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Die älteste Maschine in der Werkstatt beherrscht Werkstattmeister Alexander Wagner (l.). Sein Wissen gibt er Azubi Christof Jahnig (r.) weiter. Beispielsweise, wie die Radsatzdrehbank von 1930 funktioniert.
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Die älteste Maschine in der Werkstatt beherrscht Werkstattmeister Alexander Wagner (l.). Sein Wissen gibt er Azubi Christof Jahnig (r.) weiter. Beispielsweise, wie die Radsatzdrehbank von 1930 funktioniert.

90 Jahre Zahnradbahn: Noch heute fahren die Loks aus der Gründerzeit

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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90 Jahre Zugspitze Zahnradbahn: Die erste Zahnradbahn von 1929 fährt heute noch – dank der Werkstatt.

Grainau – Verändert hat sich eigentlich nicht viel. Die Messgeräte sind aus schwarz lackiertem Stahl und Blech. Die Lampen mit rund 30 Zentimetern Durchmesser gelten nach heutigen Maßstäben als wuchtig. Sie erhellen mit gelbem, warmem Licht die Lokführerkabine. Lediglich die weiße Wandfarbe blättert an manchen Stellen ab. Ansonsten ist die Tallok, die sich sage und schreibe seit über 90 Jahren ununterbrochen im Einsatz befindet, genauso gut in Schuss wie am Tag ihrer Inbetriebnahme.

Rainer Weber greift nach dem Starkstromfahrschalter im Führerhaus. Drei Fahrstufen sind einstellbar. Seit 29 Jahren ist Weber Betriebsleiter. Er steht in einer der noch aktiven Tallokomotiven vom Baujahr 1929 in der Grainauer Werkstatt der Zugspitze Zahnradbahn. Genauso dürfte auch am 8. Juli 1930 jener Lokführer dagestanden haben, der damals zum ersten Mal die Lok mit der Nummer 11 bei der Jungfernfahrt zum ehemaligen Hotel Schneefernerhaus an der Zugspitze gefahren hatte.

Die Bahn der Jungfernfahrt mit Nummer 11 ist heute nur mehr im Museum zu sehen

Die historische Nummer 11 gibt es nicht mehr. Zumindest nicht im aktiven Dienst. 2008 ging das blaue Prachtexemplar in den wohlverdienten Ruhestand. Ist seither als Ausstellungsstück im Deutschen Museum in München zu bestaunen. Sie war eine von insgesamt vier baugleichen Talloks aus dem Jahr 1929, von denen noch zwei bis heute im Einsatz sind. Zudem zählt der Fuhrpark der Bayerischen Zugspitzbahn noch zwei aktive Bergloks aus jener Gründungszeit.

Dass die Bahnen nach fast einem ganzen Jahrhundert immer noch fahren, ist solider, filigraner Ingenieurskunst zu verdanken. In der heutigen Zeit, in der manche neuen Autos nicht älter als zehn Jahre werden, fast unvorstellbar. Dass sie noch astrein laufen, dafür zeichnen die fünf Mechaniker, vier Elektriker und zwei Signaltechniker verantwortlich. Ihr Arbeitsplatz in der Werkstatt liegt ziemlich versteckt am Waldrand. Hier werden die Lokomotiven und Triebwagen gewartet, instand gesetzt, repariert – kurzum, am Leben gehalten.

Alle acht Jahre müssen die Loks zur Hauptuntersuchung

Wie es für eine alte Dame nötig ist, muss sie regelmäßig zum Arzt – was für die Lok die alle acht Jahre stattfindende Hauptuntersuchung bedeutet. Zwölf dieser Inspektionen haben die vier Verbliebenen in ihrem Leben hinter sich gebracht. „Wir reparieren seit 90 Jahren alles selbst, soweit es uns möglich ist“, sagt Weber.

Hier kommt Werkstattmeister Alexander Wagner ins Spiel. Er zeigt seinem Auszubildenden Christof Jahnig die älteste Maschine der Zahnradbahn-Werkstatt: Eine Radsatzdrehbank aus der Gründerzeit. Diese Maschine bedient Wagner selbst. Sie scheint zwar primitiv einfach, es gibt fast keine Knöpfe, Lämpchen oder Anzeigen. Heikel ist die Arbeit mit ihr trotzdem. Wie viele hunderte Mitarbeiter sie im Verlauf der 90 Jahre bedient haben, kann Wagner nur erahnen. „Funktioniert aber nach wie vor 1A“, sagt er anerkennend.

Seit dem Zugunglück 2000 wurden die Sicherheitsstandards drastisch erhöht

Für die aktuellen Standards der Zahnradbahntechnik musste bei den alten Loks nicht großartig nachgerüstet werden. 1929 hielt schließlich auch im Fahrzeugbau eine revolutionäre weltverändernde Neuerung Einzug: Strom. Einen Notschalter gab es bereits. Lediglich eine Zugsicherung, die die Bremse auslöst, wenn die Lok über ein Rotzeichen fährt, gibt es seit dem Zugunglück 2000 im Katzenstein-Tunnel. Damals verletzten sich 59 Menschen teils schwer, als zwei Züge frontal aufeinander prallten. Die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) hat deshalb die gesamte Strecke von Garmisch-Partenkirchen bis hoch zur Zugspitze mit Signalen, Zugbeeinflussung und einem elektronischen Stellwerk ausgestattet.

Lesen Sie auch:Zugspitzbahn fährt nach Corona-Zwangspause wieder: Medienrummel vor dem Ansturm

Über die Jahrzehnte verkabelten BZB-Elektriker die Triebwagen, installierten Lautsprecher, wechselten alte Glühbirnen mit neuen LED-Lampen aus. Die Aschenbecher gibt es noch als stumme Zeugen aus einer anderen Zeit – erst mit dem Rauchverbot 1993 ist ihre Funktion geändert worden: Seitdem dienen sie als Mini-Mülleimer.

Rainer Weber ist sich sicher, dass die historischen Loks noch lange fahren werden. „Die Nachfrage an unseren Nostalgie-Fahrten ist riesengroß.“

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