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Nichts geht mehr Richtung Eibsee: Am Dreikönigstag hat die Polizei die Zufahrt drei Stunden komplett gesperrt.

Am Dreikönigstag

Kollaps am Eibseeberg: Polizei sperrt Zufahrt zur Seilbahn Zugspitze

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Blauer Himmel und Ferien – damit verbunden: ein gewaltiger Ansturm auf Ausflugsziele. Am Dreikönigstag ging deshalb am Eibseeberg nichts mehr. Die Polizei sperrte die Zufahrt zur Seilbahn Zugspitze. Langfristig fordern alle Beteiligten aber ein Verkehrs- und Parkkonzept.

Grainau – Halteverbot, das herrscht auf beiden Seiten des Eibseebergs – ab der so genannten Dreifaltigkeitskurve. Darum haben sich am Dreikönigstag herzlich wenige geschert. Allein 114 Verwarnungen, die die Polizei verteilt hat, zeugen davon. Die 15 Euro, die dafür fällig werden, sind den meisten egal. Das nehmen viele offenbar in Kauf, um schnell an ihr Ausflugsziel zu gelangen. In dem Fall auf die Zugspitze. Berggenuss möglichst ohne langen Fußmarsch, möglichst nah an der Talstation. Eine Seite des Eibseebergs war bereits zugeparkt, als die Polizei vor Ort eintraf. Um die Rettungswege offen zu halten, war schnelles Handeln gefordert. „Deshalb haben die Kollegen am Ortsausgang bei den Tennisplätzen die Straße Richtung Eibsee komplett gesperrt“, sagt Polizeisprecher Josef Grasegger. Vier Stunden lang ging nichts mehr. „Das war sicher die härteste, aber auch die effektivste Lösung in dieser Situation. Ein Dauerzustand sei das jedoch nicht.

Diese Einschätzung teilt Hans Steinbrecher, Leiter des BRK-Rettungsdienstes im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Für das Interesse, das die neue Seilbahn Zugspitze mit sich bringt, hat er Verständnis. Allerdings nicht dafür, dass im Zug des Neubaus kein Verkehrs- und Parkkonzept aufgestellt wurde. Den Schwarzen Peter schiebt er keinesfalls allein der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) zu. Vielmehr sieht er alle Behörden in der Verantwortung. „Es ist dringend an der Zeit, dass sich die Politik, Landratsamt, Straßenbauamt Weilheim, die Gemeinden Grainau und Garmisch-Partenkirchen, Polizei, Feuerwehr, BRK, BZB sowie die Vertreter des Eibsee-Hotels an einen Tisch setzen“, betont Steinbrecher. Seit Jahren treibt ihn die Situation auf der Zufahrtsstraße um. Eine Situation, die sich im Sommer, wenn Badegäste dazukommen, noch einmal verschärfen dürfte.

Zurück zum Dreikönigstag, an dem vor allem die Unvernunft der Menschen zum Kollaps am Eibseeberg führte. „Die BZB hat im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles unternommen, den Pkw-Verkehr umzulenken“, sagt Grasegger. Mit Hilfe so genannter Wechselzeichenanlagen versuchte das Unternehmen, die Gäste auf freie Stellflächen am Eisstadion und Kreuzeck umzulenken. „Da können sie an einer unserer Haltestellen einsteigen und bequem mit der Zahnradbahn zum Eibsee fahren“, erklärt BZB-Sprecherin Verena Lothes.

Genützt hat dieses Angebot am Samstag wenig. Über 5000 Menschen strömten auf die Zugspitze. „Das war ein Ausnahmetag“, unterstreicht Lothes. Einen, der sich aber wiederholen kann. Das haben sie und ihre Kollegen auf dem Schirm. „Wir überlegen, den Kartenverkauf zu limitieren.“ Ein Vorgehen, das im vergangenen Sommer, als nur die Zahnradbahn auf Deutschlands höchsten Berg fuhr, bestens funktioniert hat. Bei 3000 Gästen war Schluss, dann wurde der Fahrkartenverkauf eingestellt – manchmal schon mittags. „Das muss natürlich kommuniziert werden.“

Zum ersten Mal Traumwetter nach dem Sturm, dazu Schulferien und eine Tiroler Zugspitzbahn, die aufgrund einer technischen Störung nicht fuhr. Dass hier mehrere Faktoren eine Rolle gespielt haben, erkennt auch die Polizei. Allerdings rechnen Grasegger und seine Kollegen mit einer Häufung solcher Umstände. Daher regen auch sie – „schon lange“ – ein Gespräch mit den Verantwortlichen an.

Neben dem Problem der Rettungswege sieht Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die zudem Aufsichtsratsvorsitzende der BZB ist, auch die Belastung der Grainauer. Deshalb habe ihr Amtskollege Stephan Märkl (CSU) bereits das Innenministerium ins Boot geholt. Eine Lösung müsse her, darin schließt sie sich den Rettungskräften und der Polizei an. Dabei setzt sie auch auf die Vernunft. „Gerade Saisonpass-Inhaber sollten doch die Zahnradbahn nutzen.“ Zumindest an Tagen, wie Dreikönig einer war.

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