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Auf diesem Grundstück am Zigeunerweg soll das Seniorenheim realisiert werden. 

BRK als künftiger Betreiber reagiert

Massiver Protest aus der Bevölkerung: Widerstand gegen Seniorenheim formiert sich

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Am Zigeunerweg in Grainau soll eine Seniorenresidenz entstehen. Dagegen formiert sich Widerstand. 250 Grainauer haben bereits auf den Listen gegen dieses Vorhaben unterschrieben. 

Grainau – Der Grundsatzbeschluss steht. Der fiel Ende Januar denkbar knapp im Gemeinderat, mit 7:6-Stimmen aber pro Seniorenresidenz am Grainauer Zigeunerweg. „Mehr ist bislang nicht passiert“, betont Bürgermeister Stephan Märkl (CSU). Jetzt erst laufen die Abstimmungen mit dem Amt für Landwirtschaft und Forsten, das Landratsamt und den Naturschutzbehörden an. Liegen diese vor, geht’s an die Aufstellung des Bebauungsplans.

Dass er schon in diesem frühen Stadium mit massivem Protest aus der Bevölkerung konfrontiert wird, erstaunt den Bürgermeister. „Natürlich nehme ich die Bedenken ernst“, betont Märkl. Zumal bereits 250 Grainauer gegen die Seniorenresidenz mit 120 Plätzen sowie einem Mitarbeiterhaus an diesem Standort unterschrieben haben. Den Initiatoren des Widerstands ging’s aber genau darum, ihre Haltung zu diesem Bauvorhaben frühzeitig kundzutun. „Unsere Bedenken sollten vorher gehört und beantwortet werden“, findet Eva Buchen. Nicht erst, wenn der Bebauungsplan schon aufgestellt wird.

Bürgermeister tut Sorgen kund

Sie und ihre Mitstreiter sehen durchaus die Notwendigkeit, ein Seniorenheim in Grainau zu errichten. „Wir halten aber den Standort für falsch“, sagt Buchen. „Das Gelände ist schattig, sumpfig und völlig abgeschieden.“ Damit spielt sie auf die fehlende Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und die örtliche Infrastruktur an. „Alte Beine brauchen kurze Wege“, zitiert sie Murnaus Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), in dessen Gemeinde überlegt wird, ein Seniorenheim in den Ortsbereich zu integrieren. Zudem halten sie und ihre Mitstreiter die Dimension der geplanten Baukörper in der „vorhandenen, historisch gewachsenen, lockeren Bebauung“ für nicht verhältnismäßig. Ihr Vorschlag: Ein Gerüst, damit sich jeder Grainauer ein Bild von den Ausmaßen machen kann.

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Die Sorgen, mit denen sie sich an Märkl gewandt hat, sind vielfältig. Sie reichen vom wachsenden Verkehr über die Kanalisation und die Geologie – „müssen Wald abgeholzt und Hügel abgetragen werden?“ – bis zur Befürchtung, dass die Einrichtung wegen der angesprochenen Nachteile letztlich touristisch umgewidmet wird.

„Es geht um die Leute vor Ort“

Nicht nur beim Bürgermeister, auch bei Klemens Reindl, Geschäftsführer des BRK-Kreisverbandes, sind die Einwände der Anwohner angekommen. Reindl hadert etwas mit den „St.-Floriansargumenten, das heißt, man will’s, aber nicht in seiner Nachbarschaft“. Doch auch mit denen will er sich auseinandersetzen. Das Bayerische Rote Kreuz würde die Seniorenresidenz betreiben, Geldgeber sind bei dem 13-Millionen-Euro-Projekt die beiden Grundstücksbesitzer. Bei dem Vorhaben „geht es nicht darum, reiche Rentner von außerhalb in den Landkreis zu holen, sondern es geht um die Leute vor Ort“, unterstreicht Reindl. Der Bedarf sei groß, zumal einige vorhandene Einrichtungen den gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht mehr genügen. „Außerdem gibt’s laut Kabinettsbeschluss ab 2025 eine Pflegeplatzgarantie ab Pflegestufe II, da werden die Kommunen in die Pflicht genommen.“

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Darüber und auch über das Konzept will er gerne die Grainauer informieren. „Wir machen eine Veranstaltung“, kündigt er an. Der sehen Buchen und ihre Mitstreiter gespannt entgegen. Genau wie den nächsten Beschlüssen im Gemeinderat. Den Kommunalpolitikern haben sie ihre Argumente bereits schriftlich mitgeteilt, die Unterschriftensammlung läuft weiter. Denn noch sind Buchen und Co. nicht überzeugt von dem Konzept und bereit, ein Bürgerbegehren gegen die Seniorenresidenz zu starten.

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