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Das letzte Rennen : Hanna Kebinger nach dem Sprint am Arber – völlig erschöpft. 

Nach Nackenverletzung jetzt Entzündung am Herzmuskel

Biathlon-Hoffnung Hanna Kebinger: Der Pechvogel gibt nicht auf

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Nach einer schweren Nackenverletzung schien es für Hanna Kebinger endlich aufwärts zu gehen. Jetzt setzt eine Herzbeutel-Entzündung die Biathletin aus Grainau außer Gefecht. 

Grainau – Vor Hanna Kebinger kann man nur den Hut ziehen. Was hat diese junge Frau in ihrer nicht gerade langen Sportkarriere schon alles mitgemacht. „Es schaut fast so aus, als würde ich das Pech förmlich anziehen“, sagt sie selbst. Eine schwere Nackenverletzung hatte die Grainauerin in den vergangenen Jahren lange außer Gefecht gesetzt, bis sie bei der Junioren-WM in der Slowakei im Februar dann drei Medaillen abräumte. Endlich schien es nach einer sehr erfolgreichen Zeit im Schülerbereich richtig aufwärts zu gehen. Dann aber kam der Sommer, die Deutsche Meisterschaft. Kebinger lief den Sprint, brach für alle unerklärlich ein – und steht seither auf dem Abstellgleis. Eine Entzündung am Herzmuskel setzte sie außer Gefecht. Lange blieb diese unentdeckt. Trainer und Mediziner rätselten. Nun ist das Problem gefunden, die Biathletin befindet sich auf dem Weg der Besserung. Eines hat sie in dieser neuerlichen Leidenszeit nicht verloren: ihren Mut. „Ich bin wirklich positiv gestimmt, dass alles bald wieder wird, dass ich wieder Rennen laufen kann.“ Bewundernswert für eine erst 22-jährige Athletin, dass sie derartige Rückschläge nicht aus der Bahn werfen.

Bei Deutscher Meisterschaft reagiert Kebingers Körper schon komisch

Kebinger war eigentlich guten Mutes in den Bayerischen Wald aufgebrochen zum ersten Teil der Meisterschaft. „Ich habe mich fit gefühlt“, sagt sie. Doch am Arber reagierte ihr Körper schon ein wenig seltsam. „Ich habe einen höheren Puls als sonst gespürt.“ Kebinger dachte sich nichts dabei. „Ich habe es auf die Aufregung geschoben.“ Die erste Runde im Sprint funktionierte auch bestens. „In der zweiten hat es mir dann den Stecker rausgezogen.“ Sie brach ein, war platt. Ein Abbruch aber kam nicht in Frage, sie zog das Rennen durch, kam völlig erschöpft im Ziel an. „Ich bin dann sofort krank geworden, hab Schnupfen bekommen, Ohrenschmerzen.“ Trainer und Rennarzt kamen überein: DM beendet für Kebinger. Die fing sich auch in der Folge nicht, sagte die zweite Station in Ruhpolding ab.

Kebinger wusste nicht so recht, was los war. Sie verabschiedete sich erst einmal in den Urlaub. Als sie Anfang Oktober ins Training einstieg, schnellte der Puls wieder nach oben. „Ich bin ja hohe Pulsbereiche gewohnt“, betont sie, „aber das war nicht mehr normal.“ Sie ging zum Kardiologen.

Biathletin Kebinger hat Ärzte-Marathon hinter sich

Nun begann der Ärzte-Marathon. Der Facharzt stellte fest, dass der Troponin-Wert stark erhöht war. Dieser ist ein Indikator für Schädigungen an den Herzmuskelzellen. Es ging ab zum Kernspin ins Klinikum, bestand doch der Verdacht einer Herzmuskelentzündung. Doch auf den Bildern sah alles normal aus.

Kebinger versuchte es wieder mit dem Training. „Einige Einheiten gingen ganz gut, andere nicht.“ Wieder wurde das Troponin untersucht. Es stieg noch stärker an. Nun zogen die Verantwortlichen einen Schlussstrich. Sofortiger Trainingsstopp. „Wir haben die Befunde dann zu einem Experten nach München geschickt, die dann eine Herzbeutel-Entzündung festgestellt haben.“

Seither steht Kebinger unter regelmäßiger Kontrolle. Blutentnahmen sind quasi wöchentlich fällig, um den Wert zu überwachen. Mittlerweile sinkt er. „Ich habe jetzt sechs Wochen nichts gemacht außer ein paar Stabilisierungsübungen oder spazieren zu gehen.“ Ein paar Schießeinheiten mit Bernhard Kröll standen zudem an. Auch aus dieser Situation zieht Kebinger das Positive. „So kann ich auf ein paar Dinge achten, auf die man sonst im Training nicht so schaut.“

Kebingers Hoffnung: „Vielleicht darf ich dann wieder anfangen, mich zu bewegen“

Nun sieht sie Licht am Ende des Tunnels. Am Freitag geht’s wieder zum Arzt. Wieder wird Blut abgezapft. Liegt der Wert im Normbereich, steht zumindest ein Belastungs-EKG an. „Vielleicht darf ich dann wieder anfangen, mich zu bewegen.“ Sie sehnt nichts mehr herbei. Dennoch: „Stressen lasse ich mich nicht.“ Das stellt sie klar. „Ich hoffe, dass ich in dieser Saison noch Rennen laufen kann, aber wenn es nicht klappt, ist es so. Ich muss das jetzt auch perspektivisch in Hinblick auf die nächsten Jahre sehen.“ Mit dem Herz sei nicht zu spaßen. „Das ist einfach die nächste große Geduldsprobe für mich.“ Eine davon hat sie ja schon glorreich überstanden.

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