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„Das sind Unikate“: Die selbst gebaute Krippe bevölkern 46 Figuren von Karl Buchwieser

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Von: Tanja Brinkmann

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Ein Mann zeigt eine Figur aus einer Weihnachtskrippe.
Ein Gesamtkunstwerk: Klaus Munz zeigt seine Krippe mit Figuren vom Grainauer Bildhauer Karl Buchwieser. Den Stall und die Landschaft hat er selbst gebaut. © Thomas Sehr

Hereinspaziert in die gute Stube: Menschen aus dem Landkreis öffnen in der neuen Tagblatt-Serie ihre Türen, zeigen ihre Krippe und erzählen die Geschichte hinter dem besonderen Schatz. In diesem Teil erzählt Klaus Munz aus Grainau, wie er die Figuren von Karl Buchwieser über die Jahre gesammelt hat.

Grainau – Mit dem Stall fing alles an. 1987 war das. Klaus Munz hatte sich da schon längst mit dem Kripperl-Virus infiziert. Kein Wunder, dass er sich den Krippenfreunden Werdenfels anschloss. Und wenig erstaunlich, dass er einen Krippenbaukurs bei Sepp Strodl absolvierte. 70 Stunden arbeitete er damals an seinem Stall, der an eine alpenländische Almhütte erinnert. „Das war der Ausgangspunkt.“

Ein Hirte, der ein Schaf hält, zog als Erster ein. Munz’ Mutter hatte diese Figur, die der Grainauer Karl Buchwieser geschnitzt hatte, zum 60. Geburtstag bekommen – und gab sie ihrem Sohn weiter. „Meines Erachtens hat sich der Künstler da selber verewigt“, sagt der 63-Jährige. Es würde passen. Buchwieser, der heuer im Alter von 86 Jahren gestorben ist, hat selbst Schafe gezüchtet. Und zudem viele Sommer für die Garmischer Weidegenossen das Jungvieh auf der Schellalm gehütet. Seine Beobachtungen dort trugen sicher dazu bei, „dass er eindrucksvoll Tiere schnitzen konnte“. Jedes Schaf, das sich vor der Krippe tummelt, scheint in Bewegung. Genau wie die Ziegen, die Kuh mit ihrem Kalb und das Pferd. „Das sind Unikate“, betont Munz. „Jedes Tier hat einen ganz besonderen Ausdruck.“ Eines, ein Schaf oder eine Goaß, wollte er heuer noch erwerben. Als Abschluss quasi. Dazu kam es nicht mehr. „Leider“, bedauert der Mesner der Grainauer Pfarrkirche, der nebenbei fürs Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt schreibt. Somit ist mit den 46 Figuren Schluss, die die liebevoll gestaltete zwei Quadratmeter große Krippenlandschaft bevölkern. Den Hintergrund bildet ein Blick auf die Waxensteine und die Zugspitze von der Christlhütte aus, den Karl Berndt gemalt hat.

Auch Klaus Munz findet sich in dem Kunstwerk wieder

Unter den Hirten und anderen Besuchern der heiligen Szene finden sich auch Munz, seine Frau Maria, Sohn Seppi und Tochter Johanna. Seine Eltern haben die Figuren in Auftrag gegeben. Munz selbst taucht als Lorenz auf, der gute Mensch aus dem Werdenfelser Krippenspiel von Otto Blümel, der mit seiner Laterne Maria und Josef den Weg in den Stall weist. Sehr passend, schließlich hatte er diese Rolle im 1982 wiederbelebten Krippenspiel inne. Die ersten Figuren haben seine Eltern bei Buchwieser bestellt. Darunter auch die Heilige Familie, die eine ganz geschlossene, sehr liebevolle Einheit bildet. Maria hält das Kind auf ihrem Schoß, Josef legt den Arm um sie, schützt seine Lieben. „Das waren Weihnachtsgeschenke“, erinnert sich der Grainauer. Später beschenkte er sich dann selbst. Jedes Jahr kam eine Figur hinzu. Mal brachte er dem Künstler etwas mit, wie eine Schubkarre oder einen Brunnen, und bat um etwas Passendes dazu. Mal ließ er sich überraschen von dem Bildhauer, der nach der Schnitzschule in Garmisch-Partenkirchen, bei Lang selig Erben in Oberammergau erste Berufserfahrung sammelte, und mit seinem Studium an der Münchner Kunstakademie seine Ausbildung vervollständigt hatte.

Sternsinger-Kinder passen zur Heimatkrippe

Entscheidend für Munz ist, dass gewisse Verbindungen bestehen. „Alles konzentriert sich auf das Geschehen.“ Der Verkündigungsengel etwa, der auf den Stern von Bethlehem weist. Oder der Bub, der am Zaun lehnt und auf das Ereignis im Stall zeigt. Solche Figuren haben ihren festen Platz in der Krippe, die er in der Stube über dem Kanapee aufbaut. Bei anderen variiert er. Und die Sternsinger-Kinder – „das passt zu einer Heimatkrippe“ – stellt er im Lauf der Zeit immer näher an die Heilige Familie heran. Nur einmal musste er darauf verzichten. 2019, als sein Kunstwerk im Museum Aschenbrenner gezeigt wurde. Er hat sie gern ausgeliehen. Auch weil er stolz ist, „so etwas von einem Künstler aus dem Ort zu besitzen, mit dem man zudem freundschaftlich verbunden war“.

Der Grainauer sammelt Krippen. In der Weihnachtszeit stellt er ungefähr zehn in seinem Haus auf. „Aber ich bin kein Sammler“, betont er. Das heißt, er kauft ein Exemplar, wenn ihm etwas gefällt. Aber ihm geht’s nicht um Masse. Und auch nicht um den Wert. Das zeigt sich an der Papierkrippe, die er in einen Kasten eingebaut hat. Vor einigen Jahren, als er nach einer Fuß-OP ruhig gestellt war, hatte er die Zeit, sich einem besonderen Ausschneidebogen zu widmen. Das Motiv: die Barockkrippe aus der Telfser Pfarrkirche. Entscheidend für Munz ist bei all seinen Schätzen: „Das Herz muss dabei sein.“

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