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Die zwei A-Hirsche, die in Untergrainau mittlerweile Harald und Dieter genannt werden, zeigen sich ganz ungeniert. Jetzt im Winter stöbern die Tiere in ungeschützten Komposthäufen.

Wildtiere in Grainau

Hirsche lassen’s sich im Garten schmecken

Die Hirsche „Harald“ und „Dieter“ wollen nicht ins Wintergatter gehen. Eine Grainauer Försterin gibt Tipps. 

Grainau – In vielen Gärten der Region treiben sich nächtliche Besucher herum. Besonders Grundstücke, die direkt an den Staatsforst grenzen, sind betroffen. Am Untergrainauer Baderseeweg haben die Anwohner „ihren“ Hirschen schon Namen gegeben: Harald und Dieter traben aber auch bei hellem Tageslicht durch die Landschaft, fressen bevorzugt Bohnen, Rosenknospen, Phlox, frische Triebe von Apfelbaum und Himbeere. Im Frühling reiben sie ihr Geweih an „allem, was im Weg ist“, beklagt eine Anwohnerin. Sie zertrampeln den Boden, verteilen den Komposthaufen, lösen beim Beknabbern der Balkonpflanzen die Hofbeleuchtung aus und entleeren sich ungeniert mitten auf der Terrasse.

Aber sollten die Hirsche nicht längst in ihrem Wintergatter sein? Die Wildfütterungen haben erst vor kurzem begonnen. „Manche lassen sich eben etwas länger Zeit“, sagt Grainaus Försterin Susanne Herrmann – und hat durchaus Verständnis für die sogenannten Außenstände. Das Wild würde sich ja nirgendwo mehr sicher fühlen können, selbst in den Wintergattern „latschen die Wanderer doch von fünf bis elf Uhr abends mit der Stirnlampe durch“. 

„Man kann Rotwild lenken“, sagt Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen. „Und zwar, indem man ihm Futter außerhalb des Waldes anbietet.“ Der Beweis fände sich im Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. „Die haben einen naturverjüngten Bergmischwald, da ziagt’s da d’Schuach aus.“ 

Übrigens trotz hoher Rotwildbestände. Leider geht die Rechnung auch anders herum auf. Und zwar durch das reichliche Nahrungsangebot im Vorgarten, das die Tiere an den Standort bindet und die Alternative Wintergatter unattraktiv werden lässt. „Viele sehen ihren Kompost als Müllhalde“, sagt Försterin Herrmann. Sie appelliert an alle Gartenbesitzer, ihre Komposthäufen doch bitte möglichst wildtiersicher zu gestalten. Ein Deckel würde schon genügen, damit das Wild den Haufen nicht als Einladung missversteht. „Die sind ja auch nicht dumm. Stellen Sie sich mal vor, Sie sitzen vor dem vollen Kühlschrank. Da gehen Sie doch auch nicht kilometerweit wandern.“ 

Herrmann kennt Harald und Dieter, die beiden Gourmets. A-Hirsche seien das, die dürfe man sowieso nur bejagen, wenn sie zu „Schadhirschen“ würden, also keine natürliche Scheu vor Menschen mehr zeigten und eine ganz konkrete Bedrohung darstellten. Zumal der Wald rund um den Badersee so eng und voller Steine sei – „da prallt die Kugel am Ende noch ab und hängt bei irgendwem im Schlafzimmer.“ 

Das Abschießen aber wünschen die betroffenen Anwohner nun auch wieder nicht. „Ich kann’s verschmerzen“, sagt eine, die lieber anonym bleiben möchte. „Ich werde dieses Jahr einfach weniger anpflanzen. Oder halt nur Sonnenhut, den verschmähen sie.“ Es sei im Grunde ja ganz nett, so direkt am Puls der Natur. 

Wildlife pur und gratis frei Haus, sozusagen. Anita M. hatte im Herbst extra die übrigen Äpfel in ihrem Garten zusammengerecht, um den Igeln eine Freude zu machen. Stattdessen hüpften Harald und Dieter mit ihren drei Zentnern über den Zaun, trampelten alles nieder. „Jetzt weiß ich nicht mehr, was ich nächsten Herbst machen soll“, resigniert die Grainauer Igelfreundin. 

Eine andere Betroffene hat gute Erfahrungen mit Blutmehl gemacht – alle paar Tage im Garten ausgestreut, hält es zumindest Harald und Dieter fern. Blutmehl (aus der Fleischindustrie, eigentlich als Anglerbedarf gedacht) ist günstig, biologisch abbaubar und düngt die Pflanzen sogar. Für Vegetarier und Veganer ist das natürlich keine Option. Denen hilft nur der Kompostdeckel oder rigoroses Einzäunen. „2,50 Meter muss so ein Wildzaun schon haben“, sagt Försterin Herrmann, macht aber Hoffnung auf die Selbstregulation der Natur: „Wenn die keiner mehr anfüttert, werden auch Harald und Dieter irgendwann abwandern.“ 

Eva Klaehn

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