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Gefährliche Stelle: Die Griesener Straße im Bereich des Campingplatzes soll mittels einer Insel für querende Fußgänger entschärft werden.

Viele Investitionen kommen auf die Gemeinde zu

Grainau baut keine Luftschlösser

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Nicht kleckern, sondern klotzen: Dazu ist die Gemeinde Grainau heuer und in den nächsten Jahren aufgefordert. Sie hat mehrere Großprojekte zu meistern und muss Geld investieren – nicht gerade wenig.

Grainau – Zeit zum Zurücklehnen: Stephan Märkl (CSU) hat sie nicht. Denn – Grainaus Bürgermeister sagt es selbst – manches in seinem Ort ist „Retro“, nicht mehr zeitgemäß. Einige Projekte stehen deshalb in den kommenden Jahren auf der Agenda. Kostenintensive zum Teil. Summen, die im Haushalt für 2017 zu berücksichtigen waren. Der ist zwar nicht gerade auf Rosen gebettet, steht aber auf soliden Beinen.

Grainau hat gut gewirtschaftet im vergangenen Jahr, kann leichte Steigerungen verzeichnen. Doch das reicht längst nicht, um angesichts der künftig notwendigen Investitionen über die Runden zu kommen. Die Kommune muss 2017 Schulden machen. Daran führt kein Weg vorbei. Unbeliebt, aber „unumgänglich“, wie Dr. Michael Pach (PWG) in der Gemeinderatssitzung anmerkte. Auch wenn diese den künftigen Etat einengen werden. Hilft aber nichts. Grainau kann die Vorhaben alleine nicht stemmen. „Vieles ist nur schulterbar wegen Förderungen und Kredit“, machte Kämmerer Anton Pfanzelter deutlich. Und keines der Projekte kann aufgeschoben werden. Deshalb segneten die Volksvertreter das Zahlenwerk ohne großes Tohuwabohu ab – einstimmig. „Wir nehmen das Geld nicht für Luftschlösser“, sagt Märkl auf Tagblatt-Nachfrage. „Das sind Pflichtaufgaben der Gemeinde.“

Brandschutz Volksschule

Note mangelhaft bis unbefriedigend. Besser schneidet der derzeitige Brandschutz der Volksschule Grainau nicht ab. Deshalb reagiert die Gemeinde. Eine neue Brandmeldeanlage wird in dem rund 100 Jahre alten Gebäude installiert. Ebenso verbindet man die Klassenzimmer im oberen Bereich mit einer Tür, um einen sicheren und schnellen Weg nach draußen zu ermöglichen. Dieser soll über eine Edelstahltreppe im Außenbereich der Schule ins Freie führen. „Seit zwei Jahren haben wir dort ein Gerüst als Nottreppe“, schildert Märkl die Lage. Die Maßnahmen verschlingen einen ordentlichen Batzen Geld. 425 000 Euro sind veranschlagt, fast die Hälfte, nämlich 210 000 Euro, trägt der Freistaat. Los geht’s mit den Arbeiten voraussichtlich in den Pfingstferien. Eventuell benötigt man auch noch die Herbstferien.

Hochbehälter Christlhütte

Es ist eines der größten und vor allem wichtigsten Projekte Grainaus. Und eines der teuersten. Der Neubau des Hochbehälters nahe der Christlhütte verschlingt rund 2,3 bis 2,5 Millionen Euro. Komplett finanziert durch einen Kredit. „Wir könnten das sonst nicht stemmen“, betont Märkl. Heuer nimmt die Gemeinde 1,5 Millionen Euro auf, nächstes Jahr eine weitere Million. Die Planungen laufen seit gut eineinhalb Jahren und nähern sich langsam dem Ende. Wie berichtet, soll die 50 Jahre alte bestehende Anlage, die nur etwa 600 Kubikmeter Wasser fasst, ersetzt werden – durch einen neuen Behälter mit zwei Kammern und einem Fassungsvermögen von je 1000 Kubikmetern. Die Bauzeit liegt bei zwei Jahren.

Toiletten Musikpavillon

Die Anlage ist 50 Jahre alt. „Genauso alt sind die Klos“, sagt der Bürgermeister. Alles neu – so lautet jetzt die Devise. Für 230 000 Euro lässt die Gemeinde die Toiletten sanieren und behindertengerecht gestalten – samt Wickeltisch. Eine mächtige Finanzspritze erhält sie dafür aus dem Kommunalen Investitionsprogramm, das das Vorhaben mit 90 Prozent fördert. Grainau muss nur 28 900 Euro selbst berappen. Voraussetzung ist, dass die Anlage künftig der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Derzeit wird dort schon kräftig gewerkelt, schließlich muss das Ganze bis 10. Juni fertig sein. „Dann findet der erste Heimatabend statt.“

Campingplatz: Gehweg und Insel

Die Daseinsvorsorge in puncto Sicherheit muss gegeben sein. Das forderte Christian Andrä (Bürger für Grainau) in der Sitzung. Damit spielte er auf die Griesener Straße im Bereich des Campingplatzes an. Für Märkl steht außer Frage, dass dort etwas passieren muss. Vor allem, wenn er die Übernachtungszahlen, die bei 90 000 im Jahr liegen, betrachtet. „Es ist gefährlich, dort die Straße zu überqueren.“ Gerade in den Sommermonaten. Abhilfe soll ein 200 Meter langer Gehweg auf der Seite des Campingplatzes schaffen, in Verbindung mit einer Verkehrsinsel auf Höhe der Aldi-Filiale. Auch das ist teuer. Die Kosten liegen bei 65 000 Euro. „Eine Förderung gibt es leider nicht.“ Die Insel dagegen bekommt die Gemeinde gratis. Sie wird Märkl zufolge vollumfänglich vom Staatliche Straßenbauamt Weilheim errichtet und bezahlt. Auf seiner Wunschliste würde noch etwas stehen: ein Ortsschild für diesen Bereich, um das Tempo der Fahrzeuge auf 50 Kilometer pro Stunde zu drosseln.

Oberer Dorfplatz

Er wirft seinen Schatten voraus. 300 000 Euro an Planungskosten schlagen schon heuer im Haushalt zu Buche. Dabei wird’s mit dem Spatenstich für die Sanierung des Oberen Dorfplatzes heuer nichts mehr – obwohl der Herbst anvisiert war und die Planungen fast beschlussreif sind. Neuer Termin: Frühjahr 2018. Auf jeden Fall so schnell wie möglich, wenn es nach Märkl geht. „Der Obere Dorfplatz ist ein Schandfleck“, betont er und bezieht sich auf den Zustand der Straßen. „Die haben keinen Unterbau und wurden immer nur geflickt.“ Damit soll nun Schluss sein. Fällig sind die Zugspitzstraße bis zum Lebensmittelgeschäft Märkl, die Waxensteinstraße bis zum Bahngleis, der Neuneralm- und ein Stück vom Törlenweg. 4 bis 4,5 Millionen Euro muss Grainau investieren, wobei die Gemeinde auch in diesem Fall auf Zuschüsse zurückgreifen kann. 60 Prozent, für einen Teil des Oberen Dorfplatzes sogar 90 Prozent der Kosten erhält die Kommune aus dem Städtebauförderprogramm.

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