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Die Wilderer (Sepp Hofbauer und Regisseur Stefan Kebinger) stürmen die Szene.

Premierenfieber

Und dann knallt‘s: Als es in Grainau die Wilderer in den Wald treibt

Mit einem historischen Thema befasst sich eine Theatergruppe aus Grainau: der Wilderei. Die Proben laufen.

Grainau – Verwegene Wilderer mit ihren Büchsen, Musikanten mit den Instrumenten, Uniformierte und Jäger, dazwischen wuseln Kinder umeinander, Buben wie Mädchen alle barfuß. Die erste Probe im Kostüm steht an. Aber kommen im Stück „Waldbrüder“, der Bühneninszenierung nach dem gleichnamigen historischen Roman des Grainauers Josef Bader, gar keine Frauen vor? „Doch“, grinst Regisseur Stefan Kebinger. „Aber die san mit Schminken und Frisieren no ned fertig…“ Als die Damen dann eintrudeln, sieht man, dass sich das Warten gelohnt hat.

Möglichst gut aussehen wollen heute alle, denn es werden Portraitaufnahmen der Mitwirkenden sowie diverse Gruppenbilder angefertigt – für die Werbung und als private Erinnerung. Bis die bei über 30 Mitwirkenden alle im Kasten sind, dauert es seine Zeit. So fängt die eigentliche Probe mit 70 Minuten Verspätung an. Doch Kebinger ist die Geduld in Person. Und auch alle anderen sind bester Laune. Bier- und Saftkästen stehen zur Bedienung bereit sowie eine Riesentüte Semmeln. Es wird entspannt geratscht – auch als die Probe dann endlich begonnen hat.

Die Not treibt in die Wälder

Der Prolog führt kurz in die Handlung ein: Wir befinden uns im Jahre 1931 hier in Grainau, wo es immer wieder zu gefährlichen Zwischenfällen mit Wilderern kommt. „Doch es ist die Not, die die Männer in die Wälder treibt!“, verkündet der Sprecher Toni Piller.

Schon sind wir mitten drin in der ersten Szene. „Spuin ma Wuiderer“, rufen ein paar Buben. Alle stimmen begeistert zu. „Aber oana muss da Jaga sein“, erklärt einer. Da ruft die Mutter zum Essen. „Heit gibt’s a Fleisch!“ Misstrauisch fragt der Pischl Martl (Hubert Paule), wo das denn herkomme. „Iss! Des hot nix koschd“, weicht seine Frau (Susi Pfeffer) der Erklärung aus. Der fünfköpfigen Kinderschar ist es jedenfalls egal, woher der Segen auf dem Teller kommt. Doch der Vater wirft ein: „Unrecht Gut gedeiht nicht gut!“

Wilderer stürmen die Szene

Die Souffleuse steht dicht dabei. Ihre Einsage-Hilfe wird noch recht oft benötigt. „Heute geht’s in erster Linie um den Text“, erklärt der Regisseur. „Der muss jetzt ins Laufen kommen.“ Deshalb lässt er die Szene durchspielen ohne weitere Anmerkungen. Als nächste haben Sophia Ammer und Stefan Pischl ihren Auftritt. „Denkt’s dro: Ihr seid’s verliabt, verliabt, verliabt! Und Zeit loss’n!“ Mit dieser Ermahnung beginnt das Paar Agathe und Bartl zu turteln.

Da stürmen Wilderer die Szene. „Jessas! Des san meine Briada“, entfährt es Agathe. „Bartl, dua eana nix!“ Doch stattdessen tun die wilden Gesellen (Sepp Hofbauer und Regisseur Stefan Kebinger) dem armen Jäger was. Sie entwaffnen ihn und schlagen einen Handel vor: Wenn er sie in Ruhe lasse, werde seine Liebschaft mit Agathe geduldet. Doch das weist der Jäger entrüstet von sich. Ein wildes Handgemenge entsteht.

Jetzt hätte der Schmied Hannes (Matthias Eichholz) seinen Auftritt gehabt. „Wir wär’n dann soweit – gewesen“, merkt Kebinger ironisch an. „Der Matthias parkt no sei Auto um“, wird dem Regisseur zugerufen. Doch da eilt der säumige Akteur schon herbei – und gemeinsam überwältigen sie den armen Bartl.

Improvisation und Fantasie

Die dritte Szene spielt im Wirtshaus. Da ist hier draußen bei der improvisierten Probe im Freien viel Fantasie gefragt. Denn es gibt keinerlei Kulissen. Für große Erheiterung sorgt Hubert Paule, der etwas verspätet nach herzhaftem Biss in die Semmel auf die Szene stürzt und mit vollen Backen kauend erklärt, dass er und die Seinen nichts zum Essen hätten. Als alle lachen, rechtfertigt er sich: „Is des a Wirtshaus-Szene oder ned?“

Hier findet nun das große Jagdessen statt, zu dem der Jagdpächter (Gerhard Sanktjohannser) eingeladen hat. Doch die Stimmung ist am Brodeln. Es sei wohl manch einer nicht nur am heutigen Abend von seinem Gamsbraten satt geworden, mutmaßt der Pächter und weist seine Jäger an, entschlossener gegen die Wilderer vorzugehen. Das Murren im Saal wird lauter. Da braut sich was zusammen.

Was genau ist in der Premiere am Freitag, 19. Juli, zu erfahren. Über die Proben zeigt das Bayerische Fernsehen am Donnerstag, 18. Juli, einen Bericht.

Aufführungen

gibt’s noch am 20., 25. und 26. Juli jeweils um 20 Uhr im Musikpavillon. Sie finden bei jedem Wetter statt. Die Karten kosten 15 Euro.

Sabine Näher

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