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Am Werkeln: Mitarbeiter der Firma Richard Schulz kümmern sich um die Baustelle an der Alpspitzstraße in Grainau. 

Kommune gehört trotzdem nicht zu den reichsten Gemeinden

Grainau 2018 finanziell in ruhigem Fahrwasser

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Das war auch schon mal anders: Heuer aber steht Grainaus Haushalt  auf soliden Beinen. Große Projekte befinden sich derzeit aber noch in der Warteschleife.

Grainau – Stephan Märkl kniff sein linkes Auge zusammen, rieb es mit dem Zeigefinger. Das hatte nichts damit zu tun, dass er seinen Augen beim Blick auf die Zahlen im Haushalt nicht trauen konnte. Die präsentieren sich für 2018 ansehnlicher als in manch vergangenen Jahren. Grainaus Bürgermeister (CSU) war eine Kontaktlinse verrutscht.

Nur all zu gerne übergab Märkl seinem Kämmerer Anton Pfanzelter deshalb das Wort, um den Etat zu präsentieren. „Das sind gute Ergebnisse für die Gemeinde“, bestätigte er in der Sitzung des Gemeinderats. Deshalb gestalteten sich die Beratungen schon harmonischer. Auch, wenn sie ohnehin nicht „vergnügungssteuerpflichtig“ seien, wie Christian Andrä (Bürger für Grainau) anmerkte. Ohne Widerworte verabschiedete das Gremium den Haushalt samt Finanz- und Stellenplan.

Grund für die positive Entwicklung sind unter anderem die sprudelnden Einnahmen. Allen voran steigen Gewerbesteuer und Fremdenverkehrsbeiträge – der guten wirtschaftlichen Lage sei Dank. Auch die Schlüsselzuweisungen fallen höher aus. Fluch und Segen zugleich. Die Steuerkraft Grainaus ist gesunken, also springt der Freistaat mit Ausgleichszahlungen in die Bresche. Das wirkt sich auf die Kreisumlage aus. Die Kommune muss weniger an den Landkreis abtreten. „Das ist erfreulich“, sagte Pfanzelter. Heißt aber gleichzeitig, „dass wir nicht zu den vermögendsten Gemeinden im bayernweiten Vergleich zählen“.

Kreditaufnahme noch nicht berücksichtigt

Doch kaum verfügen Orte über Geld, weckt das in der Regel Begehrlichkeiten. Die aber dürfen nicht überhandnehmen. „Wir werden auch künftig nicht in Geld schwimmen“, betonte Andrä. Vor allem Kreisumlage und Personalkosten würden die Gemeinde einengen. „Das tut weh.“ Hinzu kommen Vorhaben, die die Schulden wieder in die Höhe treiben. Und das obwohl sie derzeit abgebaut werden. Bedingt durch verzögerte Vorhaben wie den Wasser-Hochbehälter an der Christlhütte. Die Kreditaufnahme von 1,5 Millionen Euro ist im Haushalt nicht berücksichtigt.

Anders als geplant beginnen die Arbeiten für das etwa 2,5-Millionen-Euro-Projekt heuer nicht mehr. Im März hatte die Gemeinde die Ausschreibung gestartet, aber ob der aktuellen Hochkonjunktur nicht eine Firma bekommen. Neuer Termin: 2019.

Dafür kommt in diesem Jahr der Obere Dorfplatz (Gesamtkosten: 4,9 Millionen Euro) dran, dem die Sanierung gut zu Gesicht steht. Schon allein wegen des verbesserungswürdigen Zustands der Straßen. Wie Pfanzelter auf Nachfrage mitteilt, steht der Zeitplan grob. Im Sommer beginnt man mit den Wasserleitungen, im Herbst – vorausgesetzt bei dieser Ausschreibung findet sich ein Unternehmen – werden die Arbeiten für Regen- und Schmutzwasserkanal umgesetzt. Bis zur eigentlichen Verschönerung, dem Pflastern, müssen sich die Grainauer noch bis Frühjahr 2019 gedulden.

Mit Abwarten kennen sich die Bürger aus. Denn auch der Brückenbau an der Alpspitzstraße verzögerte sich – verursacht durch einen Planungsfehler. Aufgrund des falschen Fundaments wäre die Brücke nicht mehr tragfähig gewesen. Jetzt geht das Ganze mit einer so genannten Pfahlgründung über die Bühne. „Wie in Venedig“, sagt Pfanzelter. Bis Mitte August soll die Brücke fertig sein.

Für die Gemeinde heißt es weiterhin, zukunftsgerichtet zu wirtschaften. Es steht auch nach 2018 einiges auf der Agenda. Zum Beispiel an der Griesener Straße erstmalig einen Kanal zu schaffen, was mit rund 335 000 Euro zu Buche schlagen wird. Dr. Michael Pach (PWG) brachte es auf den Punkt: „Wir haben noch große Brocken vor uns.“

Zahlen im Überblick

Gesamtvolumen 11,48 Millionen Euro (2017: 13,3) 

Verwaltungshaushalt 9,78 Millionen Euro (9, 4)

 Vermögenshaushalt 1,70 Millionen Euro (3,9) 

Zuführung 1,23 Millionen Euro (881 000) 

Schulden 2,88 Millionen Euro (3,36; Stand 31.12.2017) 

Rücklagen 2,00 Millionen Euro (1,36; 31.12.2017)

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