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Die Hauptakteure des Projekts: (v. l.) Fernando Neitzke, Toni Jochner, Karl Buchwieser und Franz Maurer.

Symbol für Offenheit 

„Maibaum für Toleranz“‘ in Grainau: Ein Zeichen gegen Vorurteile

Was bedeutet Toleranz? Damit haben sich Mitarbeiter des Seminarhauses Grainau Gedanken gemacht und im Rahmen einer Aktion des „Bündnis für Toleranz“ einen Maibaum aufgestellt. Damit schaffen sie unter die besten Fünf. 

Grainau – Was sollte in unserer Gesellschaft toleriert werden und was nicht? „Ziel unseres Projektes war, Aufmerksamkeit für dieses Thema zu wecken“, erklärt Reiner Schmelz, Schulleiter des Seminarhauses Grainau. Aufmerksamkeit wecken? Aber wie? Ganz einfach: indem man einen Maibaum der etwas anderen Art aufstellt – einen mit Wurzeln, die nach oben ragen. Eine statische Herausforderung. Und ein ungewohnter Anblick, der durch seine optische Besonderheit und die angebrachten Tafeln auch symbolisch eine neue, weltoffenere Sichtweise gegenüber Andersartigkeit schaffen soll. Die Idee für den „Maibaum für Toleranz“ – eine Aktion des „Bündnis für Toleranz“ – haben die Haustechniker Franz Mauerer und Toni Jochner umgesetzt. Hilfe bekamen sie vom Grainauer Bildhauer Karl Buchwieser und Fernando Neitzke, der im Seminarhaus ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert.

Der Maibaum wurde bewusst gut sichtbar am Straßenrand platziert. „Die vorbeigehenden Menschen sollten ihn sehen und denken: ,Hey, was ist da los?‘“, sagt Schmelz. Bei genauerer Betrachtung sollen Passanten anfangen, über die tiefere Bedeutung nachzudenken. Toleranz gab es schon immer, betont er. Genauso wie Intoleranz. Lediglich die Begriff seien neu. „Die Bayern sagen dazu: ,Leben und leben lassen’“, betont Schmelz und lacht.

Im Rahmen der 60-Jahr-Feier der Jungbauernschule wurde der elf Meter hohe Baum offiziell eingeweiht. Bis dahin war er im Garten des Schulleiters zwischengelagert gewesen. Angst vor einem traditionsgemäßen Maibaumklau hatte dieser zwischenzeitlich auch: „Die Nachbarn meinten schon mal, dass ein Maibaumklau eine nette Idee wäre. Zum Glück haben sie ihn dann doch in Ruhe gelassen“ erzählt Schmelz. Ihm sei wichtig gewesen, dass der Maibaum die gegenwärtige Lage nicht harmonisiert, sondern auch sensibilisiert für die Dinge, die in der Gesellschaft noch nicht optimal laufen. Außerdem sollte der Baum jeden ganz individuell ansprechen: „Es wurden viele Ideen geäußert. Letztendlich wollten wir die Botschaft so allgemein wie möglich halten.“

Nicht nur Mitarbeiter und Schulleiter hat der Maibaum überzeugt, auch eine Jury der Projektstelle gegen Rechtsextremismus des Bündnisses für Toleranz war begeistert. Als einen von fünf Preisträgern der Aktion zeichneten sie das Seminarhaus Grainau aus. asc

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