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Das Goldene Dachl in Innsbruck: Die Reliefs sind aus Sandstein gefertigt, der in Mittenwald gebrochen wurde.

Ein Heimatforscher deckt auf

Im Goldenen Dachl steckt viel Mittenwald

Mittenwald - Im Goldenen Dachl in Innsbruck wurde Sandstein aus Mittenwald verarbeitet. Zu diesem Schluss kommt der Heimatforscher Peter Schwarz aus Grainau. 

Peter Schwarz zeigt sich überzeugt: „Das wissen bestimmt nicht viele.“ Worauf er anspielt? Aufs Goldene Dachl in Innsbruck beziehungsweise dessen prächtige Brüstungs-Reliefs. Diese nämlich wurden vor über 500 Jahren aus einem ganz besonderen Material gefertigt: aus Isartaler Sandstein, der „einstmals in Steinbrüchen nördlich von Mittenwald, am sogenannten Kofel, einer langgezogenen Steilstufe links der Isar, abgebaut wurde“, schreibt der Grainauer Heimatforscher in der aktuellen Ausgabe der Innsbrucker Kulturzeitschrift „Tiroler Heimatblätter“.

Seit rund 30 Jahren beschäftigt sich der Werdenfelser mit lokalhistorischen Themen. Gerade der Bergbau hat es Schwarz angetan. Was nicht weiter verwundert, immerhin arbeitete der heute 70-Jährige lange Zeit als Elektro-Ingenieur an der Technischen Universität München. Vor einiger Zeit kam der neue Schriftleiter der Tiroler Heimatblätter auf Schwarz zu und fragte ihn, ob er nicht etwas „Grenzübergreifendes“ schreiben wolle. Da fiel dem Grainauer der Mittenwalder Sandstein ein, auf den er vor einiger Zeit unter anderem bei Recherchen im Münchner Staatsarchiv gestoßen war.

Dieses sehr poröse Material war geradezu prädestiniert für die bekannten Erker-Reliefs am Goldenen Dachl. Denn für Bildhauer ist Sandstein leicht zu bearbeiten. Gebrochen wurde er zwischen dem frühen 15. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts im Steinbruch am Kofel gegenüber den Mittenwalder Kasernen. Verarbeitet hatte man das Material nicht nur in Innsbruck, sondern auch in Hall in Tirol, in Kitzbühel, in Landshut und nicht zuletzt für die Grabkapelle im „Alten Peter“ in München. Das geht laut Schwarz unter anderem aus Amtsrechnungen der Grafschaft Werdenfels hervor.

Der Mittenwalder Sandstein soll dem Bergbau-Experten zufolge Vor- und Nachteile haben. Beispielsweise sei er um 40 Prozent leichter als Kalk, wirke wegen seiner feinen Korngröße fast so glatt wie Stuck, also wie künstlicher Baustoff, und sei gleich nach dem Bruch in noch bergfeuchtem Zustand für Steinmetze besonders leicht zu handhaben. Vor dem Aushärten kann man ihn sogar mit Holzschnitz-Werkzeugen bearbeiten. Bei Verwendung im Außenbereich musste der Sandstein, dessen Nachteil eine hohe Wasserkapazität ist, jedoch überputzt und die Poren mit einem Farbanstrich geschlossen werden. Jedenfalls soll er ein guter „Skulpturenstein“ sein, weshalb er bei Steinbildhauern beliebt war.

Das spätgotische Goldene Dachl aber, das im Auftrag von Kaiser Maximilian I. in den Jahren 1498 bis 1500 als Zier- und Prunkerker am Innsbrucker Neuhof angebaut wurde, ist ein Hauptwerk des Steinmetzmeisters Niklas Türing – insbesondere die zwölf großen Reliefplatten auf der Frontseite der Loggia im Zweiten Stock des Bauwerks, für das nicht nur Mittenwalder Sandstein, sondern auch Kramsacher Marmor und Höttinger Brekzie verwendet wurden.

Die Reliefs sind dem Kaiser gewidmet, zwei zeigen neben seinen beiden Frauen auch Hofrat und Hofnarr, acht weitere stellen die seinerzeit beliebten Moriskentänzer mit ihren besonderen Bewegungen dar. „Durch die reiche Polychromierung“, verdeutlicht Schwarz, „wurde der Sandstein witterungsunempfindlich gemacht und überdauerte die Jahrhunderte“.

Allerdings nahmen die Innsbrucker die wertvollen Reliefplatten bereits 1950 sowie acht dazugehörige Wappenreliefs 1969 ab und brachten dafür Kopien aus Sandstein aus dem Burgenland am Goldenen Dachl an, während die Originale als Dauerleihgabe im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck betrachtet werden können. Jede der zehn Reliefplatten hat übrigens ein Gewicht von etwa 200 Kilogramm, weitere vier Reliefs bringen jeweils 140 Kilo auf die Waage, „sodass etwa neun große Rottfuhrwerke nötig waren, um sie über die Passhöhe aus dem Isar- ins Inntal transportieren zu können“, betont Schwarz.

Er schätzt, dass Sandstein nicht nur in Tirol beliebt war. „Der ist bestimmt auch in Mittenwald zahlreich verwendet worden.“ In diesem Zusammenhang weist er auf ein Anwesen an der Stainergasse hin.

Dass im Innsbrucker Wahrzeichen viel Mittenwald steckt, ist Helmut W. Klinner neu. „Ich weiß nichts davon“, meint der Vorsitzende der Historischen Gesellschaft. „Aber das ist eine tolle, schöne Sache.“ Das freut sicherlich auch Peter Schwarz, der bereits von den Nachbarn positives Echo erhalten hat. Aufsätze über das Goldene Dachl habe es ja schon tausende gegeben, „aber dass da jemand aus Bayern kommt und was Neues sagt“ – das ist schon etwas Besonderes. Wolfgang Kaiser/Christof Schnürer

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