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Hier war viele Jahre die Grainauer Postagentur untergebracht.

Untragbare Situation

Grainau seit Wochen ohne Postagentur und keine Lösung in Sicht

Seit einigen Wochen ist Grainau Niemandsland – zumindest postalisch. Die Postagentur ist geschlossen. Nun müssen die Bürger für Briefmarken und Co. nach Garmisch-Partenkirchen.

Grainau – „Für mich ist das eine Katastrophe“, sagt Camelia Weisenburger. Die 36-jährige Geschäftsführerin des Gasthauses St. Anton ist darauf angewiesen, dass täglich Post herausgeht. „Nun muss ich für ein Einschreiben nach Garmisch-Partenkirchen fahren, und das bei dem Verkehr! Dann finde ich vor Ort keinen Parkplatz, und an den Schaltern bilden sich oft lange Schlangen“, beklagt sich die Geschäftsfrau.

Was sie früher in zehn Minuten zu Fuß oder per Radl erledigen konnte, dauert nun meist über eine Stunde – und das täglich. Seit Thomas Hildebrandt sein Haus am Unteren Dorfplatz in Grainau verkauft und seinen Fleckerl-Laden im Untergeschoss, in dem auch die Postfiliale untergebracht war, geschlossen hat, liegen auch die anderen Einheimischen und die vielen Touristen in Sachen postalische Dienstleistung auf dem Trockenen. „Herr Hildebrandt hat seinen Dienst für die Post, den er seit 1999 mit Unterbrechungen dankenswerterweise in seinem Laden übernommen hatte, fristgerecht einige Monate vor seinem Wegzug in den Norden Deutschlands rechtzeitig quittiert. Doch die Post hat sich Zeit gelassen, und nun haben wir ein Problem“, erklärt Bürgermeister Stephan Märkl (CSU).

Die Suche nach einem neuen Betreiber gestaltet sich Märkl zufolge recht schwierig und blieb bislang erfolglos. „Wir haben gemeinsam mit einer Postmitarbeiterin alle unsere zwölf Ladeninhaber persönlich abgeklappert, alle hatten kein Interesse, diesen Dienst zu übernehmen“, sagt der Rathaus-Chef. Sogar ihn habe man gefragt, ob nicht in der Gemeindeverwaltung die Möglichkeit bestehe, die Agentur mit zu betreiben. „Aber da würden wir nur draufzahlen, das hat der Gemeinderat gleich abgelehnt“, sagt Märkl.

Er ist ungehalten. „Die Post ist dazu verpflichtet, innerhalb von drei Monaten in einem Ort ab 2000 Einwohnern eine Agentur zu stellen. Ich kann nicht verstehen, warum die sich so lange Zeit gelassen haben, bis nun diese missliche Situation für unsere Bürger und Gäste entstanden ist.“ Auch der neue Besitzer des Hauses am Dorfplatz ist nicht dazu bereit, die Postfiliale zu übernehmen. „Ich werde das Haus zum reinen Wohnhaus umgestalten, da ist kein Raum für solch eine gewerbliche Nutzung“, erklärt Timo Mahnke.

Inzwischen sucht die Post laut Märkl nach Alternativen. Eine Dame von der Abteilung für Immobilien sei im Ort gewesen und habe unter anderem zwei leer stehende Läden, einen in Untergrainau neben der Kurverwaltung in der Passage, und den zweiten, „Uschis Moden“ im Ortskern an der Waxensteinstraße, der seit gut sieben Jahren leer steht, inspiziert. Doch eine Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Eine weitere und letzte Option, sagt Märkl, sei eventuell auch, ein Teil des öffentlichen Lesesaals im Kurhaus zur Verfügung zu stellen. „Es braucht ja nur etwa drei, vier Quadratmeter, die könnten wir hier abgeben.“ In jedem Falle müsse die Post nun Gas geben und verstärkt nach einer Lösung suchen, denn die Situation sei so untragbar. Unter den unternehmerischen Fehlentwicklungen von Seiten der Post könne schließlich nicht seine Gemeinde leiden.

Die Post hält sich bedeckt. Die zuständige Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden wollte, erklärter: „Ich kann hierzu keine Auskunft geben. Wir sind in jedem Fall dran. Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Wochen eine Lösung finden werden.“

Für Sophia Ammer (30) ist diese Wartezeit mit offenem Ausgang mehr als ärgerlich. „Für jedes Päckchen muss ich nun nach Garmisch-Partenkirchen. Wir brauchen im Ort dringend eine Post. Ich kann nicht nachvollziehen, warum es überhaupt zu solch einer Situation hat kommen müssen.“

Barbara Falkenberg

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