Drei Skifahrer fahren nebeneinander in der Abfahrtshocke.
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Noch Vollgas am Freitag. Da kämpft Niklas Bachsleitner (l.) gegen Marc Bischofberger und Dominik Zuech.

Beim Sturz den Stich sofort gespürt

„Ich weiß, dass ich Comeback kann“: Skicrosser Bachsleitner nach zweitem Kreuzbandriss optimistisch

Niklas Bachsleitner hat es gleich gewusst: Es ist das Knie. Schon wieder. Er behält Recht. Zum zweiten Mal reißt sich der Skicrosser das Kreuzband. Ausgerechnet jetzt, wo es so gut gut läuft.

Grainau – Eine unglückliche Entscheidung, im Bruchteil einer Sekunde instinktiv vom Kontrahenten getroffen, und schon war die Erfolgswelle, auf der Skicrosser Niklas Bachsleitner (SC Partenkirchen) zuletzt surfte, jäh vorbei. Nun ist der 24-Jährige zurück im Wellental des zweiten Kreuzbandrisses und muss, nein, will sich zurückkämpfen zum Comeback 3.0.

Als Bachsleitner nach seinem Abflug über den drei Meter hohen Step-Down-Kicker zum Liegen kam, warf er sofort seinen Skistock weg und fasste sich ans Knie. Während Helfer, Arzt und Sanitäter noch hektisch um ihn herumsprangen, seine Augen prüften und nach Bewusstsein, Kopfschmerz und Erinnerung fragten, wusste der Grainauer schon längst, dass etwas ganz anderes sein Problem war. „Ich hab den dumpfen Stich schon bei der Landung nach der ersten Welle gespürt, lange, bevor ich über den Step-Down gerutscht bin.“

Skicrosser Bachsleitner gibt niemandem die Schuld

Bachsleitner hatte sich im Viertelfinale beim Weltcup auf der Reiteralm (Steiermark) ein Duell mit Reece Howden, Marc Bischofsberger und Teamkollege Tobias Müller geliefert. „Ich lag auf vier und hatte keinen Stress“, erzählt der 24-Jährige, der in diesem Winter in einen regelrechten Flow gekommen war und oft erst kurz vor der Ziellinie zum entscheidenden Manöver ansetzte. „Ich hab’ in der Negativkurve investiert, kam hoch raus und konnte in den doppelten Windschatten von Müller und Bischofsberger schlupfen.“ Mit dem so gewonnenen Tempo hätte er zumindest einen der beiden oder gar beide auf der mit Wellen gespickten Geraden vor dem Step-Down überholen können.

Doch dann folgte Müllers fatale Entscheidung. Er fuhr auf Bischofberger auf und wich nach rechts in Richtung seines Teamkollegen aus. „Das ist eine Instinktentscheidung, und logisch schützt du dich immer erst selbst“, sagt Bachsleitner. „Sicher hätte man es eleganter lösen können, aber ich kann ihm da keinen Vorwurf machen.“ Bachsleitner musste nach rechts ausscheren, um nicht mit Müller zu kollidieren, konnte die folgende Welle nicht rechtzeitig drücken und hob unkontrolliert ab. Bei der Landung kam er mit dem rechten Knie in der denkbar schlechtesten Position für ein Kreuzband auf. Schon war es passiert. Der folgende Sturz, bei dem es ihm noch das linke Knie verdrehte, er über den Kicker rutschte und neben der Prallschutzmatte aufschlug, sah zwar spektakulär und schmerzhaft aus, richtete aber keinen Schaden an. „In der Situation reagiert dein Körper automatisch. Da heißt es: Augen auf und so gut wie möglich abfangen.“

Skicrosser Bachsleitner: „Ich wollte nicht wissen, wie sich das Knie beim Aufstehen anfühlt“

Liegen blieb der Sportpolizist im ersten Moment nicht wegen der Schmerzen, sondern „weil ich einfach nicht wissen wollte, wie sich das Knie beim Aufstehen anfühlt“. Instinktiv war ihm klar, was Sache ist. Im rechten Knie hat er sich bereits im März 2019 das Kreuzband gerissen. Und Ende Januar 2020 verletzte er es sich nach seinen ersten Achtungserfolgen im Weltcup von Idre Fjäll (Schweden) wieder. Das Team wusste sofort, was zu tun war. „Ehe ich richtig denken konnte, stand der MRT-Termin in München schon, unsere Physiotherapeutin hat sich mit mir ins Auto gesetzt und mich in die Praxis von DSV-Mannschaftsarzt Manuel Köhne gebracht.“ Der weilt zur Zeit zwar bei der Weltmeisterschaft der Alpinen in Cortina, dennoch war er per Handy und Computer bei der Untersuchung dabei, stellte die Diagnose und vereinbarte den OP-Termin für Montag.

„Besser kann es eigentlich nicht laufen“, findet Bachsleitner und meint das gar nicht makaber. „Einerseits bin ich ein positiver Mensch, andererseits bin ich noch im Flow meiner Mega-Saison. Es wäre viel ärgerlicher, wenn ich mich nie für die Finals qualifiziert hätte.“ Außerdem sei die Saison eh fast vorbei. „Es kommen ja nur noch drei Rennen, und in zehn Monaten beim Weltcup-Auftakt in Val Thorens (Frankreich) steh’ ich wieder am Start.“

Bachsleitner ist kein Träumer. „Ehrlich gesagt, hab ich noch nicht komplett realisiert, dass jetzt wieder neun harte Monate vor mir liegen. Das wird erst in den Tagen nach der OP kommen.“ Doch eines steht für ihn außer Zweifel: „Ich weiß aus den vergangenen zwei Jahren, dass ich Comebacks kann. Jetzt steht Version 3.0 an.“

Kathrin Ebenhoch

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