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„Irgendwas ist immer“, sagt Markus Dorfleitner über das Projekt an der Schwarzen Wand. Seit 15 Jahren beschäftigt ihn die Route schon.

Schwarze Wand im Höllental: Erneute Verletzung sorgt für Frust

Projekt Erstbegehung: Kletterer Glowacz und Dorfleitner hoffen auf den Herbst

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Viele Nerven hat die Schwarze Wand im Höllental die beiden Kletterer Stefan Glowacz und Markus Dorfleitner schon gekostet. Zuletzt verletzte sich Dorfleitner auch noch verletzt. Doch die beiden glauben an das Projekt Erstbegehung an der 300-Meter Wand in diesem Jahr.

Mit seinem Spezl – oder gar nicht: Stefan Glowacz will die Schwarze Wand mit Markus Dorfleitner bezwingen.

Grainau – Stefan Glowacz zitiert Bayerns Fußball-Star Thomas Müller, um die Situation zu beschreiben: „Mir klebt momentan die Scheiße am Fuß.“ So fühlt sich auch der Profi-Kletterer, wenn er an die Schwarze Wand im Höllental denkt. Zumindest fühlte er sich so vor gut zwei Wochen, als den 52-Jährige nach einem „depperten Bergsommer“ wieder eine Hiobsbotschaft erreichte. Sein Seilpartner und Freund Markus Dorfleitner (46) hatte sich verletzt. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Glowacz den bandagierten rechten Fuß des Spezls. Während der Arbeit war der Glasermeister aus Garmisch-Partenkirchen umgeknickt und hatte sich das Außen- und Innenband im Sprunggelenk gerissen. Ob er geflucht hat? Und wie, sagt Dorfleitner „Klar. Da stehst Du voll im Saft, und dann passiert so was.“

Route beschäftigt Kletterer seit über 15 Jahren

Seit über 15 Jahren beschäftigt die beiden die Route im Wettersteingebirge, 2005 haben sie diese eingebohrt. In diesem Jahr ordneten sie alles ihrer Erstbegehung unter. Endlich wollen sie die Tour Rotpunkt meistern, die neun Seillängen ohne Sturz bewältigen. Doch bislang scheiterten sie stets an denselben drei bis vier Metern. Die entscheidenden Griffe in der vierten Seillänge waren immer nass. Oder es war zu heiß, der Grip fehlte. Zudem bremste Dorfleitner im Sommer schon einmal eine Verletzung (Skidaumen) aus. Doch Ende August kehrte bei ihm und Glowacz, der in Oberau aufgewachsen ist und viele Jahre in Grainau gelebt hat, die Zuversicht zurück. Sie standen wieder an der Wand, studierten die Bewegungsabläufe für die Schlüsselstelle im elften Schwierigkeitsgrad. „Wir witterten ernsthaft eine – unsere Chance“, schreibt Glowacz. Bis zu Dorfleitners Arbeitsunfall. „Lieber Markus, ich warte auf Dich“, versprach Glowacz via Facebook. Ehrensache. Diese Route, die sie so lange verbindet, realisieren die Freunde gemeinsam.

„Wir müssen uns schließlich fit halten“

So lange hat Glowacz nicht auf seinen Seilpartner warten müssen. Dieser Tage kletterten die zwei in der Verdon-Schlucht in Frankreich. „Wir müssen uns schließlich fit halten“, sagt Dorfleitner nach seiner Rückkehr. Sein Fuß hält. Der Vorstieg in der steilen Wand funktioniere problemlos. Jetzt hofft er wieder. Auf den „Tag der Tage“ in diesem Herbst, an dem endlich alles zusammenpasst. Die Form und das Wetter.

Mindestens drei Tage ohne Niederschlag, am besten kombiniert mit Wind, braucht die Nordwand, bis sie komplett trocken ist. Dorfleitner hat sie im Blick. Ein extragroßes Fernrohr fährt er im Auto spazieren. Vom Tal aus sieht er damit genau die Route im Höllental ein, samt der entscheidenden Griffe. Er erkennt sogar, ob sie nass sind oder trocken. „Sobald es passen könnte, checke ich die Wand ab.“

Ehrenkodex unter Kletterern

Dass er einen anderen Top-Kletterer entdeckt – unwahrscheinlich. Man kennt und schätzt sich in der Szene. Da gilt ein Ehrenkodex: Bevor die Erstbegeher ihre Route nicht freigegeben, steigt kein anderer ein. 24 Tage haben Dorfleitner und Glowacz in diesem Sommer an der Schwarzen Wand verbracht – und sich die Zähne ausgebissen. „Irgendwas ist immer“, sagt Dorfleitner. Genau das mache das Projekt aber auch so interessant. „Etwas Normales wollen wir ja nicht.“

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