Stoßen auf das Jubelpaar Wanda und Walter Talarczyk an: (v.l.) Pfarrer Helmut Enemoser, Sohn Walter Talarczyk, Seniorenheim-Chef Albert Wentlandt, Schwiegertochter Annemarie Talarczyk und Bürgermeister Michael Rapp. Foto: Kolb

Gnadenhochzeit im Seniorenzentrum

Murnau - Das ist wahre Liebe: Seit 70 Jahren sind Wanda und Walter Talarczyk verheiratet. Das Jubelpaar feierte jetzt im Murnauer Seniorenzentrum.

„Ich musste ihr gar keinen Heiratsantrag machen, wir gehörten schon immer einfach zusammen“, erzählt der 89-jährige Walter Talarczyk bei. Er und seine Frau Wanda Talarczyk (88) feierten ihre Gnadenhochzeit, also den 70. Hochzeitstag im Murnauer Seniorenzentrum Kemmelpark. Ihre Geschichte wäre das perfekte Drehbuch für einen Liebesfilm. Beide sind in Dortmund geboren, beide stammen aus Bergarbeiterfamilien, kennen sich seit dem Tag, an dem Wanda im Februar 1922 das Licht der Welt erblickte. Denn die beiden waren Nachbarskinder. Von klein an spielten sie miteinander - „mit 14 haben wir schon Händchen gehalten“, erzählt Walter Talarczyk.

Das Ja-Wort gaben sie sich am 21. Dezember 1940. „Im Januar 1941 musste ich als Soldat nach Russland, da haben wir noch schnell geheiratet“, berichtet der ehemalige Bergmann und Sicherheitsbeamte. 1945 geriet er in Kriegsgefangenschaft. Erst knapp vier Jahre später kehrte er zurück. „Meine Frau hat gedacht, ich wär' tot“, erinnert sich der Jubilar an die schreckliche Zeit. Kurz nachdem er nach Hause gekommen war, erkrankte seine Liebste an einer Rippenfellentzündung und musste neun Monate in einem Krankenhaus verbringen.

Doch auf all die Schwierigkeiten folgte auch eine schöne Zeit: „Meine Eltern sind viel gereist, es gibt kaum ein Land, in dem sie nicht waren. Oft waren sie bis zu sieben Wochen in Schweden, Finnland und Norwegen unterwegs“, erzählt ihr einziger Sohn Walter Talarczyk (69). Er lebt seit knapp 50 Jahren in Hechendorf und war von 1962 bis 1977 Zeitsoldat in der Werdenfelser Kaserne. Anchließend hatte er eine leitende Funktion in einem Altenheim in Munau und pfiff als Schiedsrichter über 3500 Fußball-Spiele. „Mein Vater kam relativ früh mit 50 in Rente, seit dem waren sie jährlich drei bis viermal in Murnau.“ Meistens blieb das glückliche Ehepaar gleich einen ganzen Monat im Blauen Land und wanderte in den Bergen. 40 Jahre lang war hier ihre zweite Heimat.

Auch die fünf Enkel und sieben Urenkel freuten sich jedesmal über ihren Besuch. Vor einem halben Jahr zog das Ehepaar weg aus Dortmund: Wegen einer Krankheit musste Wanda Talarczyk in das Seniorenheim. Bis auf eine Grippe, die sie derzeit plagt, geht es ihr gut. Walter Talarczyk lebt bei seinem Sohn und seiner Schwiegertochter, „besucht sie aber jeden Tag drei Stunden“. Ein Geheimrezept, wie man so lange glücklich miteinander bleibt, hat der Jubilar nicht, er weiß nur: „Natürlich hatten wir auch unsere Höhen und Tiefen, aber alle Probleme waren zu überbrücken.“ (sf)

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