Eine Hand hält das Buch „Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern“, im Hintergrund liegt ein See.
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Ein Buch, ein See: Der Badersee ist Teil des Werkes über unheimliche Orte.

Autor Fritz Fenzl vertut sich beim Grainauer Naturidyll

Buch über unheimliche Orte: Falsche Recherche über den Badersee

Ein bis zwei Stunden soll der Marsch um den Badersee in Grainau dauern. Drei Kilometer soll der Rundweg lang sein. Alles Blödsinn. Doch Autor Fritz Fenzl schreibt das so in seinem Buch über unheimliche Orte in Bayern.

Grainau – Dr. Fritz Fenzl ist in der Bavarica-Literatur kein Unbekannter. Über 60 Publikationen hat der promovierte Literaturwissenschaftler und Theologe vorzuweisen. Neun Jahre leitete er das Münchner Archiv Monacensia. Mit der Jahrtausendwende spezialisierte sich der heute 68-Jährige auf das Unerklärlich-Magische: Bücher über Schutzengel, Wunderheilungen, Engel, Kulte und vor allem Kraftorte erschienen am laufenden Band. Sein neues Werk „Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern“ versucht einen Brückenschlag zwischen Geschichte und Grusel.

75 unheimliche Orte hat Fenzl ausgemacht, relativ gleichmäßig über den Freistaat verteilt. Jeder Ort wird im reich bebilderten, wertigen Hardcover auf nur zwei Buchseiten abgehandelt. Manchmal, wie bei der Krypta des Freisinger Doms oder der Nürnberger Kaiserburg, reicht das bei Weitem nicht. Da hetzt Fenzl durch Historie und Histörchen, streift nur die Höhepunkte. An anderen Stellen sind noch die zwei Seiten zu viel, da bleibt es vage. Fenzls Sprache balanciert zwischen wuchtigen Bildern und dem eher Blumigen.

Badersee als einziger Landkreis-Ort im Buch vertreten - nur mit Recherchefehlern

Ärgerlich, wenn sich trotz des kurzen Textes Recherchefehler einschleichen. Ausgerechnet am einzigen „unheimlichen Ort“ im Landkreis: „Der Badersee speist sich aus klaren unterirdischen Quellen, deshalb sind hier so ungewöhnlich große Forellen zu bestaunen.“ Das ist schlicht und ergreifend Quatsch. Die Forellen im Badersee sind nicht wegen, sondern trotz des klaren (und deshalb äußerst nährstoffarmen) Quellwassers so ungewöhnlich groß – da sie vom Menschen seit der Erbauung des Hotels kräftig zugefüttert werden. Auch bei der Gehzeit hat sich der Autor grob vertan: Drei Kilometer seien es rund um den Badersee, „man geht 1 bis 2 Stunden mit Verweilen um den See herum“. Bitteschön? Man fragt sich, ob Fenzl den Badersee – etwa 600 Meter sind’s einmal im Kreis – vielleicht verwechselt hat.

Informationen zum Buch

Fritz Fenzl: Das Buch der unheimlichen Orte in Bayern. Mystische Plätze und ihre Geschichten. J. Berg Verlag München, 22,99 Euro.

Andererseits darf man dem Münchner zugestehen, das Augenmerk auf etwas „unübliche“ bayrische Sehenswürdigkeiten zu lenken. Neugierde wecken, in Stimmungen schwelgen, das kann er. Hört man aus dem Alatsee wirklich die verzweifelten Schreie der Verdammten? Und wie ist das mit der angeblichen Raum-Zeit-Verschiebung an der Burgruine Weißenstein? Man möchte sofort hin und es selbst herausfinden. Der Gänsehaut-Faktor, er wirkt.

Buchkritik: Autor winkt zu oft mit dem Mythos-Zaunpfahl

Dennoch: Offenbar traut Fenzl seinen Orten nicht zu, für sich alleine zu stehen. Zu oft winkt er mit dem Mythos-Zaunpfahl, reitet auf der individuellen Befindlichkeit des Betrachters herum. Zahllose Male findet sich die Formulierung, dieses und jenes sei für „Fühlige“ spürbar. „Der Ankommende spürt das gewisse Britzeln und Kribbeln unter den Fußsohlen“, schreibt Fenzl, oder: „Das Starnberger-See-Ostufer strahlt bis heute dunkle Energien ab.“ Wozu das allzu starke Anbiedern an die Esoterikjünger? Es hätte dem Spannungsbogen keinen Abbruch getan, darauf zu verzichten. Die menschliche Geschichte ist gruselig genug, und Fenzl weiß sie trefflich aufzubereiten.

Eva Klaehn

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