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Präsentieren den Elchgeweih-Fund aus dem Eibsee: (v.l.) Caroline von Nicolai, Landrat Anton Speer (FW), Simon Trixl und Martinus Fesq-Martin. 

Überraschende Erkenntnisse

Wegen außergewöhnlichem Fund im Eibsee: Nun müssen Geschichtsbücher umgeschrieben werden

Ein Taucher hat es vor 57 Jahren aus dem Eibsee gefischt, erst jetzt ist das Elchgeweih untersucht worden. Durch die neuen Erkenntnisse müssen Geschichtsbücher umgeschrieben werden.

  • Ein Fund aus dem Eibsee sorgt für Aufsehen. 
  • Es handelt sich dabei um ein Elchgeweih, dass schon 1962 aus dem See gezogen wurde.
  • Erst jetzt brachten Untersuchungen des Geweihs Erstaunliches zutage.

Grainau – Es war eine überraschende Erkenntnis: Das im Eibsee gefundene Elchgeweih ist rund 2500 Jahre alt. „Man hatte früher angenommen, dass Elche in Mitteleuropa schon länger ausgestorben waren“, sagt Dr. Caroline von Nicolai. Derzeit arbeitet die Wissenschaftlerin der Ludwig-Maximilians-Universität München an einem größeren Projekt, in dessen Verlauf untersucht wird, wieso und zu welchem Zeitpunkt Elche aus der Region verschwunden sind.

Außergewöhnlicher Fund im Eibsee: Sporttaucher entdeckte Geweih in 25 Metern Tiefe

Erst Ende vergangenen Jahres hatte der Fund von Norbert Schuch aus dem Jahr 1962 für Aufsehen gesorgt. Der Sporttaucher hatte damals in 25 Metern Tiefe im Eibsee eine Geweihschaufel eines Elches entdeckt. Etwa 57 Jahre lang lag das Geweih im Museum Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen herum. Dann kamen Dr. Martinus Fesq-Martin von der Universität Augsburg und Peter Schwarz (Museum Werdenfels) auf die Idee, das Alter des Elches bestimmen zu lassen. Das Ergebnis der Untersuchung im Forschungszentrum Mannheim mittels der Radiokarbonmethode 14C brachte Erstaunliches zutage: Die Geweihschaufel des Elches aus dem Eibsee stammt aus dem fünften Jahrhundert vor Christus und damit aus der vorrömischen Eisenzeit.

Erstaunlicher Fund im Eibsee: Wann und warum ist der Elch im Alpenraum überhaupt ausgestorben?

Elche sind seit einiger Zeit in Nordeuropa, Asien und in Nordamerika verbreitet. Doch wo lebten die Säugetiere in früheren Jahrhunderten? Archäologin von Nicolai, Ökologe Fesq-Martin und der Archäozoologe Dr. Simon Trixl von der Universität München untersuchen nun in einem neuen Projekt die Verbreitung der Tiere in Süddeutschland und im Alpenraum. „Dabei geht es vor allem um die Frage, wann und aus welchen Gründen Elche in unserem Gebiet ausgestorben sind“, erklärt von Nicolai. Die Finanzierung der Untersuchungen wurde bisher von der Gemeinde Grainau übernommen.

Nicht nur der Eibsee birgt ungeahnte Schätze aus prähistorischen Zeiten. Auch der Walchensee ist im Fokus von Tauchern.

Geweih aus Eibsee geholt: Wissenschaftlicher untersuchen Elch-Funde

Die Wissenschaftler analysieren weitere archäologische Funde von Elchen. Neben der Geweihschaufel vom Eibsee steht den Forschern auch ein komplettes Elchskelett zur Verfügung, das bei Scharnitz aufgetaucht ist. Es wird auf die Zeit um Christi Geburt datiert. Untersucht wird, ob und wann den Elchen der Lebensraum zu klein wurde. „Elche haben große Platzansprüche und brauchen ein großes Territorium“, sagt von Nicolai. Interessant ist auch, dass sie keine Herdentiere sind und meist alleine umherziehen. Hat die Almwirtschaft die Tiere verdrängt? Wurden sie zu stark bejagt? Oder waren es die klimatischen Bedingungen, die sie veranlassten, Richtung Norden das Weite zu suchen?

Wegen außergewöhnlichem Fund im Eibsee: Archäologin präsentiert Ergebnis der Untersuchungen

Im Laufe des Jahres wird das Ergebnis der Untersuchung präsentiert, verspricht die Archäologin. Darüber hinaus plant das Museum Werdenfels, den Fund aus dem Jahr 1962 im Rahmen einer neuen Ausstellung zu präsentieren. 

Lesen Sie auch: Im Grainau gibt‘s bald wieder eine Postfiliale.

VON ALEXANDER KRAUS

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