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Männer bei der Arbeit: Fleißige Hände richten die Altweibermühle her. 

Fasching im Werdenfelser Land

Aus alt und grauslich wird jung und schön: Altweibermühle wird reaktiviert 

Die Grainauer Altweibermühle wird an diesem Sonntag reaktiviert. Zwei Jahre hatte sie ihren Dornröschenschlaf gehalten.

Grainau – „Weiter nauf!“ „Hannes, hui amoi den Tacker!“ „Stopp, no drei Zentimeter nach links – naa. Warum is denn des jetzt so schepps?“

Ortstermin vor dem Grainauer Gemeindestadel an der Breitl. Ein Dutzend junger Burschen hämmert, schraubt, schleppt Balken und eine lange Blechrutsche. Der Stadel selbst erinnert an einen Vergnügungspark. Über allem schwebt ein maßstabsgetreues Modell der Kriegergedächtniskapelle, gleich daneben baumelt ein plüschiges Kamel. Doch in diesem Fasching geht es um einen anderen Höhepunkt des Grainauer Vereinslebens.

Zwei Jahre hat die Altweibermühle ihren Dornröschchenschlaf gehalten. Endlich darf sie an diesem Sonntag im Ortsteil Garmisch wieder fahren und die Damenwelt beglücken: Kandidatinnen müssen sich dazu nur todesmutig in einen Trichter stürzen, am besten kopfüber. Unter Gerumpel erfolgt drinnen die wundersame Verjüngung, Sägespäne fliegen – dann kommt ein fesches Maderl herausgerutscht. Draußen warten schon die festlich gekleideten Bräutigame zum Freudentänzchen.

Beim ganzen Prozess stehen die Burschen vom Fosenachtsverein zur Seite und packen mit an. Der Jüngste ist der 13-jährige Hannes. Mit einem Hammer ist er der weiblichen Kundschaft gerne behilflich, falls es mal klemmt. Der kann das schon ganz gut, lobt der „Obermüller“ Hans Steinbrecher junior den Nachwuchs. Insgesamt zehn Müllersburschen sind beim Umzug ständig im Einsatz, um das schöne Geschlecht noch schöner zu machen: „Wir üben reihum.“

Auf den ersten Blick beruht die Altweibermühle nicht direkt auf Werdenfelser Brauchtum. Auf den zweiten durchaus: Schon in der Jungsteinzeit galt das Rutschen über heilige Steine als fruchtbarkeitsfördernd – damals allerdings mit entblößtem Hinterteil. So gesehen ist die Altweibermühle sogar die älteste der hiesigen Faschingstraditionen. Den Begriff prägte der Schwarzwälder Georg Anton Bredelin, der 1787 sein beliebtes Fastnachtsspiel „Die Weibermühle von Tripsdrill“ schrieb. Besucher fragten so lange nach dieser Mühle, bis ein findiger Gastwirt 1929 tatsächlich eine baute und somit den Grundstein zum Freizeitpark Tripsdrill legte. Vielleicht ja auch eine touristische Idee für Grainau?

Wie viele Frauen pro Umzug durch die Mühle wandern, darüber sind sich die Burschen allerdings uneins. „63“, meint der eine. „So viele, wie hergehen!“, der andere. „Da führen wir keine Strichlisten.“ Man wähle aus, „wen wir halt meinen.“ Wer sich wehrt, wird verschont. Meistens jedenfalls. Drückebergerinnen entgehen das geheime Innenleben der Altweibermühle und ein Stamperl Schnaps zur Belohnung. Aber die fleißigen Grainauer Müllersburschen sind auch aufgeschlossen gegenüber Spontanbesucherinnen. „Manche“, erzählt Steinbrecher, „laufen der Mühle sogar hinterher: Dann machen wir das natürlich.“

Eva Klaehn

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