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Hat sich ein Ziel gesetzt: Martin Müller. 

Ein Traum soll wahr werden

Mann (55) leidet an Autoimmunkrankheit - jetzt will er den Kilimandscharo besteigen

Jetzt will er es trotz seines inzwischen halbierten Lungenvolumens wissen: Martin Müller möchte den höchsten afrikanischen Berg erklimmen. Die Vorbereitung läuft.

Grainau – „Seine Lebensträume sollte man sich erfüllen“, sagt Martin Müller. Der seit 40 Jahren an einer fortschreitenden Autoimmunerkrankung (Morbus Bechterew) Erkrankte tut es. Er bereitet sich intensiv auf die Besteigung des Kilimandscharo (5895 Meter) vor. Einmal auf dem schneebedeckten Gipfel des höchsten afrikanischen Bergs zu stehen, das war immer sein größter Wunsch. Auf diese Expeditionsteilnahme hatte er gespart. Jetzt will er es trotz seines inzwischen halbierten Lungenvolumens wissen, denn länger warten kann er nicht.

Leichtsinnig? Müller lacht. „Von ärztlicher Seite gibt es den Rat, es zu versuchen. Wenn ich es nicht schaffen sollte, dann ist es eben so“, sagt er. Dem durchtrainierten schlanken Mann sieht man auf den ersten Blick seine heimtückische Krankheit nicht an. Beim genaueren Hinsehen verraten Narben an Ellenbogen und Händen die durchgestandenen Operationen, die am Rücken kann man nur erahnen. Latente Schmerzen seien immer da, gesteht er. Aber die Medikamentierung habe enorme Fortschritte gemacht. Der frühere REWE-Marktmanager ist inzwischen Assistent im Unternehmen und kann beruflich nur eingeschränkt tätig sein. „Wichtig ist, dass ich überhaupt noch arbeiten kann, privat die Frau meines Herzens an meiner Seite habe und denke, dass es mir trotz allem gut im Leben ergangen ist.“

„Die Krankheit darf nie die Oberhand gewinnen“

Immer wieder hat er Menschen getroffen, die ihm weitergeholfen haben, für ihn da waren. Jetzt möchte er etwas zurückgeben. Seine fröhliche, lebensbejahende Art wirkt ansteckend. „Der Krankheit darf man sich nicht ergeben. Sie ist da, sie kann niederdrücken, aber sie darf nie die Oberhand gewinnen“, lautet seine Lebensphilosophie. „Um dagegen zu steuern, lebe ich nach der BbB – Bechtis brauchen Bewegung – Erkenntnis.“ Zu seinem Programm gehören neben regelmäßigen Reha-Aufenthalten in Oberammergau, Physiotherapie bei Ralf, seinem Freund und Personal- Trainer, sowie Qi Gong, Langlauf im Winter Radeln und vor allem Ausdauer- und Berglauf. So gelang es, die chronische fortschreitende Erkrankung aufzuhalten, ja zurückzudrängen.

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Der 55-jährige Aschaffenburger, der seit 2012 im Werdenfels und seit einem Jahr in Grainau wohnt, gehört zur gemeinnützigen Organisation „Besi & Friends – Rad statt Rollstuhl“. Deren Initiator Andreas Besler (Besi), der aufgrund seiner MS-Erkrankung bereits im Rollstuhl saß, habe es geschafft, „sich daraus wieder heraus zu sporteln“, erzählt Müller anerkennend. „Das hat mich unheimlich beeindruckt, und inzwischen ist er ein guter Freund.“ Seit der Begegnung mit Besi seien ihm quasi Flügel gewachsen, meint er und zählt seine Laufleistungen der vergangenen drei Jahre auf, zu denen noch eine Radltour bis nach St. Tropez (Frankreich) kam.

Er hofft, dass seine Lunge mitspielt

In diesem Jahr gehört der Vorbereitung für die Kilimandscharo-Besteigung seine ganze Aufmerksamkeit. Ein erster Härtetest war die Garmisch-Partenkirchner Berglauf-Trilogie (Wank, Kreuzeck und Eckbauer) Anfang Juni. Am 31. August hat sich Martin Müller für den Karwendel-Marsch angemeldet, am 29. September möchte er beim Berlin-Marathon dabei sein. „Immer alles unter der Maßgabe, wenn es nicht mehr geht, Vernunft walten zu lassen und die Strecke verkürzen.“

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Bevor es am 7. Dezember mit einem Schweizer Tour-Unternehmen – ein Arzt gehört zum Team – für Müller nach Afrika geht, möchte er im November noch seine Prüfung zum Qi Gong-Lehrer ablegen. Die chinesische Meditations-, Konzentrations- und Bewegungslehre tat ihm selbst so gut, dass er Lehrgänge besuchte, als Kursleiter tätig war. Jetzt hat er sich weiter qualifiziert, möchte anderen helfen. Sind die Prüfungen geschafft, ist alles vorbereitet, rückt die Erfüllung seines Lebenstraumes in greifbare Nähe. Auf dem höchsten Punkt des Kilimandscharo-Massivs, dem Uhuru Peak, möchte er am 15. Dezember stehen. Körperlich fühlt er sich fit. „Ich hoffe, dass meine Lungen mitmachen, denn die Luft in circa 6000 Metern Höhe ist sehr dünn.“ Die Gipfelbesteigung, sein Traum, an den er glaubt, versteht der Wahl-Grainauer als Mut-mach-Aktion für alle Menschen mit Behinderungen.

Seine Tour

kann man unter www.rad-statt-Rollstuhl.de verfolgen.

Margot Schäfer

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