Der Parkplatz an der Bundesstraße 23 bei Grainau ist bei Campern sehr beliebt
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Beliebt bei Campern: Auch am Stellplatz an der B23, der Ausstiegsstelle der Kajakfahrer, gilt in der Nacht Parkverbot.

Grainau und sein Verkehr

Nachtparkverbot wird ignoriert: Grainauer Gemeinderat überlegt, Parkplätze abzusperren

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Grainau hat gehandelt. Hat etwas gegen das Verkehrs- und Parkchaos unternommen, Verbotsschilder aufgestellt. Aber: Die interessieren viele Menschen offenbar wenig. Der Gemeinderat denkt über weitere Maßnahmen nach.

Grainau – Grainau und sein Verkehr. Ein Thema, das die Bürger in diesem Jahr ganz besonders beschäftigt hat. Das Chaos am Eibseeberg ist mittlerweile ein wenig entschärft, auch hat sich die Gesamtsituation durch den Touristen-ärmeren Herbst zumindest etwas beruhigt. Und doch: Vergessen sind die Bilder noch lange nicht. Der Massenandrang, die Blechlawinen, die Müllberge am Eibsee. Im Gemeinderat entflammte zuletzt wieder eine Diskussion über das Thema. Ausgangspunkt war die Parksituation.

Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) hatte seinen Kollegen von der Neubeschilderung an den drei maßgeblichen Stellflächen berichtet: am Wanderparkplatz Christlhütte, an der Loisachstraße sowie an der Kanu-Zielhütte. Überall wurde ein generelles Nachtparkverbot veranlasst – von 22 bis 6 Uhr. Märkl und die Verwaltung hatten in der Hochzeit des Ansturms ohne Beschluss des Gremiums gehandelt, „weil einfach größte Not herrschte und wir in der sitzungsfreien Zeit waren“. Kein Problem für die Kollegen aus den verschiedenen Fraktionen. Einstimmig segneten sie das Vorgehen auch im Nachhinein ab. Dennoch sitzt der Frust über die Thematik bei einigen immer noch tief. Das war den Räten anzumerken.

Bürgermeister murrt: Strafzettel über 15 Euro billiger als der Campingplatz

Märkl selbst sprach davon, dass sich die Situation zwar grundsätzlich ein wenig gebessert habe, „aber manche interessieren die Schilder einfach nicht“, bemängelte der Rathaus-Chef. „Und wenn du die Leute ansprichst, dann sagen sie dir, dass sie die 15 Euro für den Strafzettel gerne zahlen, weil es immer noch weniger als am Campingplatz ist.“ Ein Nachtparkverbot hatte es an den Parkplätzen schon gegeben, allerdings fehlte das entsprechende Zeichen für Wohnmobile größerer Gattung. Die Beschilderung wurde nun entsprechend aktualisiert.

Hans Steinbrecher (CSU) hat ähnliche Erfahrungen wie Märkl gemacht – er formulierte sie noch ein wenig drastischer. „Das interessiert keinen Menschen. Wir dürfen weiterhin die Notdurft der Menschen hinterm Stadl wegräumen.“ Als Lösung schlug er eine Höhenbeschränkung der Zufahrt der Stellflächen vor. „Ist auch nicht ideal“, merkte er an, „aber sonst werden wir der Situation nicht Herr.“

Schranken an den Parkplätzen als Lösung gegen die Wildparkerei?

Andreas Augscheller (PWG) erkundigte sich, inwieweit die Parksituation überwacht werde. Märkl verwies auf den Kommunalen Zweckverband in Bad Tölz. „Aber der macht das nur bis 21 Uhr, danach sind wir auf die Polizei angewiesen.“ Dazu hatte aber Steinbrecher noch eine nicht unwichtige Anmerkung: „Die Polizei kann da nicht viel tun, die hat in der Nacht eine Streife von Oberammergau bis Griesen.“ Eine weitere Variante brachte Ilkkan Karatas (BfG) ins Spiel: „Gibt es denn die Möglichkeit, die Parkplätze ab einer gewissen Zeit abzusperren?“, fragte er den Bürgermeister. Märkl war sich der Rechtslage nicht ganz gewiss. „Ich weiß nicht, was dann ist, wenn wir zusperren, und ein Auto befindet sich noch auf dem Gelände.“ Zudem brauche es Personal, das abends die drei neuralgischen Punkte abfährt. Dr. Joachim Greuel (FDP) gefiel die Idee. „Das ist super. Und vor allem brauchen wir doch die Schranke nur aufzustellen, die schreckt doch die meisten schon ab, wir müssten sie vielleicht gar nicht zumachen.“

Märkl reagierte zurückhaltend. Auch zu diesem Thema hat er bereits eine Episode erlebt: „Haben wir an der Loisachstraße versucht. Dort hat das wieder niemanden interessiert, die haben uns die Anlage sogar weggeräumt.“ Der Bürgermeister schlug vor, das Thema in den jeweiligen Ausschüssen nochmals zu diskutieren. Damit konnten die Lokalpolitiker leben.

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