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Die Felsstürze werden wohl zunehmen.

Klimawandel betrifft auch den Landkreis

Massive Felsstürze befürchtet: Über dem Höllentalgletscher lauert Gefahr

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Der Klimawandel sorgt am Höllentalgletscher für ein gewaltiges Problem: VW-Bus große Felsbrocken lockern sich durch den Rückgang des ewigen Eises und bedrohen nun Bergsteiger.

Grainau – Günter Durner ist Bergführer aus Leidenschaft. Er begleitet Naturliebhaber hoch ins Gebirge. Besonders gern wird er für den Aufstieg zur Zugspitze durchs Höllental gebucht. Um die 20 Gruppen führt er jährlich auf Deutschlands höchsten Berg. Dabei muss er eine Stelle überwinden, die ihm seit geraumer Zeit arge Bauchschmerzen bereitet – der Höllentalgletscher. Bislang war dort die kritischste Stelle die sogenannte „Randkluft“. Ein Spalt, der sich zwischen Gletscher und Klettersteig auftut und jährlich breiter wird. Querspalten unter der täglich dünner werdenden Restschneedecke bergen ein weiteres Risiko für Bergsteiger. Für Durner nichts Neues. Er kennt jeden Fleck fast auswendig.

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Im Juni lag noch reichlich Schnee und Eis.

Doch seit Neuestem gilt seine Aufmerksamkeit einer ganz andere Stelle: Aufgrund des „extrem starken Rückgangs des Höllentalgletschers ist die Seitenmoräne, ein Schotterfeld, am nördlichen Hang in Bewegung“, sagt Durner. Das bedeutet, dass das Fundament des Eises abtaut und der gesamte Hang auf etwa 500 bis 800 Meter Breite über 200 Höhenmeter abrutscht. Genau an diesem Hang liegt der Zustieg zum Gletscher – und darüber schwebt das Damoklesschwert. „Oberhalb der Spur befinden sich jetzt VW-Bus große Felsbrocken, die jederzeit abrutschen können“, sagt Durner. Die Folgen wären verheerend. Die Steine würden im 40 Grad steilen Schotterfeld zu tödlichen Geschossen werden. „Da gibt es für Bergsteiger kein Entkommen mehr“, mahnt der Bergführer. „Ich hoffe nur, dass keiner jemals von einem Felsbrocken erschlagen wird.“ Eine Katastrophe, zumal der Aufstieg über das Höllental zur Zugspitze unheimlich begehrt ist. „An Spitzentagen sind hunderte Alpinisten gleichzeitig unterwegs.“ Im Gänsemarsch gehen dann ganze Kolonnen auf den höchsten Berg Deutschlands.

Im August ist deutlich zu erkennen, wie der Gletscher geschmolzen ist – in gerade einmal zwei Monaten.

Die Entwicklung wird auch nicht besser. Ganz im Gegenteil: Seit 1987 ist er Bergführer und ständig im Gebirge unterwegs. „Die Geschwindigkeit, in der sich die Verhältnisse am Gletscher ändern, hat rasant zugenommen.“ Durch die tauenden Eisberge würden Steinschläge und Felsstürze immer häufiger zu einer Gefahr für Wanderer werden. Dieser Schwund passiert immer schneller: „Innerhalb von nur zwei Monaten hat sich der Gletscher extrem verändert“, sagt Durner. Eine beunruhigende Entwicklung. „Die Klimaerwärmung lässt grüßen.“

Von der Gefahr weiß auch Udo Knittel, der Vorsitzende der Deutschen Alpenvereins-Sektion Garmisch-Partenkirchen. „Seit über zehn Jahren bahnt sich dieses Problem an“, erklärt er im Tagblatt-Gespräch. Doch der Alpenverein ist so gut wie machtlos gegen diese Naturgewalt. „Den Steig entsprechend herrichten, lohnt sich nicht. Man kann da nichts machen“, stellt er resigniert fest. Denn jedes Jahr aufs Neue überwindet er mit seinen Gruppen die Eismasse anders, da sie sich „stets bewegt“. Knittel, selbst staatlich geprüfter Bergführer, nimmt deshalb künftig einen anderen Weg. „Wir passieren den Höllentalgletscher ab sofort durch die Mulde unterhalb.“ Da, wo es sicherer ist vor möglichen Steinschlägen. Die werden nicht weniger, wenn die Entwicklung so weiter geht. Der zweitgrößte Gletscher Deutschlands hat nur noch eine maximale Dicke von 48 Metern. Knittel weiß schon jetzt: „Das wird noch eine heiße Kiste.“

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