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Bergsteiger aus Oberbayern stirbt bei tragischem Lawinenunglück in Argentinien - Nachruf

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Von: Markus Christandl, Katharina Bromberger, Katrin Woitsch

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Robert Grasegger steht auf dem Gipfel eines Berges
Die Berge waren seine große Leidenschaft: Robert Grasegger war ein erfahrener Eiskletterer. Er kam bei einem Lawinenabgang in Patagonien ums Leben. © privat

Der erfahrene Grainauer Bergsteiger und Eiskletterer Robert Grasegger (29) ist bei einem Lawinenunglück in Argentinien ums Leben gekommen. In seiner Heimat herrscht Betroffenheit.

Robert Grasegger war nicht nur ein leidenschaftlicher Kletterer, sondern auch ein sehr erfahrener. Einer, der kein Risiko eingeht. „Die Berge können einem extrem viel geben, aber auch extrem viel nehmen“, hatte er einmal gesagt. Schon in seiner frühesten Kindheit hatten ihn die Berge in ihren Bann gezogen. Vor wenigen Tagen ist er in Patagonien bei einer Klettertour ums Leben gekommen.

Bergsteiger-Trio wollte 3405 Meter hohen Fitz Roy besteigen

Er war mit seiner Freundin und einem weiteren Bergsteiger in Argentinien. Zu dritt wollten sie den 3405 Meter hohen Fitz Roy besteigen. Am Donnerstagnachmittag erreichen die drei ein letztes, sehr steiles Schneefeld an der Guillaumet-Spitze. Grasegger und seine 28-jährige Freundin aus Österreich gingen weiter, während ihr Begleiter an der Seite blieb. Etwas später erfasste eine Nassschneelawine die beiden und riss sie mit nach unten in ein Geröllfeld. Ihr Begleiter blieb unverletzt und versorgte die beiden so gut es ging. Dann stieg er ab, um Hilfe zu holen. Nach zwei Stunden konnte er aus einer Schutzhütte die Bergrettung alarmieren. 44 Helfer machten sich in verschiedenen Trupps auf, auch ein Hubschrauber war im Einsatz. In der Nacht trafen die Helfer am Unglücksort ein, sie fanden die Österreicherin, doch laut „Patagoniavertical“ hatte sich Grasegger wegbewegt. Erst am nächsten Morgen wurde er gefunden. Für ihn kam jede Hilfe zu spät. Die 28-Jährige wurde mit schweren Brüchen in ein Krankenhaus nach El Calafate geflogen, wo sie an der Lunge operiert wurde. Ihr Zustand ist stabil.

Nachricht von Robert Graseggers Tod verbreitet sich in seiner Heimat Grainau schnell

Die Nachricht von Graseggers Tod verbreitete sich in seiner Heimat Grainau im Kreis Garmisch-Partenkirchen am Wochenende schnell. Dort hatte er bei der Bergwacht seine Ausbildung gemacht. Seit einigen Jahren war er dort nicht mehr aktiv, berichtet ein Mitglied. Er habe sich ganz auf das Klettern konzentriert und eine Ausbildung zum Bergführer gemacht. Seine ehemaligen Kameraden waren sehr betroffen, als sie am Samstag erfuhren, dass der 29-Jährige in den Bergen ums Leben gekommen ist.

Ein Bild des Fitz Roy in Argentinien
Der Fitz Roy (rechts) ist 3405 Meter hoch. Auf einem steilen Schneefeld löste sich die Lawine. © Wikipedia/Prissantenbär

Grasegger war ein leidenschaftlicher Eiskletterer

Seine Leidenschaft für das Eisklettern hatte Grasegger vor einigen Jahren entdeckt. Seine Touren wurden schnell immer größer – er begann bald auch, seine Reisen danach auszurichten. Das begann mit einer Skibesteigung des Elbrus’ im Kaukasus, dann folgten Touren in Bolivien und Patagonien bis hin zum El Captain in Kalifornien. „Ich bin nichtsdestotrotz immer wieder gerne in die heimischen Berge zurückgekehrt“, sagte Grasegger einmal über sich selbst. „Hier muss ich nur vor die Haustür gehen und finde immer ein Abenteuer. Zu Hause Neuland zu erkunden war für mich schon immer wichtig.“ Er verbesserte kontinuierlich seine Technik und erprobte sie dann wieder bei neuen Touren auf anderen Kontinenten. Seine Arbeit als Berufsfeuerwehrmann in München war für ihn immer der perfekte Ausgleich dazu. „Dort kann ich effektiv helfen“, hatte er einmal gesagt.

Seine Bergwacht-Kameraden bescheinigen ihm Kletter-Fähigkeiten auf hohem Niveau. Dennoch hat Grasegger nie den Respekt vor seinen geliebten Bergen verloren. „Der Berg verzeiht keine Fehler“, sagte er einmal. Die Lawine an der Guillaumet Spitze hatte er nicht kommen sehen können.

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