ein Mann gibt Interviews
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Im Fokus: Hans Steinbrecher spricht als BRK-Einsatzleiter am Feuerwehrhaus zu den Medien.

Acht Menschen gerettet

Tote Frau nahe der Höllentalklamm geborgen: Neue Details - aber zwei wichtige Punkte noch ungeklärt

  • Christian Fellner
    VonChristian Fellner
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Jetzt steht es fest: Das Unwetter am Montag hat ein Todesopfer gefordert. Die Einsatzkräfte haben die Leiche einer Frau gefunden. Ein weiterer Mensch gilt noch als vermisst.

Grainau/Hammersbach – Es herrscht traurige Gewissheit: Das Unwetter über dem Wettersteingebirge am Montagnachmittag hat in Grainau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) mindestens ein Todesopfer gefordert. Am Dienstagfrüh gegen 8.30 Uhr fanden Helfer der Bergwacht den leblosen Körper einer Frau im Hammersbach rund 200 Meter nach dem talseitigen Ausgang der Höllentalklamm. „Der Körper hatte sich an einem Stein verkeilt“, betont Dominik Schrankl, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern. Nach wie vor ohne Erfolg verlief die Suche nach der zweiten vermissten Person, die Augenzeugen auf einem Steg oberhalb der Klamm am Montag gesehen hatten.

Nach Höllentalklamm-Drama: Unfallhergang immer noch unklar

Was dort genau passiert ist, dazu kann die Polizei auch einen Tag später keine Angaben machen. „Wir wissen es nicht“, bestätigt Christian Langenmair, der Leiter der Inspektion Garmisch-Partenkirchen. Die Vernehmung der acht Personen, die aus dem Umfeld der Klamm am Montag befreit wurden, ergab auch kein klares Bild. Fakt ist, dass die mittlere von drei Brücken oberhalb der Klamm nicht komplett weggespült, sondern nur versetzt wurde.

Auch handelte es sich laut Horst Hofmann, Bereichsleiter Wasserbau beim Wasserwirtschaftsamt Weilheim und vertraut mit dem Hammersbach, nicht um einen großen Schwall, der in Richtung Tal schwappte. „Das war nichts Gewaltiges“, stellt der Experte klar. Um 15.57 Uhr habe es einen rasanten Anstieg von 20 Zentimetern in zwei Minuten gegeben. „Aber der maximale Pegel lag bei 57 Zentimetern.“ Im Vergleich dazu waren es am 13. Juni 2020 sogar 1,90 Meter an der Straßenbrücke in Hammersbach. „Aus wassertechnischer Sicht war das nicht auffällig“, betont Hofmann mit Nachdruck.

Hammersbach ist kein Brennpunkt

Alles Fakten, die den Rettungskräften und Ermittlern noch größere Fragen aufwerfen. „Das kann nur sehr unglücklich gelaufen sein, großes Pech“, vermutet Hans Steinbrecher, der Einsatzleiter des Roten Kreuzes. Denn auch er betont, dass „es sich nicht um eine Flutwelle von 1,5 Metern handelte, so darf man sich das nicht vorstellen“. Doch im Gebirge reiche ein „kniehoher Anstieg“, um eine Gefahr darzustellen.

Den Hammersbach sieht der Grainauer nicht als Problemzone. „Der Bach ist nicht gefährlich“, macht er deutlich. „Gefährlich ist das Hochgebirge an sich, in dem wir uns befinden, da muss man immer mit Überraschungen wie Niederschlägen oder Gewittern rechnen.“ Derlei kurzfristige Staulagen könnten überall auftreten. Der Hammersbach sei definitiv kein Brennpunkt.

Und doch ereignete sich die Tragödie am Montag. Sofort kochte das Thema Schuldfrage hoch, die Staatsanwaltschaft stellt Vorermittlungen an. Polizei-Chef Langenmair merkte nur eines an: „Der Unfall hat sich außerhalb der Klamm ereignet, also nicht im Bezahlbereich.“

Evakuierungsaktion in den Morgenstunden

Viel mehr Sorgen bereitete den Einsatzkräften am Dienstag die Suche nach der zweiten vermissten Person. „Es ist immer unbefriedigend, einen solchen Einsatz nicht abschließen zu können“, sagt Steinbrecher. „Wir hatten so viele Hilfskräfte im Einsatz, die alle auch nach 24 Stunden noch topmotiviert waren.“ Und doch: Gegen 16.30 Uhr wurde die Suche für diesen Tag beendet. Die Spezialkräfte der Canyoning-Gruppen hatten das Gelände nochmals komplett durchforstet – ohne Erfolg. Zudem zog schlechteres Wetter auf. „Und dann geht es um den Schutz der Rettungskräfte, die schon unverhältnismäßig lang im Einsatz waren“, sagt Langenmair.

Hilfskräfte im Dauereinsatz: Feuerwehr (l.) und Wasserwacht am Hammersbach.

Zuvor hatten die Helfer sogar die Nacht durch neuralgische Punkte an Hammersbach und Loisach besetzt gehabt. In den frühen Morgenstunden am Dienstag startete eine Evakuierungsaktion: Zunächst wurden sieben Personen von den Knappenhäusern ins Tal gebracht, anschließend 101 Gäste der Höllentalangerhütte. „Wir hatten uns am Montag entschlossen, die Leute am Berg in den Hütten zu lassen, dort waren sie sicher und hatten ein Dach über dem Kopf“, sagt Steinbrecher. „Die Situation dort war total entspannt.“ Gut lief auch die Evakuierung: Retter der Bergwacht führten die Menschen durch die Klamm, danach wurden sie mit Mannschaftsbussen ins Kurhaus gebracht. Nach der Ermittlung der Personalien durften die Befreiten abreisen.

Die Suche erstreckte sich derweil bereits auf den gesamten Lauf der Loisach. Bis zum Kochelsee wurde der Fluss per Hubschrauber abgesucht, bis Oberau waren an den Brücken Hilfskräfte postiert. Doch es fehlte jede Spur von der zweiten vermissten Person. Diese noch lebend aufzufinden, die „Hoffnung gibt es immer“, betont Steinbrecher, aber auch er ist Realist: „Groß ist sie nicht mehr.“

Bis gestern Abend konnte auch die Identität der Frau nicht geklärt werden, da keinerlei Dokumente auffindbar und auch keine passenden Vermisstenanzeigen eingegangen waren. Zahlreiche Angehörige hatten die Polizei kontaktiert, um Besucher von Hütten und Bergwanderer zu melden. „Daher auch die Evakuierung, damit wir gewisse Personen ausschließen konnten“, betont Langenmair.

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