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Sie gehen für die CSU ins Rennen: (hinten v.l.) Johann Diepold, Peter Höck, Hans Steinbrecher, Jan Vogel, Hubert Riesch, Anton Reindl, (vorne v.l.) Johann Reiser, Bürgermeister Stephan Märkl, Ulrike Kraus, Landratskandidat Florian Lempert, Korbinian Glatz. Nicht auf dem Bild: Rico Strobel.

Kommunalwahlen 2020

CSU Grainau hebt Märkl auf den Schild

Die CSU Grainau hat Stephan Märkl auf den Schild gehoben. Sein vorrangiges Ziel besteht darin, „dass keiner, der hier aufwächst, weg will“.

Grainau – Es war ein undankbarer Job für den CSU-Vorsitzenden Johann Reiser. 18 Mitglieder versuchte er zur Kandidatur für den Grainauer Gemeinderat zu bewegen – umsonst. Doch nahm Reisers Kandidatensuche letztlich ein unverhofft glückliches Ende.

Geschäftsfrau Ulrike Kraus fand es unerhört, dass sich keine ihrer Geschlechtsgenossinnen für das politische Ehrenamt erwärmen wollte. „So schlimm ist unser Ort doch auch nicht“, sagte sie – und entschied sich noch im Dezember direkt zum Spontaneintritt in den Ortsverband. Weil ein Gemeinderat laut Statuten aber mindestens zwei Monate Parteimitglied sein muss, wurde für Kraus der rote Teppich ausgerollt. Die Aufstellungsversammlung beschloss im Kurhaus Grainau einstimmig, sie dennoch zu nominieren und mit dem aussichtsreichen Listenplatz 4 zu belohnen. Jetzt freut sich die „Henne im Korb“ Kraus auf ihre Aufgaben: „I denk scho, dass wir da allerhand bewegen können.“

Allerhand bewegt hat der amtierende Bürgermeister Stephan Märkl bereits. Der 48-Jährige ist in den vergangenen sechs Jahren vom „absoluten kommunalpolitischen Neuling“ zum Politprofi gereift. Er habe lernen dürfen, Kompromisse zu machen und dass der Handlungsspielraum doch oft eingeschränkt sei, an anderen Stellen aber viele Gestaltungsmöglichkeiten bestünden. Auch äußerlich hat er sich verändert und graue Haare bekommen. Ob die aber vom Amt oder doch einfach vom Alter herrühren, weiß er nicht. „Eins ist aber gewiss: Bürgermeister ist mein Traumberuf. Ich will und werde mich voll und ganz für unsere wunderschöne Gemeinde einsetzen“, versprach er. In seiner ersten Amtsperiode hat Märkl einiges erreicht. Von energetischen Sanierungen und Infotafeln über das kostenlose Sommerferien-Busticket für Schüler (auf Betreiben der Frauen-Union) und diverse neue Straßenbeläge bis hin zur Erschließung des Neubaugebiets Bruckweg und den 108 neuen Wohnungen der Siedlung, einem Ausbildungszentrum des Deutschen Skilehrerverbands und der Werdenfelser Herbstausstellung 2016. Besonders 2019 war das „Jahr der vielen Baustellen“ – Grundschule, Hochbehälter, Oberer Dorfplatz – alle vor der plangemäßen Vollendung. Sparsam und zukunftsorientiert möchte Märkl haushalten, betont gleichzeitig aber: „Man darf nicht allen Trends nachlaufen, auch wenn das gerade unpopulär ist.“

Der Wahl am 15. März kann Märkl wohl beruhigt entgegensehen. Die anwesenden 44 wahlberechtigten Parteimitglieder bestätigten seine Kandidatur einstimmig. Während der Auszählung der Stimmen gab CSU-Landratskandidat Florian Lempert aus Seehausen einen Überblick über seine politischen Ideen. Der 31-Jährige Immobilienverwalter zeigte Volksnähe, indem er zwei Tage einen Pflegedienst begleitete. Aus erster Hand wollte er erfahren, wo die Probleme liegen. „Was da auf uns zukommt, ist eine humanitäre Katastrophe“, sagt er sichtlich gerührt. Hier möchte er „Weichen stellen“, ebenso beim Thema Berufsschule, Pendler, Wohnungsnot und Verkehrsüberlastung. „Wieso informieren wir die Tagesgäste nicht schon am Autobahnende, dass die Parkplätze voll sind?“

Auch für Märkl ist der Verkehr ein Dauerbrenner. „Der Tourismus ist bekanntlich die Lebensgrundlage unseres Dorfs. Aber wir haben in der Verkehrsfrage noch nicht alle wichtigen Stellschrauben ausgereizt.“ Das vorrangige Ziel des dreifachen Vaters Märkl für Grainau besteht darin, „dass keiner, der hier aufwächst, weg will“.

Zur Gemeinderatswahl stellen sich neben Vorstand Johann Reiser auch die „Wiederholungstäter“ Anton Reindl, Hubert Riesch, Hans Steinbrecher und Johann Riesch. Neu auf der Liste sind neben Ulrike Kraus (51) auch Korbinian Glatz (22, Informatikstudent), Peter Höck (28, Spenglermeister), Jan Vogel (44, Geschäftsführer) und Landratsmitarbeiter Rico Strobel (34). Letzterer war durch einen Hexenschuss ans Bett gefesselt und schickte deshalb Bürgermeister Märkl seine Vorstellungsrede per WhatsApp, was für ein unterhaltungstechnisches Highlight sorgte. Da soll noch einer sagen, die Christsozialen seien nicht internetaffin. Andreas Augscheller und Katrin Korbion treten nicht mehr an.

Eva Klaehn

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