keine Offerten ein – und legte die Hürden immer höher. Zur Erinnerung: Weiterer Einzelhandel wurde kategorisch ausgeschlossen – zum Schutz der Läden in der Ortsmitte. Der Gemeinderat erteilte auch dem Bau eines Ärztehauses eine Absage, um eine Abwanderung von Praxen aus dem Zentrum zu verhindern. Und im Dezember lehnte das Gremium nach Tagblatt-Informationen hinter verschlossenen Türen die Errichtung eines Pflegezentrums für Intensivpatienten ab. Über die Gründe kann nur spekuliert werden. Vermutlich spielte die Sorge eine Rolle, Murnau könnte zu sehr auf den Sektor Medizin und Gesundheit setzen. Es ist bekannt, dass Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger darauf drängen, einen breiteren Branchenmix zu schaffen.

Doch jetzt scheinen einige Volksvertreter in Sachen Kemmelpark Bauchschmerzen zu bekommen – und denken laut über eine Kurskorrektur nach. Es steht die Frage im Raum: Übertreibt es Murnau möglicherweise mit den Einschränkungen und verbaut sich damit Entwicklungschanchen? Gerade das strikte Nein zum Einzelhandel dürfte auf viele Investoren abschreckend wirken. Denn davon sind auch Konzepte betroffen, die durchaus interessant wären, aber tabu sind, weil zum Beispiel ein kleiner Shop dazugehört.

Das Ganze wird mit Sicherheit den Gemeinderat weiterbeschäftigen. SPD-Fraktionschefin Elisabeth Hoechner liebäugelt nach eigenen Angaben bereits damit, einen ihrer alten, abgelehnten Anträge erneut aus der Schublade zu ziehen. Dieser zielt auf eine Art Ausnahme-Option bei Einzelhandelsflächen ab – wenn für die ansässige Geschäftswelt keine zusätzliche Konkurrenz entsteht. Die Sozialdemokratin verspricht sich davon bessere Chancen bei der Vermarktung, für die die Gemeinde-Tochter Murnauer Grundstücks-Verwaltungs GmbH zuständig ist.

Auch der Vize-Chef der CSU-Fraktion, Josef Bierling, denkt über eine „Lockerung“ nach. Er hätte mit dem Ärztehaus oder Pflegezentrum gut leben können. „Das hätte den Ort vorangebracht.“ Und auch so manch ein Geschäft, das es bislang in Murnau noch nicht gibt, könne er sich im Kemmelpark gut vorstellen, etwa einen Biomarkt.

Bemerkenswert: Rathaus-Chef Beuting scheint inzwischen die Sache nicht mehr ganz so dogmatisch zu sehen. „Wir müssen gemeinsam darüber nachdenken, was zukunftsfähig ist“, sagt er. Man sollte zwar eine gewerbliche Nutzung favorisieren. Aber er hätte kein Problem damit, wenn „ein bisschen, nicht zentrumsrelevanter Handel dabei ist“. Auch hätte er nichts gegen eine einzelne Arztpraxis.

Andreas Seiler

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