Laufwerk schwebt durch die Luft an der Talstation.
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Laufwerk schwebt durch die Luft an der Talstation.

Acht Mitarbeiter sind am Werk

Premiere bei der Zugspitz-Seilbahn: Laufwerk-Wechsel erfordert Fingerspitzengefühl

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Fast fünf Tonnen bringt ein Laufwerk der Seilbahn Zugspitze auf die Waage. Zum ersten Mal seit dem Neubau 2017 wechselten Mitarbeiter eines davon – was bedeutet, dass die Kabine in der Talstation ausgehängt werden musste. Ein hochkomplexes Vorhaben.

Grainau – Kaum hatte die Bayerische Zugspitzbahn das Foto gepostet, schon füllten sich die Kommentarspalten in den sozialen Medien. „Musste das wirklich schon getauscht werden?“, fragten viele. Sie alle waren verwundert, warum die BZB schon jetzt verkündet, dass das Laufwerk einer Kabine in der Talstation der neuen Seilbahn getauscht werden muss. Doch das sei ein ganz normales Prozedere, erklärt Martin Hurm.

Der Betriebsleiter überwacht die Arbeiten. Der Wechsel ist turnusgemäß alle sechs Jahre angesetzt. „Wie beim TÜV fürs Auto.“ Eigentlich wäre es erst nächstes Jahr nötig gewesen. Doch aufgrund des coronabedingten Stillstands hat die BZB die Arbeiten vorgezogen. Routine ist der Wechsel des fast fünf Tonnen schweren Geräts über der Kabine aber trotzdem nicht. Denn Erfahrungswerte gibt es noch keine.

Drei Laufwerke gibt es - eines davon stets auf Reserve

So gut wie die gesamte Technik der Seilbahn ist maßgeschneidert, fast jedes Teil ein Unikat. Bislang mussten die Arbeiter erst ein einziges Mal ans Laufwerk ran: Als im September 2018 ein 2,5 Tonnen schwerer Bergewagen in die rechte Kabine rauschte. Die Aufhängung hat sich durch die Wucht des Aufschlages verzogen. Sie musste abgenommen und entsorgt werden.

Gleich danach wurde ein neues Laufwerk für die Seilbahn gebaut. Drei gibt es insgesamt, jeweils eins pro Kabine, und „immer eins auf Reserve“, sagt Hurm. Denn bei der Revision alle sechs Jahre dürfen für die Arbeiten nicht mehr als drei bis vier Tage verstreichen, so das Ziel.

Herzstück der Seilbahn: BZB-Mitarbeiter überprüfen den Klemmkopf. 

Für die erste Ertüchtigung kommt den Technikern der coronabedingte Stillstand zugute: Es pressiert nicht. „Wir haben jetzt genügend Zeit, um alles in Ruhe zu machen.“ Weshalb auch die vier Seilbahn-Techniker-Azubis aufmerksam den Ausbau verfolgen. „Wir können ihnen gerade alles genau erklären. So ein Austausch passiert ja nicht alle Tage.“

Mit einem speziellen Kran, der bereits beim Neubau in der Talstation installiert wurde, wird das Laufwerk vom Seil genommen. Zuvor kapseln es die Mitarbeiter, acht Stück sind dafür nötig, vom Seil ab. Die Kabine mit ihren 4,4 Tonnen wird derweil an einer speziellen Verankerung befestigt.

Laufwerk wird in der Talstation zerlegt und ertüchtigt

Das Gerät lagert im hinteren Bereich der Talstation. Dort zerlegen es die Techniker in seine Einzelteile. Jedes reinigen sie händisch, überprüfen es auf Risse oder sonstige Schäden. Dann wird es vom Sachverständigen abgenommen. Das Herzstück ist dabei der Klemmkopf. An ihn werden die höchsten Anforderungen gestellt. Um einen lückenlosen Betrieb zu gewährleisten, werden die Aufhängungen der beiden Kabinen im Wechsel von drei Jahren überprüft. Damit sind beide Fahrbahnen stets einsatzbereit.

Den Tausch haben die Mitarbeiter am Mittwoch erfolgreich abgeschlossen. Still steht die Bahn trotzdem, auch wenn sie top da steht: Seit der Zwangsschließung im Oktober 2020 sind sämtliche Revisionen gemacht worden. Zudem tauschten Mitarbeiter ein Seil an der Alpspitzbahn, sowie einen Motor an der Wankbahn. Sobald der Lockdown vorbei ist, könnte zumindest die Seilbahn Zugspitz schnell wieder in Betrieb gehen. Nur zwei bis drei Tage Anlaufzeit sind nötig. Vielleicht können noch ein paar Wochen der Wintersaison mitgenommen werden, die am Zugspitzplatt normalerweise bis in den Mai hinein geht.

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