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Ein besonderer Familienbetrieb: Fünf Öfners und viel Herzblut stehen hinter Edeka Bartl. Das sind (v. l.) Christine und Hubert, Johanna, Franz und Petra Öfner. 

Hohe Investitionen stehen an

Edeka Bartl künftig nur noch in Farchant, nicht mehr in Grainau

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Der Schriftzug „Bartl“ verschwindet vom Edeka-Markt in Grainau. Zum 30. Juni ziehen sich die Inhaber zurück. Zu hohe Investitionen standen an. Sie konzentrieren sich jetzt ganz auf Farchant. 

Grainau – Oft haben die Geschwister und Partner in den vergangenen Monaten darüber geredet. Sie rechneten, überlegten, diskutierten. Am Ende aber landete der Familienrat immer wieder an einem Punkt: Die Investition ist zu groß. Die Unsicherheit auch. Deshalb wird Familie Öfner den Edeka Bartl in Grainau aufgeben und sich ganz auf das Geschäft in Farchant konzentrieren. „Wir hätten sehr gerne weitergemacht“, sagt Inhaber Franz Öfner. Doch EU-Vorschriften ließen ihnen keine Wahl. Am 30. Juni geben er und seine Frau Petra die Schlüssel ab.

EU-Politiker sagten klimaschädlichen Kühlmitteln den Kampf an. Schrittweise treten Regelungen in Kraft. Heute noch gängige Mittel dürfen nach einer Übergangsfrist nicht länger eingesetzt werden. Für Supermärkte wie Edeka Bartl bedeutet das: umrüsten. Dabei passen die neuen Kühlmittel nicht zu den alten Anlagen. Sie müssten alle raus. „Vorsichtig geschätzt“ belaufen sich die Kosten Franz Öfner zufolge auf 350 000 bis 400 000 Euro. Nur für Grainau. Für Farchant fällt in etwa die gleiche Summe an. In Grainau lasse sich das betriebswirtschaftlich nicht darstellen, sagt der 50-Jährige. „Eine solche Investition trauen wir uns für den Standort nicht zu.“ Besonders vor dem Hintergrund, dass die Familie dort nicht langfristig planen kann.

Edeka Südbayern übernimmt Markt in Grainau 

Ihren Mietvertrag könnten die Öfners nun für zehn Jahre verlängern. Innerhalb der kommenden fünf Jahre müssen sie die Kühlanlagen tauschen. Bleiben fünf Jahre Sicherheit – und dann? Niemand weiß heute, ob der Vertrag erneut verlängert wird. Wenn ja: zu welchen Konditionen. Gut möglich, dass die Miete deutlich steigt, den Öfners aber nach wie vor die Investition im Nacken sitzt. Das Risiko war dem Paar zu hoch. Ist es offenbar auch anderen: Einen privaten Betreiber für Grainau hat Edeka Südbayern nicht gefunden. Das Unternehmen übernimmt den Markt nun selbst.

Vor fast zehn Jahren eröffneten Franz und Petra Öfner den Edeka Bartl in Grainau. Ihr Vorgänger hatte Insolvenz angemeldet. Der Start – hart. Niemals, sagt Petra Öfner (52), hätte sie es sich so schwierig vorgestellt, einen insolventen Betrieb zu übernehmen – und erfolgreich zu führen. Es gelang der Familie. Mit viel Herzblut, einem eigenen Sortiment und engagierten Mitarbeitern.

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Petra Öfner vom Edeka Bartl wird die Kunden aus Grainau vermissen

Um die Menschen tut es Petra Öfner besonders leid. Kunden zum einen, zu denen man einen persönlichen Kontakt aufgebaut hat, „man lässt was zurück“. Mitarbeiter zum anderen, die schon damals mit der Pleite eine schwierige, unsichere Zeit erlebten – und jetzt wieder. „Da lag mir im Magen.“

Die Inhaber wollten es dem Team, etwa 15 Leute, ermöglichen, nach Farchant zu wechseln, wo 35 Beschäftigte arbeiten. Sechs nahmen da Angebot an, die übrigen bleiben in Grainau. Dort wird die Edeka Südbayern einen Filialleiter einsetzen. Die beiden bisherigen, Christine (35) und Hubert (48) Öfner, kommen ebenfalls nach Farchant. „Wir formieren uns als Familienbetrieb neu“, sagt Franz Öfner. Der Ausdruck hat bei den Farchantern eine besondere Bedeutung.

Edeka Bartl: Ein ganz besonderer Familienbetrieb aus Farchant

1966 eröffneten Josef und Josefa Bartl den ersten Edeka-Lebensmittel- und Feinkost-Markt an der Alpspitzstraße. Das Geschäft, mittlerweile an der Bahnhofstraße, übernahmen Tochter Petra und ihr Mann Franz Öfner 2005. Zwei Jahre später zogen sie ins Gewerbegebiet, eröffneten zudem einen Getränkehandel samt Vinothek. Um das Geschäft in Grainau kümmerten sich ab 2010 Christine Öfner – Petra Öfners Schwester – und ihr Mann Hubert – Franz Öfners Bruder. Auch die Nachfolge im Betrieb steht bereit: mit der 20-jährigen Johanna Öfner, Tochter von Franz und Petra.

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