Ungewohnter Ort: Der Gemeinderat tagt im Kurhaus im Saal Waxenstein, damit der nötige Abstand eingehalten werden kann. 
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Ungewohnter Ort: Der Gemeinderat tagt im Kurhaus im Saal Waxenstein, damit der nötige Abstand eingehalten werden kann. 

Gemeinderat verabschiedet Zahlenwerk

Corona-Krise schlägt sich im Grainauer Haushalt nieder

Die Corona-Krise schlägt sich im Grainauer Haushalt nieder. Dies betrifft vor allem den Sektor Kurverwaltung.

Grainau – Es war zu erwarten: Die Corona-Pandemie schlägt sich im Haushalt der Gemeinde Grainau nieder. Bei den Ausgaben im Bereich Kurverwaltung hat Kämmerer Anton Pfanzelter deutlich weniger angesetzt, ebenso bei den Einnahmen in diesem Sektor (Kurbeitrag, Bade- und Saunagebühren). Er hofft, dass Mitte des Jahres eine Lockerung kommt, so dass wieder Touristen anreisen.

Beträchtliche Investitionen

Finanziell steht die Gemeinde gut da. Die gute Umlagekraft in 2018 bewirkt jedoch, dass die Kommune im zweiten Jahr in Folge mehr Kreisumlage zahlen muss. Die Schlüsselzuweisungen, also das Geld, das vom Freistaat Bayern kommt, sind erneut zurückgegangen. Eine Auswirkung von Corona ist, dass die Mindestzuführung an den Vermögenshaushalt heuer nicht erreicht wird. Dennoch ist das Investitionsvolumen beträchtlich. So nimmt die Gemeinde Geld in die Hand, um eine Übergangslösung für die Kita zu schaffen. Man will Container mieten und mit Planungen für einen Neubau anfangen. Hierfür sind gut 100 000 Euro eingeplant. Am Friedhof muss eine Stützmauer saniert werden. Die Berufsgenossenschaft hatte sie begutachtet „und die Schulnote 5 erteilt“, sagte Pfanzelter im Rahmen der Haushaltssitzung im Kurhaus (Saal Waxenstein). „Da der Friedhof eine Pflichtaufgabe ist, kommen wir nicht drum herum.“ Wenn die Kommune die Mauer nicht ertüchtigt, besteht auch eine Gefahr für die Besucher. 

Kanäle und Leitungen sanieren

Von einem anderen Kaliber sind wasserwirtschaftliche Projekte Am Krepbach, an der Loisachstraße und am Lindenweg. 1,35 Millionen Euro sind dafür vorgesehen. An den drei Straßenzügen werden Kanäle und Wasserleitungen saniert. Dafür nimmt die Gemeinde einen Kredit auf, Fördergelder erhält sie auch.

Finanzspritze für Hochbehälter

Voll im Gang ist der Neubau des Trinkwasser-Hochbehälters unterhalb der Christlhütte. Insgesamt kostet das Projekt 2,7 Millionen Euro. Heuer sind 250 000 Euro dafür vorgesehen. Die staatlichen Zuschüsse sind beträchtlich: Sie belaufen sich auf insgesamt 850 000 Euro. Pfanzelter freut’s: „Das ist gigantisch.“ Ins Geld geht auch die Sanierung des Oberen Dorfplatzes samt Umgriff. Heuer wird das Projekt fortgesetzt. Der Alplebach wird renaturiert, der Kirchenvorplatz mit Naturstein gepflastert, der Neuneralmweg neu asphaltiert und dort ein Parkplatz angelegt. So genannte Haushaltsreste in Höhe von 670000 Euro wurden dafür von 2019 auf 2020 geschoben.

Planungskosten in puncto Kurhaus/Bad

Eines der Top-Themen der nächsten Jahre wird in Grainau die Modernisierung des Kurhauses und des Bads werden. Für Untersuchungen und Planungen gibt die Kommune heuer schon mal 25 000 Euro aus.

Schulden klettern kräftig

Die Schulden steigen kräftig an. Das hängt mit Kreditaufnahmen zusammen. Ende 2020 werden die Schulden voraussichtlich rund 4,5 Millionen betragen. Pro Kopf sind das 1313 Euro. Das liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt vergleichbarer Kommunen. Den Schulden stehen Rücklagen von rund zwei Millionen Euro gegenüber. Erfreulich für die Bürger: Die Steuersätze bleiben unverändert. 

Keine Blaupause vorhanden

Große Reden wurden nicht geschwungen. „Ob die Rechnung aufgeht, wird man sehen“, meinte Zweiter Bürgermeister David Schwinghammer (PWG). CSU-Fraktionsvorsitzender Anton Reindl fand: „Der Haushalt steht auf soliden Füßen.“ BfG-Fraktionschef Christian Andrä erklärte vor dem Hintergrund der Corona-Krise: „Es gibt keine Blaupause, wie man sich verhalten soll.“ Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) sprach zu Beginn der Sitzung von „wirklich verrückten Zeiten“. 

Kurzarbeit kommt

Die „verrückten Zeiten“ bringen es mit sich, dass voraussichtlich 25 Gemeindebedienstete ab Mai in Kurzarbeit gehen. Das Kommunalparlament verabschiedete das Zahlenwerk, das alles in allem rund 13 Millionen Euro umfasst, einstimmig.

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