+
Den neuen Dienstwagen für seine Mitarbeiter präsentiert Bürgermeister Stephan Märkl (l.).

Örtliche Autohändler blieben außen vor

Gemeinde Grainau wählt den bequemen Weg zur E-Mobilität

  • schließen

Ein Elektro-Fahrzeug ohne Aufwand – das bietet eine Deggendorfer Firma an. Davon hat Grainau Gebrauch gemacht. Schon zum zweiten Mal. Autohändler vor Ort hat die Gemeinde allerdings nicht einbezogen. Ein Versäumnis, das nicht wieder vorkommen soll.

Grainau – Ein Auto zum Nulltarif. Eines, bei dem man sich um nichts kümmern muss. Das einfach fahrbereit vor die Tür gestellt wird. „Angenehm“ nennt Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) diese Variante. Und bequem für die Kommune. Deshalb entschied er sich auch wieder für dieses Modell, als es darum ging, ein Fahrzeug für die Mitarbeiter der Rathaus- und Kurverwaltung anzuschaffen. Mit der Riedel & Kaiser Mobil Marketing OHG mit Sitz in Deggendorf fand die Gemeinde einen Partner, der deutschlandweit im Bereich Fahrzeug-Sponsoring – schwerpunktmäßig für den kommunalen Sektor – und Car-Sharing aktiv ist.

Weit über 20 Werbepartner finden sich auf dem Elektro-Auto. Sponsoren, die die Mitarbeiter des niederbayerischen Unternehmens generiert haben. Vier Jahre kleben ihre Logos jetzt auf dem Pkw, solange läuft der Vertrag mit der Gemeinde. Neben der Anschaffung und der Suche nach finanzkräftigen Unterstützern „läuft auch das Leasing der Batterie über uns“, erklärt Geschäftsführer Stefan Riedel. Betriebskosten, Wartung und Versicherung – „die Kommune bekommt ganz andere Tarife als wir“ – übernimmt die Gemeinde.

Für Karl Keilhauer, Geschäftsführer der Auto Heitz GmbH & Co. KG mit Sitz in Garmisch-Partenkirchen, handelt es sich dabei „um echte Bauernfängerei“. Von einem Bekannten weiß er, dass dieser 600 Euro für sein Sponsoring auf dem Grainauer Auto zahlt. Rechnet er diese Summe hoch, kommt er bei 26 Partnern auf 15 600 Euro. „Wie viel tatsächlich gesammelt wird, darüber hat die Kommune doch gar keinen Überblick.“ Zudem stört ihn, dass Grainau nicht auf ein heimisches Autohaus – „das müssen gar nicht wir sein“ – zugekommen ist.

Ein Versäumnis, das Märkl einräumt. Und bedauert. „Nächstes Mal beziehen wir sicher auch unsere Händler vor Ort ein“, verspricht der Bürgermeister. Allerdings weist er darauf hin, dass die Gemeinde, sollte sie die Anschaffung eines solchen Wagens selbst in die Hand nehmen, dem Vergaberecht unterliegt. „Bei allem, was über 500 Euro kostet, müssen wir drei Angebote einholen.“

Auf Elektromobilität setzt Grainau genau wie zahlreiche andere Kommunen im Landkreis. Dazu passt, dass Garmisch-Partenkirchen in diesem Bereich Modellkommune ist. „Das war für uns der Grund, bereits 2016 für alle Gemeinden des Landkreises ein spezielles Angebot zur Förderung dieser neuen Antriebstechnologie zu erstellen“, erinnert sich Keilhauer. Mit einer Monatsrate von 35 Euro sei es Kommunen möglich gewesen, „mit einem neuen Audi A3 e-tron den Schritt in die Zukunft zu gehen, ohne dabei auf die Unterstützung von Werbepartnern zurückgreifen zu müssen“. Zu seinem Bedauern wurde von diesem Angebot nur einmal Gebrauch gemacht. Im aktuellen Grainauer Fall hatten er und seine Kollegen im Landkreis gar nicht die Chance, ihren Hut in den Ring zu werfen. „Schade“, meint Keilhauer. Schließlich „helfen die örtlichen Automobilhändler mit ihrer Gewerbesteuer und Fremdenverkehrsabgabe den Gemeinden bei der Erfüllung ihrer Aufgaben“.

Argumente, die Riedel nachvollziehen kann. Er verweist allerdings auf die jahrzehntelange Erfahrung seines Hauses und das Netzwerk, auf das er zurückgreifen kann. Zumal er und seine Kollegen verschiedene E-Modelle unterschiedlicher Anbieter „im Selbstversuch“ getestet haben und deshalb einer Kommune wie Grainau nun den Renault Zoe empfohlen haben. „Wir würden durchaus mit Händlern vor Ort arbeiten“, sagt Riedel. Allerdings hätten diese die E-Fahrzeuge in der Regel nicht vorrätig und demzufolge enorme Lieferzeiten. Zudem zweifelt er Keilhauers Rechenbeispiel an. „Für gut 15 000 Euro könnten wir das gar nicht ermöglichen“, sagt er. Ein Vergleich zu Leasingangeboten – der Heitz-Geschäftsführer spricht von monatlichen Kosten in Höhe von 86 Euro, was umgelegt auf vier Jahre 4128 Euro entspricht – hält Riedel für schwer nachvollziehbar. Sein Ziel ist es, „Kommunen die Möglichkeit zu bieten, Vorreiter auf dem Elektromobilitäts-Sektor zu sein“.

Diesen Anspruch verfolgt auch Keilhauer – auf lokaler Ebene. „Es wäre aber sehr erfreulich, wenn die Kommunen im Rahmen ihrer Möglichkeiten den lokalen Gewerbetreibenden das Vertrauen schenken würden“, betont er. „Damit werden notwendige Investitionen möglich und Arbeitsplätze gesichert.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kolission in der Schwabekurve: Mann wendet und übersieht Motorrad
Mit schweren Verletzungen ist ein Motorradfahrer ins Klinikum gebracht worden: Er war in in den Kotflügel eines Autos gekracht. 
Kolission in der Schwabekurve: Mann wendet und übersieht Motorrad
Unbekannter bricht in Olympiahaus ein und klaut 4000 Euro Bargeld
Ein Unbekannter ist ins Olympiahaus am Skistadion eingestiegen. Er hat nicht nur Bargeld mitgehen lassen. 
Unbekannter bricht in Olympiahaus ein und klaut 4000 Euro Bargeld
Sturm wütet im Landkreis: Ein Mann wird verletzt
Zum Teil heftig hat es in der Nacht auf Montag gestürmt. Nicht ohne Folgen. Vor allem im nördlichen Landkreis hinterließ Sturmtief Fabienne Spuren.
Sturm wütet im Landkreis: Ein Mann wird verletzt
Bergwacht findet Leiche in Ammergauer Alpen: Identität des Toten ist jetzt klar
Eine grausige Entdeckung machten Einsatzkräfte vergangene Woche bei einer Suchaktion in den Ammergauer Bergen.
Bergwacht findet Leiche in Ammergauer Alpen: Identität des Toten ist jetzt klar

Kommentare