Die Schäden sind größer als angenommen am Hammersbach in Grainau: Die Flutwelle hat nicht nur den Anwohnern eine Nacht im Evakuierungslager beschert, auch der Bach hat im Sohlen- und Uferbereich stark gelitten.
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Mit dem Bagger im Bach: Im oberen Teil des Hammersbachs geht die Uferverbauung zügig voran

Starkregen im Juni hat teure Folgen

Nach Katastrophenfall: Hammersbach wird zum Millionen-Projekt, Anwohner hatten viel Glück

  • Christian Fellner
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Die Schäden sind größer als angenommen am Hammersbach in Grainau: Die Flutwelle hat nicht nur den Anwohnern eine Nacht im Evakuierungslager beschert, auch der Bach hat im Sohlen- und Uferbereich stark gelitten.

Hammersbach– Man spricht ja schnell von Katastrophen heutzutage, von Horrorszenarien. Die Situation in jener Samstagnacht Mitte Juni war tatsächlich eine besondere: Starkregen im Wetterstein, 266 Bürger des Grainauer Ortsteils Hammersbach kurz vor Mitternacht evakuiert, eine Flutwelle, die durchs Dorf schwappte, im Bereich der Degernau uferte der Hammersbach aus, überflutete zahlreiche Anwesen. Später am Sonntag mussten mehr als 60 Menschen von der Höllentalangerhütte per Hubschrauber ausgeflogen werden, weil die Klamm verwüstet war. Vier Stunden herrschte Katastrophenfall im Landkreis. Horst Hofmann nähert sich bei seiner Beurteilung der Ereignisse vier Wochen später von der anderen Seite: „Wir hatten extremes Glück, so ehrlich muss man sein“, sagt der Fachbereichsleiter für den Wasserbau am Wasserwirtschaftsamt in Weilheim. „Wenn es länger geregnet hätte, wäre das nicht so glimpflich abgelaufen.“

Auch Wochen später ist das Thema Hammersbach noch lange nicht abgehakt. Im Gegenteil: „Der Bach wird uns noch länger beschäftigen“, sagt Hofmann. Denn das Ausmaß an Schäden wurde erst in den Tagen danach so richtig sichtbar. „Wir müssen fast auf zwei Kilometern Länge die Uferböschungen neu machen.“ Ihre Analyse der Vorfälle vom 13. und 14. Juni haben die Fachleute mittlerweile abgeschlossen. Die Erkenntnisse sind besorgniserregend: „Das war ein absolutes Extremereignis“, betont Hofmann. Die Experten konnten den Wasserschwall nachempfinden, die Werte berechnen. Sie sind alarmierend: Ausgelegt ist der Ausbau des Baches für eine maximale Abflussmenge von 32 Kubikmetern Wasser pro Sekunde bei einem 100-jährlichen Hochwasser (Hw100). In dieser Nacht waren es zwischen 60 und 70 Kubikmeter, die sich in kurzer Zeit ihren Weg durch das Bachbett bahnten. „Wenn es das nicht nur ein Schwall gewesen wäre, sondern der Regen zwei bis drei Stunden wie bei einem normalen Hw100 gedauert hätte, wären die Schäden viel größer gewesen.“

Doch auch so gibt es viel zu tun: Der Hammersbach grub sich richtig in den Untergrund, fließt jetzt in Teilbereichen bis zu einem Meter tiefer. „Die Sohleschwellen aus Holz wurden im Unterlauf rausgerissen und weggeschwemmt“, betont Hofmann. Die Folge: Nun besteht die Gefahr, dass die Ufer ausgehöhlt werden und dann abrutschen könnten. Teilweise stehen auch Häuser nahe am Bach, die gefährdet werden könnten. „Das wird eine größere Baustelle.“

Mit dem Ministerium haben die Experten aus Weilheim bereits telefoniert, um Mittel für die Instandsetzung zu bekommen. Hofmann geht von Kosten von mehr als einer Million Euro aus. „Wir hoffen, dass wir Mitte oder Ende August zügig weitermachen können.“ Oben in Hammersbach läuft der Ausbau bereits. Im Bereich der Straßenbrücke ist das Ufer mit Wassersteinen befestigt. Das soll nun auch noch auf rund 200 Metern in Richtung Klamm geschehen.

Der Faktor Zeit ist nicht unerheblich. Denn die Starkregen-Ereignisse machen dem Amt ordentlich zu schaffen. „Wir hoffen nicht, dass wir dort nochmals überrascht werden.“ Denn im aktuellen Zustand könnte ein neuerliches Hochwasser böse Folgen haben.

Ein neuer Erdwall soll den Hammersbach daran hindern, an diesen Stelle in der Degernau auszuufern.

Um zumindest die Anwohner im Bereich Degernau zu schützen, hat das Wasserwirtschaftsamt schnell reagiert, oberhalb am Bach einen Wall aufgeschüttet. Exakt dort, wo das Wasser Mitte Juni austrat. „Dort sollte das nicht mehr passieren, wir haben das auch mit den Bewohnern angeschaut“, sagt Hofmann. Von einem Grundstück oberhalb der Degernau bahnte sich der Hammersbach seinen Weg ins Dorf. „Das Wasser lief 50 bis 60 Zentimeter hoch zwischen den Häusern. Am tiefsten Punkt beim Bahnhof kam es bei den Fenstern rein.“ Der Erdwall soll für neue Sicherheit sorgen. Damit auch künftig nicht von Katastrophen gesprochen werden muss.

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