Das Objekt der Begierde: das leerstehende Haus Am Rain 1 in Grainau.
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Das Objekt der Begierde: das leerstehende Haus Am Rain 1 in Grainau.

Angespannter Immobilienmarkt

Eine Million reicht nicht: Einheimische Familie scheitert an Eigenheimtraum - Investoren zahlen Freistaat mehr

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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In ihrem Heimatort Grainau unterhalb der Zugspitze versuchte eine junge Familie bei einem Bieterverfahren des Freistaats an ein älteres Haus zu kommen – vergeblich. Investoren zahlten mehr.

  • Eine junge Familie will endlich wieder in ihre Heimat Grainau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) und würde sogar eine Million Euro für ein leerstehendes, altes Haus bezahlen.
  • Doch das reicht nicht. Die Immobilien Freistaat Bayern verkauft an den Höchstbietenden - und der zahlt mehr.
  • Der junge Familienvater aus Grainau hätte sogar ein schönes Konzept inklusive Kindergarten für die Gemeinde. Nutzt aber alles nichts. Eine letzte, verzweifelte Hoffnung bleibt ihm noch..

Grainau – Der Immobilienmarkt ist leer gefegt – erst recht in einem gefragten Tourismusort wie Grainau unterhalb der Zugspitze. Im schmucken Zugspitzdorf werden nicht selten Liebhaberpreise bezahlt – offenbar selbst für Objekte, die auf den ersten Blick nicht sonderlich attraktiv wirken und in die man noch einiges an Arbeit und Geld reinstecken muss. Bestes Beispiel: ein stark sanierungsbedürftiges Wohnhaus aus den 1920er Jahren, das die Immobilien Freistaat Bayern – der Staatsbetrieb verwaltet die landeseigenen Immobilien – gegen Höchstgebot offerierte.

Bieterwettstreit um leerstehendes Haus im Außenbereich an Zugspitze

Für das seit Jahren leerstehende, unscheinbare Domizil (rund 160 Quadratmeter Wohnfläche), das sich im Außenbereich (Am Rain 1) oberhalb der Eibseestraße auf einem üppigen Waldgrundstück befindet, interessiert sich auch brennend Johannes Ostler. Der 29-jährige Ingenieur, der sich in der Sache ans Tagblatt wandte, ist in Grainau aufgewachsen und würde gern mit Ehefrau Katharina und Tochter – derzeit lebt die kleine Familie in einer Wohnung in Garmisch-Partenkirchen – in seinen Heimatort zurückkehren. Doch das Unternehmen Eigenheim gestaltet sich als ausgesprochen schwierig. Und das, obwohl die Ostlers – das ist das Bemerkenswerte daran – bereit und in der Lage wären, für ihren Traum eine große Menge an Kapital in die Hand zu nehmen.

Für die besagte Wunschimmobilie bot das Ehepaar nach eigenen Angaben zuerst 700.000 Euro und erhöhte dann in einer zweiten Runde auf eine glatte Million Euro. „Das ist eine große Hausnummer“, findet Ostler, der fest daran glaubte, mit dieser Summe den Zuschlag zu erhalten, und schon Finanzierungspläne schmiedete. Doch die Realität folgte auf dem Fuße: In beiden Fällen wurden die Ostlers, wie sie berichten, überboten. Für den jungen Familienvater ein herber Dämpfer: „Das ist nicht nachvollziehbar.“

Keine Chance auf Eigenheim-Traum für Familie in Grainau: Enorme Nachfrage

Wieso das Bietergefecht den Kaufpreis derart in die Höhe trieb, darüber kann nur spekuliert werden. Angeblich war die Nachfrage solventer Investoren enorm. Das mag vielleicht daran gelegen haben, dass die idyllische Lage des Gebäudes mit Bergblick und einem rund 5600 Quadratmeter großen Grundstück die Herzen potenzieller Zweitwohnsitzinhaber höherschlagen lässt.

Ein Abbruch, um auf dem Areal eine schicke Villa hinzustellen, kommt allerdings nicht in Frage, wie aus der Rathaus-Verwaltung zu erfahren war. Dann würde das Baurecht verfallen. Denkbar wäre höchstens eine maßvolle Erweiterung. Und die bestehende Bausubstanz muss auf Vordermann gebracht werden. Die To-do-Liste ist lang, angefangen bei der Trockenlegung des Kellers bis hin zur Erneuerung der Heizungsanlage, der Dachdeckung, der Wasserleitungen und Elektrotechnik.

Wie teuer wird Haus versteigert? Immobilien Freistaat Bayern hält sich bedeckt

Welche Summe letztlich im Notarvertrag stehen wird, um den Eigentümerwechsel zu beurkunden, ist nicht bekannt. Die Immobilien Freistaat Bayern hält sich bedeckt. Aus Gründen des Datenschutzes und der Diskretion würden derlei Angaben grundsätzlich nicht gemacht, teilt Geschäftsführer Dieter Knauer auf Nachfrage mit. Nur soviel: „Das Bieterverfahren ist abgeschlossen. Es gab eine Vielzahl von Geboten. Der Verkauf ist allerdings noch nicht erfolgt.“

Ostler will trotzdem nicht aufgeben und klammert sich an einen letzten Hoffnungsschimmer. Der Familienvater hat eine Petition an den Bayerischen Landtag geschickt – mit dem Ziel, dass die Verhandlungen erneut aufgenommen werden und er doch noch zum Zuge kommt. In einem sechsseitigen Schreiben macht er eine ganze Reihe an Argumenten geltend – etwa, dass er Einheimischer ist und bei der Nutzung des weiträumigen Grundstücks auch das Gemeinwohl im Blick hat. So schlagen die Ostlers beispielsweise einen Schaugarten und ein Projekt auf dem Gebiet der Waldpädagogik vor. Nach ihrer Vorstellung könnte sich auf dem Areal ein Waldkindergarten niederlassen. Außerdem beschweren sie sich über einige falsche Angaben, die ihrer Meinung nach in dem Exposé stehen, und fordern eine Überprüfung.

Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) kennt den Fall – und stärkt den Ostlers den Rücken. Deren Konzept wäre eine „Bereicherung für das Dorf“, betont der Rathauschef. Es sei bedauerlich, dass solche Immobilien nur gegen Höchstgebot einen neuen Besitzer finden. „Junge Einheimische haben da keine Chance mehr.“ Es müsste ein Verfahren gefunden werden, um auch „weiche“ Faktoren zu berücksichtigen. Doch die Einflussmöglichkeiten einer Kommune seien sehr begrenzt.

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