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Wegen Vorgaben bei „Schutzhütten“

Höllentalangerhütte: Keine neuen 50 Betten

Antrag abgelehnt: Der Gemeinderat Grainau sagt Nein zum Wunsch der Alpenvereinssektion München. Diese hätte gerne das Schlafplatz-Kontingent erweitert. 

Grainau – Ziemlich clever, was sich die Alpenvereinssektion München da für ihre neue Höllentalangerhütte ausgedacht hat: Mit der Begründung, dass sie auch eine „Schutzhütte“ sei, die Bergsteigern und Wanderern nicht einfach die Übernachtung verweigern dürfe, stellte sie bei der Gemeinde Grainau den Antrag, das Schlafplatz-Kontingent von bisher 108 auf 160 Betten zu erweitern. Doch weil man im Gemeinderat Grainau den Schutzhütten-Charakter dieses großen Berghauses wirklich nicht nachvollziehen kann, lehnten die Räte den Antrag einstimmig ab.

Nichts ist’s mehr mit der gewaltigen Betten-Ausweitung. „Bauaufsichtlich genehmigt waren nur 108 Schlafplätze“, erläuterte Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) die Situation. „Doch jetzt heißt es, dass das Haus als Schutzhütte der Kategorie I neben der Beherbergungsfunktion auch die Aufgabe habe, Bergsteigern und Wanderern für die Übernachtung im Zuge von Bergtouren auch bei Unbilden der Witterung als Schutz zur Verfügung stehen müsse. Zumal neben angemeldeten Gästen auch eine stetig steigende Zahl an Unangemeldeten übernachten wollen.“ Als Betreiber einer Schutzhütte könne der Pächter die nicht angemeldeten Gäste nur dann abweisen und wieder ins Tal schicken, wenn der Abstieg ohne jegliches Risiko noch zumutbar und sicher möglich sei. Falls dies aber nicht mehr der Fall sei, beziehungsweise, wenn es schon zu spät ist, müsse der Pächter die Gäste aufnehmen und übernachten lassen, notfalls auch auf dem Boden der Gaststuben, oder durch Verdichtung der Belegung der Zimmer und Matratzenlager. Darum der Antrag des Alpenvereins, die Anzahl der Schlafstellen um 50 zu erhöhen, was durch die Erweiterung der Matratzenlager und Mehrbettzimmer durchaus möglich sei, rechneten die AV-Oberen der Gemeinde vor.

Der Grainauer Rat lehnte mit der Begründung ab, dass die Hütte im Außenbereich liege und die Grenze der Zahl der Übernachtungsgäste nach dem Neubau des Gebäudes bereits erreicht sei. „Der Hüttencharakter des Hauses“, sagte der Bürgermeister, „soll als Versorgungsstützpunkt für Bergsteiger und Wanderer so bewahrt werden, wie er ist.“ Schließlich sei es auch möglich, durch vorausschauende Planung ein gewisses Kontingent für unangemeldete Gäste freizuhalten. Wobei ihm die Gemeinderäte nur Recht gaben: „Da wird ein Ausschlachten der Alpen versucht“, meinte Christian Raßbichler (Bürger für Grainau). „Der Wirt kann doch ein Notlager von zehn Betten anlegen“, sagte Dr. Michael Pach (parteilos). „Er muss nur weniger Reservierungen annehmen“, schlug Hubert Riesch (CSU) vor. „Es hieß doch immer, 108 Betten reichen“, sagte Barbara Ostler (parteilos).

Wolfgang Kaiser

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