Trügerische Sicherheit: Spaziergänger auf dem zugefrorenen Eibsee.
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Trügerische Sicherheit: Spaziergänger auf dem zugefrorenen Eibsee.

Unvernünftige Spaziergänger

Lebensgefährlicher Freizeitspaß: Ausflügler spazieren über zugefrorenen See - „Trügerische Sicherheit“

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Das war im Landkreis ein Frühlingsauftakt nach Maß. Doch Sonnenschein und milde Temperaturen machten jetzt am Wochenende auch ziemlich unvernünftig. Denn trotz des Tauwetters marschierten viele über den immer noch (teilweise) zugefrorenen Eibsee – und riskierten einzubrechen.

Grainau – Der herrlich am Fuße der Zugspitze gelegene Eibsee gilt zu Recht als Naturparadies – und wird zu jeder Jahreszeit rege besucht. Dies war auch am vergangenen Samstag und Sonntag der Fall, als frühlingshafte Temperaturen die Menschen in die Natur zogen und das Werdenfelser Land wieder unzählige Ausflügler anlockte. Doch einige Erholungssuchende ließen sich auf ein äußerst gefährliches Abenteuer ein: Sie spazierten seelenruhig über den beliebten Bergsee bei Grainau, der zumindest in weiten Teilen noch eine Eisdecke aufweist.

Eibsee bei Grainau: Ausflügler spazieren über teils zugefrorenen See - Polizei spricht von „trügerischer Sicherheit“

Doch das Ganze war und ist lebensgefährlich. Die Polizei spricht von einer „trügerischen Sicherheit“. Denn die Eisschicht trägt an vielen Stellen nicht mehr oder weist sogar Löcher auf. Die Gefahr einzubrechen, könne nicht ausgeschlossen werden, sagt Andreas Breitrück von der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen, die für das Gebiet zuständig ist. Dem Vernehmen nach befanden sich zeitweise 30 bis 50 Menschen auf dem Eis. Glücklicherweise kam es zu keinem Unfall.

Polizei und Wasserwacht waren dennoch alarmiert – und vor Ort. Doch rechtlich sind der Gemeinde Grainau die Hände gebunden, wie Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) erklärt. Dies habe eine Nachfrage beim Gemeindetag ergeben. Demnach liegt in diesem Fall ein so genannter Gemeingebrauch vor.

Spaziergänger laufen über zugefrorenen See - Polizei und Wasserwacht alarmiert

Das heißt: Bestimmte Dinge können von allen ohne Erlaubnis benutzt werden. Dies gilt beispielsweise für öffentliche Straßen, Wege und Plätze, Wälder oder eben Gewässer. Die Folge: Jeder kann die Eisfläche betreten – allerdings nur auf eigene Gefahr. Es wird jedoch an die Vernunft appelliert, dies aus Sicherheitsgründen zu unterlassen.

Im kalten Wasser verliert man schnell die Kraft

Das Bayerische Rote Kreuz rät dringend davon ab, sich aufs Eis zu wagen. „Das ist zu gefährlich. Wir warnen davor“, sagt Jörg Jovy, Sprecher des Kreisverbands, zu dem auch die Wasserwacht gehört. Dies gilt für alle Seen im Landkreis. Keiner sei freigegeben. „Wenn man einbricht, besteht Lebensgefahr“, schildert Jovy. Immer wieder kommt es zu Unfällen, die tödlich enden. „Es geht schnell, dass man im kalten Wasser die Kraft verliert.“

Eisflächen auf See betreten: Rotes Kreuz warnt - „Wenn man einbricht, besteht Lebensgefahr“

Bereits nach fünf Minuten tritt eine Unterkühlung ein. Das Tückische dabei: In der Regel schafft man es nicht, raus zu klettern, da die Eisränder immer wieder wegbrechen. Im Notfall sei es entscheidend, so Jovy weiter, Ruhe zu bewahren, auf sich aufmerksam zu machen und auf rasche Hilfe zu hoffen. Die Wasserwacht verfügt über die entsprechende Rettungsausrüstung.

Das erste Frühlingswochenende des Jahres mit Temperaturen von rund 20 Grad bescherte dem Landkreis wie erwartet einen Ausflugsansturm. So waren etwa in den Bergen viele Skitourengeher unterwegs. Allerdings bewegte sich das Besucheraufkommen laut Polizei noch im grünen Bereich. Eine Überlastung der Verkehrswege blieb aus.

In Garmisch-Partenkirchen nahe der Notkarspitze stieß ein Polizist beim Eisklettern kürzlich auf Knochen. Die Überreste bringen traurige Gewissheit in einem alten Vermisstenfall. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

(Von Andreas Seiler)

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