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Die zwei verstehen sich: Peter Schuster feiert heute in seinem Heimatort Grainau mit seiner Mutter Maria seinen 80. Geburtstag.

Zahl der Ehrenämter reicht für fünf Leben

Grainaus Altbürgermeister Peter Schuster wird 80

Sage und schreibe 80 Auszeichnungen hat Peter Schuster bislang erhalten – vom Bundesverdienstkreuz bis zur Goldenen Ehrennadel des Holzhackervereins. Der Grainauer Tausendsassa hat unfassbar viel für die Gesellschaft geleistet. Heute begehtder Altbürgermeister bei bester Gesundheit seinen 80. Geburtstag.

Grainau– Peter Schuster hat die Vergangenheit in unzähligen Alben festgehalten. Wenn der Grainauer in seinem Wohnzimmer in seinem Leben blättert, sieht er ein Motiv besonders gerne an. Es zeigt Ende der 1930er einen blonden Lausbuben in Windeln auf dem Arm seiner blutjungen Mama. Bei diesem Anblick glänzen Schusters Augen, zeigt es doch ihn und seine Mutter. Das Schönste dabei: Maria Schuster erfreut sich trotz ihrer 98 Jahre guter Gesundheit. Wenn ihr Peter heute seinen 80. Geburtstag feiert, wird die Mama selbstverständlich dabei sein.

Sie hat den Ältesten ihrer vier Kinder am 7. März 1938 im damaligen Entbindungsheim an der Garmischer Klammstraße zur Welt gebracht. Beim „Lend-Seppl“ wächst der Bub im Werdenfelser Idyll auf. Schuster entstammt echtem Grainauer Geschlecht. Seinen Urgroßvater Johann Mair hatte man 1895 sogar zum Königlich bayerischen Distrikt-Straßen-Aufseher-Meister befördert. „Weil er Grund für die Straße zum Eibsee abgetreten hat“, erläutert dessen Urenkel den lokalhistorischen Hintergrund. Schuster hat Unmengen von Daten, Anekdoten und Bilder zusammengetragen. Er ist ein wandelndes Lexikon. Beim Fertigen der Familienchronik hat Schuster von seinem Enkel den Ritterschlag erhalten, als dieser anerkennend meinte: „Opa, Du spinnst.“ 

„Mich grüßt heute jeder im Dorf“

Zu dieser Einschätzung möchte der eine oder andere kommen, der sich die unzähligen ehrenamtlichen Posten betrachtet. Die reichen im Normalfall für fünf Leben. So lenkte der Vollblut-Funktionär unter anderem 22 Jahre lang als Präsident den Bayerischen Skiverband (1980 bis 2002), fungierte acht Jahre (1998 bis 2006) als Schatzmeister des Bayerischen Landessportverbands und steht er seit 1974 an der Spitze des Heimatclubs SC Eibsee Grainau. Stets handelte Schuster nach der Devise: „Zuerst der Sport, dann kommen die Funktionäre.“ Und den Grüßgott-August wollte der zweifache Vater – Andrea (54) und Petra (51) – schon gar nicht geben. „Lieber flüstere ich ein, als dass ich große Reden halte.“ Schuster packte stattdessen an – beispielsweise beim Bau des Sportplatzes. Ein Glanzstück, das er und seine fleißigen Helfer in den 1970ern mehr oder weniger in Eigenleistung aus dem felsigen Boden stampften. Seit Schuster das Sagen bei seinem Sportclub hat, wuchs die Zahl der Mitglieder von 250 auf knapp 1600.

Stramme Mannsbilder: Die Fußballer des SC Grainau mit Torwart Peter Schuster (vorne Mitte).
Termin mit dem Bundespräsidenten: Peter Schuster (r.) im Gespräch mit Heinrich Lübke in den 1960ern.

Der ehemalige Berufssoldat lebt für das Ehrenamt und liebt die Herausforderung. Kein Wunder, dass er für die Kommunalpolitik interessant wurde. „Ich bin sehr konservativ“, betont Schuster, „aber Neuem aufgeschlossen“. Mit dieser Grundüberzeugung landete er natürlich bei der CSU beziehungsweise ihrer Nachwuchsorganisation. Von 1970 bis 1974 übernahm er die Nachfolge von Toni Neidlinger als JU-Kreisvorsitzender. Als Bürgermeister-Kandidat ging Schuster 1984 aber für die neugegründete Parteilose Wählergemeinschaft (PWG) ins Rennen.

Das war so: Sowohl Quereinsteiger Schuster als auch der altgediente Johannes Schäffler bemühten sich bei der CSU um die Nachfolge von Bürgermeister Josef Brennauer (1966 bis 1984). Bei der parteiinternen Stichwahl erhielt Schäffler eine Stimme mehr. „Sehr viele sind daraufhin an mich herangetreten, eine eigene Liste zu machen.“ Kurze Zeit später hoben ihn 100 Gleichgesinnte im Café Richter aufs Schild. Der Rest ist Geschichte. Zwölf Jahre regierte Schuster das Zugspitzdorf. Doch bei der Wahl 1996 triumphierte Andreas Hildebrandt von der CSU, den er 1990 noch in die Schranken gewiesen hatte. Der Frust darüber hielt nicht lange. „Die sechs Jahre, die ich gespart habe, das war ein Segen“, versichert Schuster. Mit Stolz stellt er fest: „Mich grüßt heute jeder im Dorf.“

Und beim Sportclub, bei dem er bis zu seinem 46. Lebensjahr im Fußballtor stand, ohnehin. Den Verein möchte er nach über vier Dekaden in neun Tagen in jüngere Hände geben – mit ruhigem Gewissen. „Der Verein läuft, meine Nachfolger können sich in ein gemachtes Nest setzen.“

Christof Schnürer

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