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Anpacken lautet die Devise für diese Arbeiter. Sie füllen an der Mühlhagener Straße Schlitze mit Beton auf. 

Breitbandversorgung im Riegseer Ortsteil Hagen 

Ärger wegen aufgefräster Straßen

Riegsee - In Hagen ist derzeit ein Bautrupp unterwegs, der den Riegseer Ortsteil mit schnellem Internet versorgt. Die Männer fräsen die Straßen auf, um darin Glasfaserkabel unterzubringen. Ganz geräuschlos geht das Projekt der Telekom allerdings nicht ab.

So gibt es bei einigen Bürger mittlerweile die Befürchtung, dass durch das Auffräsen und anschließende Verfüllen der Risse in den Straßen mit Beton Folgeschäden entstehen. „Bei Frost sprengt es das auf“, sagt etwa der Hagener Willi Fleischhacker. „Das kann es nicht sein.“ Er nimmt die Gemeinde und Bürgermeister Rudi Kühn (ÖDP) in die Pflicht. „Die müssten da mehr Gas geben.“

Diesen Schuh will sich Kühn nicht anziehen. „Es ist nicht so, dass ich mich nicht drum kümmere“, betont der Rathauschef. Er sei auch schon an der Baustelle gewesen. Seines Wissens wird später noch eine Feinschicht aufgebracht. Erfahrungswerte hat der Rathauschef jedoch nicht. „Was am Ende des Tages rauskommt, da lassen wir uns überraschen.“

Wobei Kühn auch sagt: „Die müssen irgendwo rein mit den Kabeln.“ Und es sei klar, dass die Straße drunter leidet. Es sei „nicht dramatisch“, wenn der aktuelle Zustand mit den betonverfüllten Schlitzen ein paar Monate dauert.

Was auch noch ansteht, ist die Kabelverlegung von Hagen bis Guglhör. Darüber gab es bereits intensive Debatten. Vor kurzem reiste sogar eine Telekom-Delegation aus Frankfurt an, um mit Anliegern zu verhandeln. Eigentlich hatte man sich geeinigt, dass das Kabel neben der Straße oberflächennah eingegraben wird. Das will die Telekom aber angeblich nicht. Ihr wäre es, so hört man, am liebsten, auch dort die Straße aufzufräsen. Die ist allerdings erst vor ein paar Jahren saniert worden. „Es macht wenig Sinn, eine teure Straße zu zerstören“, meint etwa Rainer Schobert aus dem Weiler Perlach. Ob die Straße verschont wird, ist aktuell unklar. Möglich ist auch, dass die Telekom mit dem so genannten Spülbohrverfahren neben der Straße die Kabel verlegt. Dabei geht es mehrere Meter in die Tiefe. Schobert hat allerdings Bedenken, ob das technisch überhaupt möglich ist, weil eventuell hartes Gestein (Nagelfluh) im Weg stehen könnte. „Ich glaube nicht, dass der Boden das zulässt.“ Es herrscht jedenfalls eine gewisse Unsicherheit. „Wir wissen nicht so recht, was jetzt passiert“, sagt Schobert, der früher im Riegseer Gemeinderat saß. Auch Kühn weiß nicht, ob das Spülbohrverfahren funktionieren wird. „Es ist spannend.“

Telekom-Sprecher Dr. Markus Jodl erklärt, dass für alle Baumaßnahmen die mit dem Bau beauftragte Fachfirma bei den zuständigen Behörden die notwendigen Genehmigungen einhole. „Eine Spülbohrung wird nur dort durchgeführt, wo es einen entsprechenden Untergrund gibt.“ Verschiedene Verfahren und Durchführungsarten seien möglich. „Die notwendigen Entscheidungen trifft der Bauleiter vor Ort“, teilt der Sprecher mit. Nach Abschluss der Arbeiten gebe es eine Bauabnahme durch die zuständigen Behörden, die die ordnungsgemäße Übergabe feststelle. Wann es zwischen Hagen und Guglhör losgehen soll, verrät Jodl nicht. Auch zu etwaigen Schäden und Folgekosten wegen der Fräsarbeiten äußert er sich nicht.

Wie auch immer: Rathauschef Kühn betont, die Kommune „sei sehr daran interessiert,“ dass die Kabel-Verlegung jetzt durchgezogen wird. Es gebe mehrere Firmen in Hagen, die stark von einer guten Breitband-Versorgung abhängig seien. Laut Vertrag soll jeder Anschluss nach Ende der Arbeiten über mindestens 30 Mbit verfügen, sagt Kühn.

Roland Lory

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