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Kein Problem mit der Hütte hat Bürgermeister Stephan Märkl (r.). Wolfgang Utz sieht in ihr hingegen einen „Schwarzbau“.

Nutzung als Wohnhütte mit 8:7-Stimmen genehmigt

Schwarzbau-Vorwurf in Grainau nicht haltbar

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Die Hütten stehen längst. Was dem Bauherren aber zum Verhängnis wurde, ist die neue Nutzung der einen. Statt als Gartenhäuschen dient sie nun für Feriengäste. Dafür galt es, eine Befreiung vom Bebauungsplan zu erwirken. Mit knapper Mehrheit erteilte der Gemeinderat grünes Licht.

Grainau – Gartenhäuschen, Geräteschuppen oder ein Gewächshaus – klassische Nebengebäude, die auch in Grainau zulässig sind. In der Regel definiert ein Bebauungsplan genau, was und in welchem Ausmaß in einem Wohngebiet erlaubt ist. Nicht so der, der für den Bereich Loisachstraße 7 bis 29 gilt. „Nicht besonders gut“, beschrieb Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) das Papier, das jetzt im Gemeinderat die Gemüter erhitzte. Denn zwei Hütten – eine für Gartenmöbel, Geräte und ähnliches, die andere zum Wohnen – galt es, für das Anwesen Nummer 12 zu genehmigen. Nachträglich.

Vom Umfang her konnten beide problemlos errichtet werden. Das hatte auch das Landratsamt als zuständige Baubehörde Wolfgang Pohl 2011 bestätigt. Damals nutzte er das größere Gebäude noch rein als Gartenhäuschen. „Erst im Laufe des Jahres 2015, aufgrund der hohen Nachfrage nach Übernachtungskapazitäten im Rahmen des G7-Gipfels, haben wir uns entschlossen, diese zu vermieten“, erklärt er. Dass das mit den Bestimmungen des Bebaungsplans kollidiert, sei ihm nicht bewusst gewesen. Genauso ist es aber, da das Areal im allgemeinen Wohngebiet liegt, in dem Beherbergungsbetriebe einer Ausnahmegenehmigung bedürfen. Von denen wurden Märkl zufolge allein in der Loisachstraße schon etlich erteilt. Nachdem allerdings ein Nachbar besagte Hütten beim Landratsamt angezeigt hatte, standen diese nun auf der Tagesordnung des Gemeinderats.

Mit dem Lagerschuppen, der 2,3 mal 3,8 Meter misst, hatte das Gremium überhaupt kein Problem. Einstimmig genehmigte es die isolierte Ausnahme. Ziemlich hitzig diskutierten die Mitglieder hingegen darüber, ob für die Wohnhütte, die 5,50 mal 4,30 Meter groß ist, eine isolierte Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans erteilt werden kann. Denn durch die Nutzung als Ferienwohnung überschreitet Pohl die Baugrenze, die auf 160 Quadratmeter festgelegt ist. „Um rund neun Prozent“, führte Märkl aus. Für ihn und auch seine Fraktionskollegen war das kein Problem, zumal im betroffenen Gebiet sowieso schon etliche Nebengebäude auf den verschiedenen Grundstücken stehen.

Christian Andrä aber, der Vorsitzende der Bürger für Grainau (BfG), sah „die Grundzüge der Planung verletzt“. Sein Fraktionskollege Josef Niederstätter plädierte deshalb dafür, „den schlechten Bebauungsplan zu ändern, statt sich einfach darüber hinwegzusetzen“. Dagegen sprach sich aber Anton Reindl (CSU) entschieden aus: „Die Sache ist zu gering, als dass man in dieses aufwändige Verfahren einsteigen sollte.“ Argumente, für die Wolfgang Utz (BfG) überhaupt kein Verständnis aufbrachte. „Das ist kein Neben-, sondern ein Hauptgebäude“, betonte er. „Für mich ist das ein lupenreiner Schwarzbau, der im Nachhinein legalisiert werden soll. Da habe ich gewaltiges Bauchweh.“

Gegen Utz’ Behauptungen verwehrt sich Pohl auf Tagblatt-Nachfrage entschieden. „Übel“ fand er diese, besonders vor dem Hintergrund, dass er auch den Vertretern der BfG alle Unterlagen und Hintergründe im Vorfeld der Sitzung hatte zukommen lassen. „Die markanten und durchweg negativen Diskussionsbeiträge haben mich sehr erstaunt“, sagt der Grainauer. Der Unterstellung, dass es sich bei der größeren Hütte um einen Schwarzbau handle, widersprach er vehement: Bereits im Vorfeld „wurde am 8. Oktober 2011 eine formlose Anfrage ans Landratsamt gerichtet, ob diese genehmigungsfrei als Nebengebäude errichtet werden könne.“ Die Antwort folgte elf Tage später, dass dies ohne Genehmigungsverfahren passieren könne. Somit war Pohls einziger Fehler, sich die neue „zurückhaltende Hauptnutzung als vermietete Wohnhütte“ nicht genehmigen zu lassen.

Das passierte nun – im Nachhinein. Ein Vorgehen, mit dem auch David Schwinghammer (Parteilose Wählergemeinschaft, PWG) haderte. Angesichts der Gegebenheiten im Gültigkeitsbereich des Bebauungsplans, in dem x-Nebengebäude unterschiedlicher Größen bestehen, konnte er sich aber damit abfinden. Die Vertreter der BfG schwenkten hingegen nicht um, weshalb die Abstimmung knapp mit 8:7 zu Pohls Gunsten ausging.

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