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Kein schöner Anblick: Die Tonnen rund um den Eibsee – hier die fünf zwischen der Wasserwacht-Diensthütte und dem Strandbad – quellen häufig über. Dazu kommt jede Menge Abfall, den Besucher einfach so wegwerfen. 

Ekelhaftes Verhalten, ekelhafter Anblick

Ausflügler verschandeln Natur: Das Eibsee-Ufer versinkt im Müll

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Überquellende Mülltonnen, jede Menge Abfall, der einfach in den Wald, den See oder an den Badeplätzen entsorgt wird – Gästen und Einheimischen bietet sich am Eibsee kein schöner Anblick. Das Verhalten der Ausflügler stößt der Wasserwacht und der Gemeinde Grainau sauer auf.

Grainau – Er zählt zu den schönsten Seen des Freistaats. Wird als malerisches Kleinod, an dem man sich der Natur nahe fühlt, beworben. Mit seinem grün-blau-türkisen Wasser nennen ihn viele „die bayerische Karibik“. Egal, welche Assoziationen man mit dem Eibsee verbindet. Klar ist, er ist etwas Besonderes. Einmaliges. Und vor allem Schützenswertes. So sehen’s Sandro Leitner, Vorsitzender der Wasserwacht Grainau, und Bürgermeister Stephan Märkl (CSU). Viele, die am Ufer entlang spazieren, eine der Badestellen nutzen oder vom Boot aus den Blick aufs Zugspitzmassiv genießen, agieren allerdings völlig konträr. Überquellende Mülltonnen, Abfälle im See, im Uferbereich und im angrenzenden Wald zeugen davon. Das Verhalten dieser Ausflügler entsetzt Leitner und Märkl – und stimmt sie ratlos. „Vor ein paar Tagen haben wir nach dem Dienst nur rund um unsere Hütte Müll gesammelt“, sagt der Wasserwacht-Chef. In kürzester Zeit waren drei Säcke voll, 20 Kilogramm schwer. „Gefühlt ist’s in diesem Jahr besonders heftig.“

Übersät mit vollen Windeln, Bierdosen und Plastikmüll

In einer spontanen Aktion haben Lukas Eitzenberger (l.) und Matthias Franke von der Wasserwacht Grainau mit weiteren Rettern Müll gesammelt.

Ähnliche Worte wählt Angelika Banner, die quasi ihre Kindheit am Eibsee verbracht hat und jetzt nach vielen Jahren wieder einmal zurückgekehrt ist. Ihre Erinnerungen konnte sie dabei nicht auffrischen, stattdessen „traf mich schon oberhalb der Bucht nach den Holzhütten fast der Schlag“, erzählt die Garmisch-Partenkirchnerin, die mittlerweile im Landkreis Starnberg wohnt. „Der gesamte Platz war übersät mit vollen Windeln, Bierdosen, Plastikmüll, alten Badeschuhen, Pappbechern, Socken, Papier und so weiter. Es war ein ekelhafter Anblick, der sich mir bisher noch an keinem anderen See, Fluss oder Ausflugziel geboten hat.“

Ekelhaft findet auch Leitner das Verhalten vieler Gäste. „Die stellen uns müllsäckeweise ihren Dreck vor die Tür“, empört er sich. „Ein Wahnsinn.“ Der Gipfel war vor wenigen Tagen ein Mann, der eine Gasbrenner-Kartusche einfach in den See werfen wollte. „Ein Kollege hat ihn in entsprechender Tonlage darauf hingewiesen, dass das gar nicht geht“, erzählt der Wasserwacht-Chef. Mit Erfolg. Weniger Erfolg haben er und seine Kollegen hingegen, wenn sie gerade arabischen und indischen Urlaubern klar machen wollen, dass sie ihre Abfälle nicht an Ort und Stelle liegenlassen können. „Leider finden die’s völlig normal, einfach alles in die Natur zu werfen“, bedauert Leitner. „Die haben ein ganz anderes Verständnis dafür, ein anderes Umweltbewusstsein als wir.“

Vorsitzender der Wasserwacht ist ratlos

60 Tonnen à 120 Liter hat die Gemeinde auf dem 7,5 Kilometer langen Weg rund um den See aufgestellt. In Absprache mit dem Grundbesitzer, den Bayerischen Staatsforsten. In der Hochsaison werden diese Märkl zufolge dreimal pro Woche geleert. Ein Mitarbeiter muss dafür mehrfach mit einem Schmalspur-Fahrzeug hin- und herdüsen. Noch häufiger zu leeren, sei jedoch nicht möglich – aus Zeit- und Personalgründen. Dem Bürgermeister ist durchaus bewusst, dass gerade der schöne Sommer viele Menschen an den See lockt und damit das Müllproblem steigt. Ein Patentrezept, wie man dem Herr werden könnte, hat er allerdings nicht.

Auch Leitner ist ratlos, fürchtet aber, dass die Verschmutzung rund um den See immer schlimmer wird. „Wir müssen das unbedingt in den Griff bekommen“, fordert er. Zumal mit dem Abfall, insbesondere den Essensresten, ein weiteres Problem einhergeht: „Dadurch werden viele Wespen angelockt und die Leute reihenweise gestochen.“ Verarzten lassen sie sich dann von der Wasserwacht.

Entscheidend wäre ein Umdenken der Menschen und ein respektvoller Umgang mit der Natur – darin sind sich Leitner und Märkl einig. Wie man das erreichen kann, ist eine andere Frage. Banner regt an, „in den frühen Morgenstunden ein oder zwei Leute gegen gutes Geld loszuschicken, um den schlimmsten Müll zu entsorgen“. Sie und ein Urlauber aus Rügen haben letztlich spontan selber angepackt und einen Großteil des Abfalls weggeräumt, den sie in der Bucht entdeckt haben. „Eine Sauerei war’s“ erinnert sie sich. „Ich hab’ mich für meine Heimat nur noch geschämt und wäre vor den ankommenden Gästen am liebsten in ein Mauseloch gekrochen.“

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