Ein Mann mit Maske steht im Freien und hat ein Megafon um den Hals hängen, im Hintergrund sieht man Menschen.
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Per Megafon schickt Wolfgang Plümpe die rund 170 Starter in Fünfergruppen auf die Strecke. Foto: LG Staffelsee Murnau

Organisator Plümpe lässt sich Stimmung nicht vermiesen

Störgeräusch beim Eibseelauf: Spaziergängerin kritisiert Situation in Corona-Zeiten als „Frechheit“

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Intensiv hat sich Wolfgang Plümpe mit Corona auseinandergesetzt. Damit er den Eibseelauf wie seit 39 Jahren umsetzen kann. Für die Läufer und den Skiclub Grainau. Einer Spaziergängerin hat die Veranstaltung gar nicht gefallen. Rückendeckung für Plümpe kommt vom Bürgermeister.

Grainau – 80 Jahre ist Wolfgang Plümpe alt. Der Eibseelauf begleitet ihn fast sein halbes Leben. Zum 39. Mal fand er am Wochenende statt. Mit rund 170 Startern, in „wunderbarer Stimmung“, sagt er. Sagen auch Läufer, die seiner Ehefrau Ann E-Mails schrieben. „Die Leute haben sich so gefreut, dass mal wieder ein Wettbewerb stattfindet.“ Das hat Wolfgang Plümpe auch vor Ort oft gehört. Welch’ Erleichterung.

Zwei Nächte zuvor ließ die Anspannung den Garmisch-Partenkirchner nicht schlafen. „Mensch, war ich nervös.“ Er, das Laufveranstaltungs-Urgestein, das auch den Osterfelder-Berglauf organisiert. Doch die Belastung für die Nerven heuer – „puh“. Plümpe atmet einmal tief durch. Sie war offenbar hoch. Umso glücklicher zeigt er sich, dass alles so gut funktionierte. Sich in seinen Augen jeder an die Regeln hielt. Und umso getrübter war seine Stimmung, als er am Montag ein Störgeräusch hörte.

Es kam ganz leise, in Form einer E-Mail. Betreff „Eibseelauf 2020“. Diese eine Nachricht unter den zahlreichen netten Nachrichten der Teilnehmer. Diese eine Nachricht, die Ann Plümpe gleich ganz traurig machte. Eine Frau beschwerte sich. Massiv.

Spaziergängerin kritisiert in E-Mail Athleten: „Rücksichtslos und ohne jederlei Abstand“

Verärgert zeigt sie sich, dass der Eibseelauf „unter diesen Bedingungen“ stattgefunden hat. Ihr Ausflug mit ihrem Mann begann um 9 Uhr als „wunderschöner Spaziergang“, wurde jedoch „unerträglich“, schreibt sie in der Nachricht, die dem Tagblatt vorliegt. „Rücksichtslos und ohne jederlei Abstand“ seien die Läufer an ihnen vorbeigerannt und hätten ihnen „dabei (ohne Abstand!) auch noch direkt ins Gesicht geschnauft, oft mit offenem Mund und richtig schön tief ausgeatmet“. Sollte, so befürchtet die Frau, einer der Läufer mit Corona infiziert gewesen sein, habe er nun „eine Menge Leute durch die ins Gesicht-Schnauferei“ angesteckt. Sie hätte sich gewünscht, dass man den Lauf zumindest am Beginn der Eibsee-Rundwanderung ankündigt oder man die Laufstrecke für Wanderer generell sperrt. „So wie es tatsächlich abgelaufen ist, war es gegenüber allen am Lauf Unbeteiligten eine rücksichtslose und gesundheitsgefährdende Frechheit!“

Plümpe reagiert etwas ratlos. „Was soll ich da jetzt tun?“, fragt er. Mehr sich selbst. Noch nie in den 40 Jahren hat er die Strecke für die Athleten abgeriegelt. Dafür ist die Veranstaltung auch zu klein, die jedes Jahr am Zeitumstellungswochenende stattfindet. Doch räumt Plümpe auch ein: „So viele Menschen wie an diesem Laufsonntag habe ich da oben noch nie gesehen.“ Zugleich nahm er vor Ort kein rücksichtsloses Verhalten wahr, wie es die Frau beschreibt. Hinzu kommt: Er hat sich so viele Gedanken gemacht über das Thema Corona. Damit er den Sportlern trotz der aktuellen Situation einen Wettkampf bieten und dem Skiclub Grainau wie jedes Jahr die 300 oder 400 Euro Erlös aus dem Lauf spenden kann.

Eibseelauf: Veranstalter schickt Teilnehmer extra nur in Fünfergruppen los

Beispielsweise schickte er die Athleten extra in Fünfer-Gruppen auf die Strecke, nicht wie sonst im Pulk. Statt die eine Sekunde für den Startschuss zog sich die Startphase dieses Mal über etwa 40 Minuten. Die Siegerehrung entfiel. Schade, denn die Leistungen der Athleten waren einmal mehr top: Martin Pühler aus Fürth gewann den Lauf in 44:23 Minuten, die schnellste Frau, Marina Rappold aus Regenburg, benötigte für die 11,2 Kilometer und 380 Höhenmeter nur 52:47,6 Minuten. Und jeder Teilnehmer habe, soweit Plümpe es überblicken konnte, wo vorgeschrieben oder empfohlen eine Maske getragen. Er kommt für sich zu dem Schluss: Er lässt sich die Freude über den gelungenen Lauf nicht nehmen. Wird nicht auf das Schreiben der Frau reagieren. Stephan Märkls Rückendeckung hat er.

Auch an den Grainauer Bürgermeister schickte die Kritikerin ihre Nachricht. Er handhabt es wie Plümpe: Er ignoriert sie. Zum einen sieht Märkl die Situation pragmatisch. Bei dem erneuten Ansturm, den der Eibsee am Sonntag erlebte, „kommt es auf die paar Läufer nicht an“. Zum anderen bescheinigt er Plümpe hohes Verantwortungsbewusstsein. Große Mühe habe sich der Garmisch-Partenkirchner im Vorfeld gegeben, habe sich ständig mit dem Gesundheitsamt ausgetauscht, ihn stets informiert. „Ich stelle diesen Lauf in keiner Weise infrage.“

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