Höllentalklamm
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In der Höllentalklamm hat die Sektion Garmisch-Partenkirchen des Deutschen Alpenvereins die Verkehrssicherungspflicht.

Unwetter waren vorhergesagt

Höllentalklamm: Flutwelle reißt Frau in den Tod - Wanderer klagt an: Warum hat niemand den Weg gesperrt?

  • Veronika Mahnkopf
    VonVeronika Mahnkopf
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Mit unglaublicher Gewalt muss die Flutwelle am Montag durch die Höllentalklamm gerast sein. Mehrere Menschen riss sie mit, mindestens einen in den Tod. Hätte das verhindert werden können?

Grainau - Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl wird schon am Montagabend deutlich: Der Starkregen und die schweren Gewitter waren für die Region Garmisch-Partenkirchen wie für ganz Oberbayern schon am Vormittag vorausgesagt. Trotzdem: „Gegen 14 Uhr war der Wanderparkplatz in Hammersbach noch zu zwei Dritteln gefüllt.“ Am Ende des Tages rast nach Starkregen eine Flutwelle durch die Höllentalklamm und bringt acht Menschen in Lebensgefahr. Drei Wanderer gelten als vermisst, am Dienstag findet die Bergwacht dann eine Frau tot in den Wassermassen. Die Suche nach den anderen Vermissten dauert an.

Höllentalklamm: Wanderer gehen trotz Unwetterwarnung los

Doch wie konnte das passieren? Viele Wanderer haben sich trotz der schlechten Wetterprognose am Montag auf den Berg und in die Klamm aufgemacht. Das Bayerische Rote Kreuz berichtet, dass am Dienstag allein von der Höllentalangerhütte 107 Menschen evakuiert und ins Tal begleitet werden mussten. Viele stellen sich nun zwei Fragen: Warum gehen manche Wanderer trotz schlechten Wetters Touren? Und warum hindert sie niemand daran?

Genau das fragt sich auch ein Urlauber, der sich an die Redaktion gewandt hat. Er sei am Sonntag in der Höllentalklamm gewesen und mit seinen Begleitern froh gewesen, einem beginnenden Gewitter entkommen zu sein. Sie würden sich nicht gut in den Bergen vor Ort auskennen, trotzdem hätten sie das Gefühl gehabt, dass es in der Klamm bei Regen gefährlich werden könnte. Es sei unverständlich, warum eine Frau sterben musste, obwohl das Unwetter doch prognostiziert wurde. Hat sie niemand am Eingang der Klamm gewarnt? Oder an der Höllentalangerhütte vor dem Abstieg? Wurde das Kassenhäuschen am Klammeingang geschlossen und der Eingang versperrt?

Alpenverein: Kassierer am Eingang der Höllentalklamm weist auf schlechtes Wetter hin

All diese Fragen kann Thomas Bucher beantworten. Er ist Sprecher des Deutschen Alpenvereins (DAV). Die DAV-Sektion Garmisch-Partenkirchen habe in der Höllentalklamm die „Verkehrssicherungspflicht“, hält Wege und Brücken in Stand. Sie kassiere an der Höllentaleingangshütte im Tal auch Eintritt - wenn diese besetzt ist. Und hier weise der Kassierer deutlich darauf hin, wenn sich ein Unwetter anbahnt. „Und das hat er gestern mit Sicherheit auch getan“, sagt Bucher.

Sperren würde man die Klamm mit Hilfe von Schildern aber nur, wenn die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleitet ist, zum Beispiel, weil Brücken beschädigt sind (wie es nach dem gestrigen Unwetter nun der Fall ist). Die Sperrung sei aber nur eine „Empfehlung“. „Die Klamm ist kein Freizeitpark, zu dem ich einfach ein Tor zumache.“

Höllentalklamm ist immer offen - auch aus Rettungsgründen

Ganz im Gegenteil: „Die Höllentalklamm ist 24 Stunden am Tag geöffnet.“ Das müsse sie sein, schließlich steigen viele Wanderer von oben kommend durch sie hinab ins Tal. Und auch aus Rettungsgründen müsse die Klamm jederzeit zugänglich sein.

Allem Anschein nach hat sich das Unglück, bei dem mindestens eine Frau starb, oberhalb der Klamm durch einen sehr lokalen Starkregen ereignet. „Hier stellt sich die Sperrfrage gar nicht“, sagt Bucher. Und: Der Alpenverein mache sich seit jeher zur Aufgabe, „Menschen auszubilden, dass sie kompetent in den Bergen unterwegs sind.“ Tourenplanung sei dabei das A und O. „Und dazu gehört vor allem zu schauen: „Welches Wetter erwartet mich?“

In der Höllentalklamm kommt es auch immer wieder zu Unfällen. Im Juni wurden Wanderer durch Steinschlag verletzt. Im gleichen Monat stürzte ein Wanderer ab. Unwetter haben in der Region in den vergangenen Wochen auch die sehr beliebte Partnachklamm massiv beschädigt.

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