Viele Demonstranten gehen auf einer Straße.
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Wo an schönen Wochenenden normalerweise Auto an Auto steht, setzten am Samstag knapp 500 Demonstranten ein Zeichen. Mit ihrem Zug durch Grainau, hier auf der Eibseestraße, forderten sie die Verkehrswende.

Knapp 500 Teilnehmer bei Aktion „Ausbremst is“

Nach der Demo gegen den Verkehrskollaps: „Parkplatz-Suchchaos“ rund um den Eibsee

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Mit so vielen Teilnehmern hatten die Initiatoren nicht gerechnet. Knapp 500 kamen nach Grainau, um unter dem Motto „Ausbremst is“ für die Verkehrswende und gegen das Parkchaos zu demonstrieren. Genau das setzte dann ein.

Grainau – Samstag, bestes Ausflugswetter – und die Straßen autoleer. Welch unwirkliches Bild an diesem Wochenende in Grainau. Es sollte sich schnell wieder ändern. Bis 11.20 Uhr waren Straßen, unter anderem Richtung Eibsee beziehungsweise Seilbahn Zugspitze, für den Verkehr gesperrt. Dann gab die Polizei die Straßen wieder frei – um sie gegen 11.50 Uhr erneut zu schließen. Alles war dicht. Innerhalb von nur einer halben Stunde „ist das Parkplatz-Suchchaos am Eibsee voll ausgebrochen“, sagt Andreas Breitrück von der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen. Und damit genau jenes Grainau-Chaos, gegen das am Samstagvormittag Anlieger sowie Bürger aus der Umgebung protestiert hatten.

Rücksichtsloses Fehlverhalten wie ungeniertes Zuparken von Wiesen oder Privateinfahrten sowie das Missachten von Rettungswegen ist zwar nicht ganz neu, erreicht in diesem Jahr aber ungeahnte Ausmaße. „Wir sind Schwerstbetroffene, so ein verkehrsreiches Jahr gab es noch nie“, sagt Anlieger Heinz Schneider am Rande der Kundgebung. Er sehnt sich Abhilfe herbei. Wie so viele. Deshalb hat unter anderem die „Radlinitiative GAP“ für Samstag zum Protest eingeladen. Und viele sind dem Aufruf gefolgt. Fast 500 Teilnehmer – für Karina Winkler, Sprecherin der Radlinitiative, ein großer Erfolg. „Super, dass so viele Leute gekommen sind“, freut sie sich gleich zum Start. Mit maximal 400 Menschen hat sie gerechnet. In Wallgau, wo die erste Aktion unter dem Motto „Ausbremst is“ stattgefunden hat, sind etwa 350 Demonstranten für eine Entlastung von Verkehr, Lärm und Müll auf die Straße gegangen.

Harte Strafen und mehr öffentlicher Nahverkehr: Ihre Forderungen haben Anwohner auf Schildern festgehalten. 

Teilnehmer der Demonstration in Grainau fordern 500 Euro Strafe für Wildparker

Am Untergrainauer Dorfbrunnen nimmt die Demo ihren Anfang. Die Teilnehmer statten sich mit Warnwesten und Schildern aus. Darauf plakative Forderungen der Anwohner wie „500 Euro Strafe für Wildparker - wobei auch das Wildcampen immer mehr zum Problem wird -, „Wie viel Mensch verträgt die Natur?“ oder „Eibseestraße Auto-frei“. Sarah Feuchtinger, Anwohnerin der viel befahrenen Loisachstraße Richtung Eibsee, spricht aus, was wohl viele umtreibt: Gegen die Urlauber im Ort habe man nichts. „Aber die Naherholer, die für ein paar Stunden ins Dorf kommen, überrollen uns.“ Als Grainauer müsse man gut überlegen, zu welchen Zeiten man staufrei nach Garmisch-Partenkirchen komme. Auch Irmi Gallmeir vom Grünen-Ortsverband Garmisch-Partenkirchen war gekommen, um ihren Frust zu verdeutlichen. „Der Eibsee – Juwel der Natur, braucht jetzt eine Erholungskur!“ ist auf ihrem Plakat zu lesen.

