+
Wie sucht man einen Verschütteten? Wie befreit man ihn aus der Lawine? Mit Profis wie Jochen Reiser lernen es die jungen Wintersportler.

Kinder und Jugendliche werden in Lawinenkunde geschult

Pilotprojekt auf der Zugspitze: Sicherheit am Berg für junge Freerider

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
    schließen

Ein Pilotprojekt startet am 14. und 15. Dezember auf der Zugspitze. Beim Junior Snow Safety Camp schulen Profis 10-bis 17-jährige Skifahrer und Snowboarder in Lawinenkunde. Die Initiatoren aus Garmisch-Partenkirchen wollen den Nachwuchs für Gefahren am Berg sensibilisieren.

Grainau– Acht Jahre war Max Pohl alt. Da hat er seine erste richtige – weil steile – Geländeabfahrt auf Skiern bewältigt. Das Dammkar in Mittenwald. 12 oder 13 war er, da ist er zum ersten Mal die Alpspitz-Nordwand hinuntergefahren. Immer dabei: Papa Wolfgang Pohl, staatlich geprüfter Berg- und Skiführer. Einer also, der sich auskennt mit dem Risiko am Berg. Mit Gefahren und Lawinen. Doch nicht jeder hat so einen Papa wie der Garmisch-Partenkirchner, mittlerweile staatlich geprüfter Skilehrer und Ausbilder beim Deutschen Skilehrerverband (DSLV). Auch Kinder und Jugendlichen suchen das Abenteuer im Gelände. Freeriden liegt im Trend. Pohl – er kann’s verstehen. Doch aus seiner Erfahrung am Berg weiß er: Viele junge Snowboarder und Skifahrer stürzen sich bei Neuschnee einfach hinein in die Hänge, ohne mögliche Risiken zu kennen. Sie sehen es bei den Erwachsenen – und probieren es selbst. „Wir sind gewissermaßen Multiplikatoren, wir leben es ihnen vor“, sagt der 28-Jährige. „Das bringt Verantwortung mit sich.“

Aufklärung und Spaß stehen auf der Zugspitze im Zentrum 

Dieser kommen Pohl für den DSLV und Partner nach. Federführend haben er und sein Freund Jochen Reiser von der Snowcademy – der Garmisch-Partenkirchner hat sich als Freeskier und Experte in der Lawinenkunde einen Namen gemacht – das erste Junior Snow Safety Camp für Skifahrer und Snowboarder im Alter zwischen 10 und 17 Jahren ins Leben gerufen (siehe unten). Am Samstag und Sonntag, 14. und 15. Dezember, steht auf der Zugspitze Aufklärung im Zentrum. „Wir möchten den Jungen vermitteln: ,Hey Leute, das, was Ihr macht, ist cool. Und so macht Ihr es richtig.‘“

Das Thema Lawinen ist umfangreich und komplex. Erfahrung spielt bei der Beurteilung von Situationen am Hang sowie den Konsequenzen eine entscheidende Rolle. „Man lernt nie aus“, sagt Pohl. An zwei Tagen vermitteln professionelle Guides den jungen Skifahrern und Snowboardern wichtige Grundlagen. Das beginnt bei Informationen zum Skigebiet. „Die Jungs und Mädchen sollen wissen, wo sie unterwegs sind.“ Zudem erfahren die Teilnehmer, welche Sicherheitsausrüstung sie brauchen und wie sie diese nutzen. Sie sehen sich genau an, wie sich eine Schneedecke aufbaut und lernen, wie Lawinen entstehen, welche Rolle Wind, Temperaturen und Sonne spielen. Es geht darum, den Berg und die Natur zu verstehen, sie zu spüren – und ihnen von Anfang an mit Respekt zu begegnen. Alle Informationen werden kind- und jugendgerecht aufbereitet. Theorie und Praxis am Berg wechseln sich ab. „Die Kids sollen mit Spaß lernen.“ Eine Botschaft werden Pohl und das Team den jungen Wintersportlern mit auf den Weg geben: „Der Wind ist der Baumeister der Lawinen.“

Junge Skifahrer und Snowboarder für Gefahren am Berg sensibilisieren

Informationen, die Erwachsenen ebenfalls nicht schaden würden. Viele – auch das erlebt Pohl am Berg nicht selten – fahren einfach blind ins Gelände. Ohne Sicherheitsausrüstung, ohne Ahnung. Vielleicht bringen nach dem Camp ja die Jungen den Älteren etwas bei – oder sensibilisieren sie zumindest für Gefahren. Darum geht es, betont Pohl. Wenn sich die Jugendlichen vor dem nächsten Skitag nach der Lawinenwarnstufe erkundigen. Wenn ihnen dann klar ist: Blinkt die orangefarbene Warnleuchte auf der Zugspitze, halten sie sich vom Gelände fern, „dann haben wir schon einiges erreicht“.

Informationen und Anmeldung zum Junior Snow Safety Camp

Das Junior Snow Safety Camp auf der Zugspitze richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 17 Jahren, die bereits sicher schwarze Pisten hinunterfahren. Am 14. und 15. Dezember stehen ein Lawinen- und Sicherheitstraining in unterschiedlichen Workshops auf dem Programm, die LVS-Suche, praktische Schnee- und Lawinenkunde, Hangeinschätzung und Orientierung im Gelände sowie geführte Freeride-Abfahrten – alles mit professionellen Guides. Die Teilnahme kostet 15 Euro, mit dem Skipass 65 Euro. Noch sind Restplätze frei. Alle Informationen zum Camp, den Initiatoren und zur Anmeldung gibt es online unter www.juniorsnowsafetycamps.de

Das könnte Sie auch interessieren: 

Schneechaos mit dem Wintereinbruch: Gemeinde Martell Südtirol in Südtirol von Lawine verschüttet

Trotz Autoimmunerkrankung und vieler Operationen: Mann (56) aus Grainau besteigt Kilimandscharo.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Kurioser Anruf: Student will mit Taxi von Bergstation geholt werden - „Bin auf der Terrasse...“
Ethem Genc war baff, als der Taxifahrer mitten in der Nacht einen Burschen an einem denkbar ungünstigen Ort abholen soll: der Alpspitz-Bergstation. Genc verhindert …
Kurioser Anruf: Student will mit Taxi von Bergstation geholt werden - „Bin auf der Terrasse...“
Hybridlösung für 20,4 Millionen Euro: Nur der Mittelteil der Realschule wird abgerissen
Sein einstimmiges „Ja“ gab der Kreisausschuss in Garmisch-Partenkirchen für die Sanierung und einen Teilneubau der Zugspitz-Realschule. Nur um die Finanzierung ranken …
Hybridlösung für 20,4 Millionen Euro: Nur der Mittelteil der Realschule wird abgerissen
Gegen das Gesetz, gegen die Moral: Jäger tötet Muttertier - aus Versehen? 
Es widerspricht jeder Moralvorstellung. Dem Gesetz obendrein. Ein Jäger aus Garmisch-Partenkirchen hat es dennoch getan: Er tötete ein Rotwild-Muttertier. Ein tragisches …
Gegen das Gesetz, gegen die Moral: Jäger tötet Muttertier - aus Versehen? 
Mit Hochdruck bei der Arbeit: Eine Tiefgarage wird saniert
Hart wird derzeit im Kultur- und Tagungszentrum in Murnau gearbeitet. Beziehungsweise unter dem KTM. Die Tiefgarage wird für eine knappe Million Euro saniert. Streusalz …
Mit Hochdruck bei der Arbeit: Eine Tiefgarage wird saniert

Kommentare