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Noch kämpft Stefan Glowacz mit der „Schwarzen Wand“ hoch über dem Höllental.

Glowacz und Dorfleitner wagen Erstbegehung im Höllental

Mission Erstbegehung: Die „Schwarze Wand“ wehrt sich

Stefan Glowacz ist bekannt für spektakuläre Expeditionen, die ihn in die entlegensten Gebiete der Erde führen. Doch auch vor seiner eigenen Haustür wartet eine Herausforderung, die den Extremkletterer seit Jahren immer wieder beschäftigt: die „Schwarze Wand“ im Höllental.

Grainau – Das Ziel lautet, eine neue Route an dieser 300 Meter hohen überhängenden Nordwand mit insgesamt neun Seillängen als erster Freikletterer zu bewältigen. Mit seinem Partner Markus Dorfleitner nahm sich Stefan Glowacz die „Mission Erstbegehung“ Anfang Juli vor. Die Schlüsselstelle der „Schwarzen Wand“ schien dabei schon bezwungen, als Glowacz an einem feuchten Griff doch noch abrutschte. Aber noch in diesem Jahr soll die Route fallen.

Jetzt oder nie: Seit 15 Jahren beschäftigt sich auch Markus Dorfleitner mit der Route.

Die Wand über der Höllentalangerhütte ist eine echte Herausforderung, und die Erstbegehung der beiden Garmisch-Partenkirchner könnte mit Abstand die schwierigste Route des Wettersteingebirges werden. 2001 stach dem 52-Jährigen mit seinem Uralt-Kletterspezl Dorfleitner, dem Handwerker, diese zentrale, ästhetische und anspruchsvolle Linie ins Auge: Acht Seillängen ist sie lang, gespickt mit Schwierigkeiten bis zum elften Grad. Ein Normalsterblicher wird die Route nie im Leben frei durchsteigen können. Glowacz und Dorfleitner rechnen sich große Chancen aus, das scheinbar Unmögliche zu schaffen. Allerdings: „Seit 15 Jahren beschäftigen wir uns nun schon damit“, sagt Glowacz, der als BMW-Outdoor-Botschafter fungiert. Dorfleitner grinst und sagt: „Als wir die ersten Versuche starteten, spielten unten noch unsere Kinder am Bach.“ Dorfleitner ist heute 45, seine Buben sind 18 und 19, die Glowacz-Drillinge mittlerweile 21.

2005 hatten Glowacz und Dorfleitner die Route eingebohrt, mit Haken versehen und abgesichert. Seither versuchen sie im Duo eine Rotpunktbegehung. Das heißt: Im Idealfall an einem Tag die gesamte Route sturzfrei zu durchsteigen. Wann immer es die gemeinsame freie Zeit erlaubt, pilgern die beiden ins Höllental. „So ist das mit Projekten vor der Haustür“, gibt Glowacz später auf der Höllentalangerhütte zu, „du verschiebst sie auf später. Eilt ja nicht…“ Und so zogen die Jahre in die Lande. Heute 52-jährig, muss sich Glowacz eingestehen: „Bald schaffen wir eine derart schwere Route rein körperlich nicht mehr. Deshalb haben wir beschlossen, diesen Sommer unserem Projekt alles andere unterzuordnen. Jetzt oder nie!“

Glowacz speckt für Mission fünf Kilo ab

Beide haben auf den Familienurlaub verzichtet, stattdessen monatelang trainiert. In der Boulderhalle in Garmisch-Partenkirchen haben sie sogar die Schlüsselstelle nachgebaut. Bei halbwegs passendem Wetter wagt Dorfleitner mit dem Fernglas von Garmisch-Partenkirchen aus einen Blick auf die Wand. Sind die Verhältnisse am Felsen gut, heißt es: Alles liegen lassen und los. Der Wirt der Höllentalangerhütte unterstützt das Projekt. Ein Doppelzimmer, von dem aus man direkt auf die „Schwarze Wand“ blickt, ist bis in den Herbst hinein für Glowacz und Dorfleitner geblockt.

Extremkletterer Glowacz versucht „Schwarze Wand“ zu bezwingen: die Bilder

Was die Kletterer brauchen? Glück natürlich, aber vor allem perfekte Bedingungen: ein langes Schönwetterfenster, nicht zu warm darf es sein, nicht zu kalt, im Idealfall windstill. Glowacz hat extra fünf Kilogramm abgespeckt: „Mit 65 Kilo klettert es sich leichter als mit 70. Jedes Gramm kann entscheidend sein.“ Dorfleitner, der beim Neubau der Höllentalangerhütte geholfen hat, nutzte einst die Gunst der Stunde. Als ein Helikopter Baumaterial ins Höllental transportierte, ließ er ein Brett mit nach oben fliegen. „s’Bankerl“ nennen die beiden Kletterer die kleine Plattform, die sie unterhalb der vierten Seillänge als Rastplatz in den Felsen montiert haben. Dramen haben sich freilich auch schon abgespielt. Einmal brach Dorfleitner beim Klettern an einer entscheidenden Stelle eine Felsschuppe aus. Ihr Fehlen hätte das Ende des Projekts bedeutet. Also nahm er das gute Stück mit in seine Werkstatt, brachte mit einem Diamantbohrer Fixierungen an und klebte die Schuppe wieder in die Wand. Exakt an der Stelle, an der sie ausgebrochen war.

Ein Abenteuer mit Magic Moments

Außenstehenden mag die selbst auferlegte Sisyphosarbeit ein Rätsel bleiben. Der Begriff Besessenheit liegt nahe. Die beiden allerdings definieren ihr Abenteuer romantischer. „Kürzlich waren wir um 5.30 Uhr in der Wand. Es war magisch“, sagt Dorfleitner. Glowacz fügt hinzu: „Wir verbringen so viel Zeit miteinander wie nie zuvor im Leben. Das ist unser Sommer, Markus!“

Johanna Stöckl

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