Ein Forstweg, der frisch angelegt ist. Links steht ein Bagger.
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Gut die Hälfte der Forststraße im Bereich Hoher Seeberg nördlich des Eibsees ist mittlerweile fertig. Sie wird nun kürzer als ursprünglich geplant.

Tessy Lödermann sieht Verbesserungen, distanziert sich aber von Lösung

Nach Kritik von Naturschützern: Forstweg wird gebaut, aber verkürzt

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Die Forststraße oberhalb des Eibsees in Grainau wird gebaut. Das konnten die Tier- und Naturschützer um Tessy Lödermann nicht verhindern. Ohne Reaktion aber blieb ihr Protest nicht.

Grainau – Besser als nichts ist es. Erreicht haben sie etwas. Das bestreitet Tessy Lödermann nicht. Sie aber wollte mehr als nur einen Kompromiss, den sie so nicht mittragen kann. Weil sich an einem grundsätzlichen Problem in ihren Augen nichts ändert: Es wird eine Lkw-Straße durch einen Wald gebaut, der „so reich ist an Naturschätzen und den man in Ruhe lassen sollte“. Das sehen die Bayerischen Staatsforsten anders. Markus Achhammer, Leiter des Forstbetriebs Oberammergau, lobt den Kompromiss.

Die Diskussion zwischen Naturschützern wie Lödermann, Kreisvorsitzende des Tierschutzvereins, und Hans-Joachim Fünfstück, Vorsitzender der Regionalgruppe des Landesbundes für Vogelschutz, begann im Juli. Die beiden hatten den Forstweg der Staatsforsten entdeckt. 200 000 Euro soll er kosten. 1,6 Kilometer lang sollte er werden, Lkw-tauglich ausgebaut. Etwa 100 Meter waren geschafft. Lödermann und Fünfstück forderten den Baustopp. Seltene Arten sahen sie gefährdet. Vor allem das vom Aussterben bedrohte Auerhuhn.

Forstbetrieb: Nicht jeder Bergwald ist schön und schützenswert

Das Unternehmen um Richard Baur, Vize-Leiter des Forstbetriebs in Oberammergau, widersprach. Nicht jeder Bergwald sei automatisch wunderschön und schützenswert. Dieser sicher nicht. Baur beschrieb ihn gegenüber dem Tagblatt als degradiert. „Man muss ihm helfen.“ Heißt: ihn verjüngen. Dafür benötigt man die Straße, die mittlerweile zu gut über die Hälfte fertiggestellt ist. Als Wohnraum für den Auerhahn sah Baur den Wald nie. Das Tier halte sich nicht im Unterholz auf, brauche freiere Flächen.

Dieser Argumentation folgten Entscheidungsträger bei einem Ortstermin. Unter anderem ein Vertreter der Regierung von Oberbayern war dabei, zudem der Unteren Naturschutzbehörde aus dem Landratsamt, des Forstbetriebs sowie Lödermann. Es habe sich herausgestellt, teilt Landratsamtssprecher Stephan Scharf mit, dass der Waldbestand nur bedingt als Auerhuhn-Lebensraum geeignet sei. Der Wegebau stelle keine Beeinträchtigung dar. Lödermann korrigiert: Das mögen die anderen festgestellt haben. „Ich habe mich davon distanziert.“ Ihr geht es nicht nur um das Auerwild.

Einen seltenen Buchenstachelbart haben die Teilnehmer der Ortsbesichtigung entdeckt. Er wird nun vorsichtig auf die Seite gehoben und erhalten.

Beteiligte finden im Bergwald „eine irre Rarität“

Was ist mit den vielen gefährdeten Vogelarten wie Weißrückenspecht, Raufuß- und Sperlingskauz, die dort einen wichtigen Lebensraum finden? Zudem entdeckte die Gruppe mit dem Buchenstachelbart den Pilz des Jahres 2006. „Eine irre Rarität“, sagt Lödermann. Er wuchs auf einem toten Baumstamm, der direkt auf der geplanten Trasse lang – und nun vorsichtig auf die Seite geräumt wird, um ihn nicht zu zerstören. „Daran sieht man, dass das ein ganz wichtiges Biotop ist.“

Das wird im Kompromiss nicht bestritten. Der Wald stelle einen wichtigen Lebensraum unter anderem für die besagten Vögel dar, lässt Scharf wissen. Deshalb bleibt Totholz liegen. Zudem wird die Straße, anders als geplant, als Sackgasse angelegt. So wird ein Ringschluss mit einem Forstweg westlich vermieden. Für Lödermann ein wichtiger Punkt.

Wichtiger Teil des Kompromisses: Keine neue Mountainbike-Strecke entsteht

Schon jetzt hat sie Mountainbiker gesehen, die sich erkundigten, wohin die Forststraße führt. Schon jetzt steht die Natur unter Druck. Der Bereich oberhalb des Eibsees ist bei Wanderern und Bikern beliebt. Eine Verbindung zum Weg um die Hochthörlehütte hätten sicher viele genutzt. „Es ist gut, dass mehr Ruhe im Gebiet bleibt.“ Forstbetriebsleiter Achhammer schließt sich ihr an. „Man muss da nicht die nächste Biker-Route etablieren.“ Generell lobt er das Gespräch – „es ist immer gut, wenn man redet“ – und die Atmosphäre. Man habe sich professionell und ausgewogen mit dem Projekt beschäftigt. „Und am Ende einen guten Konsens gefunden.“

An der Notwendigkeit, den Wald zu verjüngen, lässt er keinen Zweifel. Zudem erinnert er daran, dass der Forst verschiedene Interessen ausgleichen muss. Die der Erholungssuchenden. Die der Wirtschaft. Die des Waldes. Und das „unter bestmöglicher Beachtung der Naturschutzbelange“. Dieser Ausgleich lasse sich immer schwieriger finden. In diesem Fall aber sei dies gelungen.

Lödermann bleibt dabei: Die Verbesserungen sind wichtig. Die Forststraße ist falsch und unnötig. In ihren Augen braucht der Wald nicht den Menschen, um sich zu verjüngen. „Er braucht Ruhe, Licht und Zeit. Dann richtet’s die Natur von selbst.“

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