Mitarbeiter der Firma PUS, der Straßenmeisterei und des Bauhofs stellen Schilder am Parkplatz Christlhütte in Grainau auf.
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Neue Ordnung an der Christlhütte: Mitarbeiter der Firma PUS, der Straßenmeisterei und des Grainauer Bauhofs stellen die entsprechenden Schilder am Parkplatz auf.

Nur der Verkehr bleibt im Dorf

Nach Chaos in Urlaubsort: Gemeinde greift bei Ausflugsverkehr durch - Im Notfall wird die Straße gesperrt

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Entlang der Straße verhindern Zäune das Parken in den Wiesen, die Schlupflöcher sind verbarrikadiert. Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl sieht bereits Verbesserungen.

  • Nach Wildparker-Chaos in Grainau und am Eibseee: Gemeinde kann jetzt endlich handeln.
  • Bürgermeister Stephan Märkl sieht auch schon erste Erfolge.
  • Ohne Straßensperrungen geht es aber nicht.

Grainau – Das hätte Stephan Märkl auch nicht für möglich gehalten, dass er den Corona-Chaos-Sommer doch zumindest einmal würde anpreisen müssen. Aber es ist so. „Gott sei Dank ist das alles so passiert“, betont der Grainauer CSU-Bürgermeister. Denn – und nun kommt die Erklärung für diese Aussage: „Jetzt haben auch die übergeordneten Behörden verstanden, um was es hier geht. Ich denke, dass unsere Probleme in der Vergangenheit nicht immer so ernst genommen wurden.“

Wildpark-Chaos in Grainau: Viele Ausflügler lassen ihr Auto in Garmisch stehen und nehmen den Zug

Nun aber wird gehandelt. Seit einigen Tagen bereits laufen die Arbeiten am Eibseeberg. Der wird so hergerichtet, dass die Wildparkerei ein Ende hat. „Selten ein Schaden, wo kein Nutzen ist“, kommentiert Märkl das Geschehen. Erste Erfolge sind laut dem Grainauer Rathaus-Chef sogar schon sichtbar. Der Parkplatz am Kreuzeck in Garmisch-Partenkirchen sei in den vergangenen Tagen deutlich besser genutzt gewesen. „Die Leute fahren dann mit dem Zug zum See hoch.“

Verkehr bleibt im Ort - Sperre nicht früher möglich

Dass nicht alle Probleme vom Tisch sind, ist Märkl auch klar. „Freilich hat der Verkehr nicht abgenommen, doch am Eibsee läuft alles wunderbar, die Rettungswege sind frei, es steht keiner mehr an den Straßenrändern.“ Und das sei wichtig. Dass sich die Autoschlange weiterhin durch den Ort schlängelt, in diesen sauren Apfel müssen die Grainauer eben beißen. Denn eines hat der Kampf um eine Verkehrsentlastung und eine Verbesserung der Zustände am Berg gezeigt: Die Blechlawine bereits weiter unten im Ort aufzuhalten, funktioniert schlichtweg nicht. Man versuchte es an der Lagerhausstraße am Bahnhof. Ohne Erfolg. „Dann haben sich die Autos bis weit auf die B23 zurückgestaut.“ Noch schlimmer: Die Fahrzeuge blieben auch am Bahnhof stehen. Am Pfingstmontag wäre es sogar beinahe zu einem Unfall mit einer Regionalbahn gekommen.

Die Grainauer Verantwortlichen haben es daraufhin auch am Badersee versucht oder auf Höhe der Tennishalle – „aber dort ist zu wenig Platz“. Bleibt nur die Christlhütte. Die Gemeinde prüft nun, ob sie dort sogar noch einen Wendehammer errichten kann, um das Umdrehen der Fahrzeuge zu erleichtern. „Das Eck ist schon stark frequentiert, weil dort auch die Fußgänger und die Radlfahrer vom Törlenweg zusammenkommen. Wenn sich baulich etwas machen lässt, werden wir das tun.“

An der Eibseestraße in der Nähe der Christlhütte könnte ein Wendehammer entstehen, um den Autos das Umkehren zu erleichtern.

Parkplatz-Probleme in Grainau: Straße bis zum Eibsee ist jetzt gesichert

Geschehen ist in der Tat einiges. Der Parkplatz an der Christlhütte wurde vernünftig abgesichert und vor allem mit Blick auf die Camper mit einem Nachtparkverbot versehen. Entlang der Straße sind Litzenzäune aufgestellt worden, um das Abstellen von Fahrzeugen am Straßenrand und in den Wiesen zu verhindern. Weitere Stellen, die für wildes Parken genutzt werden könnten, wurden mit Flusssteinen verbarrikadiert. Der Parkplatz an der langen Gerade nach der Dreifaltigkeitskurve (S-Kurve) wurde ein wenig erweitert und ebenfalls gegen Parken auf den Grünflächen gesichert. Dazu war er auch gesperrt. In der Kurve hat das Staatliche Bauamt einen Erdwall aufgeschüttet, um eine zusätzliche Parkfläche abzuschotten. „Jetzt ist der Berg bis oben eigentlich komplett abgesichert“, resümiert Märkl zufrieden. „Und wir hatten zuletzt auch kein Auto mehr am Straßenrand.“

Wenn 80 Prozent der Parkplätze belegt sind, wird der Berg gesperrt

An den Sperrungen, die in jüngster Zeit normal wurden, muss die Gemeinde weiter festhalten. „In den vergangenen drei Wochen gab es keinen schönen Tag, an dem wir nicht zu machen mussten.“ Die Firma PUS erledigt das nun. Die Bayerische Zugspitzbahn, das Eibsee-Hotel und die Kommune haben sich zusammengetan und finanzieren diesen Dienst zu je einem Drittel. „Wenn die Parkplätze oben zu 80 Prozent belegt sind, geht eine Meldung an die Gemeinde und die Polizei raus, dann wird die Firma PUS aktiv“ – so schildert der Rathauschef das Prozedere.

Märkl fallen Tonnen Steine vom Herzen, dass nun endlich etwas geschehen ist. „Es war ein sehr langer Prozess“, blickt er zurück. „Das ging jetzt über Jahre, wir hatten schon Arbeitskreise und alles ist immer so weitergegangen.“ Nun hofft er tatsächlich auf bessere Zeiten am Eibsee – zumindest verkehrstechnisch, denn das Problem mit dem Müll, den die Ausflügler hinterlassen, besteht weiterhin. „Im Winter haben wir das Problem ja nicht.“ Da reichen die 1200 Parkplätze, die es offiziell gibt.

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