Das große Motto-Transparent „Ausbremst is!“ voran, ziehen die knapp 500 Demonstranten – darunter zahlreiche Grainauer Kommunalpolitiker – auf der ungewohnt autoleeren Straße bis zum Wendepunkt, vorbei an Zäunen und Hecken von Anwohnern, die mit Spruchbändern die Forderungen der Aktion unterstützen. Immer wieder propagiert die Führungs-Crew um Winkler und Martin Schneyder die ihrer Auffassung nach lang überfällige Verkehrswende. Dann die Frage: „Wann wollt ihr sie?“ – „Jetzt“, bekommen sie im Chor als Antwort. Zurück am Dorfplatz, folgen Redebeiträge zu verschiedenen Themen um Verkehr und Umwelt.

Bund Naturschutz: „Wir müssen aufhören, es den Autofahrern recht zu machen“

Schneyder vom Bund Naturschutz spricht von einem nicht mehr zeitgemäßen Individualverkehr. „Es kann nicht sein, dass Tagestouristen bis auf wenige Meter zum See fahren können“, betont der Geologe. „Wir müssen aufhören, es den Autofahrern recht zu machen, denn die Zukunft gehört dem ÖPNV.“ Beifall der Zuhörer. Die Liste an Forderungen der Initiative ist bekanntlich lang. Dazu gehören weniger Fahrzeuge, keine weiteren Parkplätze, eine Ableitung der PKW in Garmisch-Partenkirchen über ein intelligentes Parkleitsystem, ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Bürgermeister Stephan Märkl (CSU), selbst Anwohner, betont einmal mehr, dass es eine ganzheitliche Lösung braucht. „Das Grundproblem für unsere Region fängt in München an.“ Passieren muss etwas, geht es nach Dr. Hans Vogelmann (Bürger für Grainau, BfG). „Wir bewegen uns auf eine Katastrophe zu.“ Der Verkehrsinfarkt drohe. „Wir Einheimischen können uns nicht mehr frei bewegen – was früher vereinzelt auf den Straßen stattfand, ist nunmehr Alltag.“

Bei allen Emotionen: Die Demonstranten verhielten sich überaus vernünftig. Ausdrücklich lobt dies Einsatzleiter Manfred Maier von der Polizeiinspektion Garmisch-Partenkirchen. „Ob Masken oder Abstände – es hat gepasst.“ Er und seine Kollegen – etwa zehn aus Garmisch-Partenkirchen, zudem 20 Unterstützungskräfte aus München –, bekamen sogar Applaus für die umsichtige Begleitung der Aktion. Für sie und die Helfer der Feuerwehr Grainau aber war die Arbeit mit dem Ende der Demo nicht vorbei.

Polizei: Ein Verkehrschaos wegen der Sperrung in Grainau blieb aus

Die Kundgebung selbst war laut Polizeisprecher Breitrück „sehr gut kommuniziert worden“. Unter anderem wiesen sieben Anhänger mit LED-Schildern seit mehreren Tagen auf die Straßensperrung hin. Das half. Zudem wurde das Verkehrsleitsystem der Bayerischen Zugspitzbahn mit den Ausweichparkplätzen Kreuzeck, Eisstadion und Zugspitzbahnhof gut genutzt. Zwar bildete sich wie erwartet an der Sperrung Stau, der auch in Garmisch-Partenkirchen zu spüren war. „Ein Chaos aber, wie man es von anderen Samstagen kennt, blieb aus“, sagt Breitrück. Es kam nach der Demo zurück.

Die weiteren Demos zu „Ausbremst is“ finden am 22. August in Kochel, 5. September in Murnau und am 12. September in Garmisch-Partenkirchen statt.

Verkehrschaos, Müllberge und Lärmbelästigung: Am Samstag gingen mehrere hundert Bürger der Gemeinde Kochel am See auf die Straße, um im Rahmen der „Ausbremst is!“-Demo-Tour gegen den immensen Ausflugsverkehr in ihrer Heimat zu demonstrieren.

Klaus Munz

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