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Gefesselt von Grainaus Geschichte: (v. l.) „Bär & Lilie“-Vorsitzender Josef Bader, Mitorganisatorin Gini Resch sowie die Besucher Ken und Marcela Teal.

Sehenswerter Streifzug durch Grainaus Geschichte

Vom Saurierschädel bis zur Bärentatze: „Bär & Lilie“ zeigt Raritäten aus dem Archiv

Die Dorfgalerie zeigt einen sehenswerten Streifzug durch Grainaus Geschichte. Die Exponate stammen aus dem Archiv des Heimatvereins „Bär & Lilie“.

Grainau – „Hochinteressant, wie sich der Ort in die ersten Planungen zum Bau der Zugspitzbahn eingebracht hat.“ Staunend steht ein Besucher über die Dokumentation in der Vitrine gleich am Eingang gebeugt. Andere betrachten die alten Gerätschaften einer Schusterwerkstatt im nächsten Raum. Auch die Tatze des letzten Bären von 1810 und den Fuß-Gipsabdruck von Bruno, der sich 2006 auch ins Zugspitzdorf verirrt hatte, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Der Andrang in der Dorfgalerie war am ersten Tag der Ausstellung „Grainaus Vergangenheit“ groß – zur Freude der Initiatoren.

Im Geschichtsverein „Bär & Lilie“ gab es schon lange die Idee, die Raritäten, „die in unserem Archiv schlummern, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, sagt Vorsitzender Josef Bader. „Wir haben neben historischen Dokumenten und Fotos vor allem Exponate herausgesucht, um alles so anschaulich wie möglich zu machen, und das Ganze mit Leihgaben komplettiert.“ Er und sein Mitstreiter Peter Schuster führten immer wieder durch die Ausstellung, erzählten Geschichten zu den Exponaten und beantworteten viele Fragen. Schöne Idee: Bei einigen Gegenständen, die die Heimatforscher keinem Gewerbe zuordnen können, sind die Besucher gefragt und können ihre Ideen unter der Rubrik „wahrscheinlich“ oder „sicher“ auf dem bereitliegenden Block eintragen. „Vielleicht zur Herstellung von Seilen“, meint ein Gast, der so ein Requisit schon einmal gesehen haben will. Über Geschichte und Lebensart der Grainauer erfährt man jedenfalls Einiges.

Eine Abteilung ist der alten Tracht, der letzten Ölung und religiösen Bräuchen gewidmet. Auch die alte Kirchturmspitze, samt den Zeigern der Uhr, Ratschen, ein Nachtwächterstecken von 1834 sind zu sehen. Wildererwaffen, klappbare Holzski und „Wieden“, mit denen die Floßbäume zusammengebunden wurden, und ein Floßeisen gibt es zu entdecken. Eine alte Filmkamera, ein Butterstampferl, eine Flachshechel oder die Schindelbank fehlen ebenso wenig wie Sensen und Sicheln. Dokumentiert und auf Gemälden zu betrachten sind der Erz- und vor allem der Molybdänabbau, alte Kalköfen an der Loisach und die zahlreichen Sensenschmieden, die es in der Gegend gab.

2 Ordner sind der Zugspitzbahn gewidmet, 28 weitere mit Häuserchroniken gefüllt. Hier hat Schuster über Jahre eine Sisyphusarbeit geleistet. Wen etwas interessiert, der kann Kopien bestellen. „Es gibt wohl keinen Ort, der so oft gemalt wurde“, sagt Bader. Hier will „Bär & Lilie“ mit einer nächsten Ausstellung weitermachen. Erst einmal sind aber die Archiv-Raritäten zu bestaunen – darunter sogar ein in der Loisach gefundener Saurierschädel –, die einen Einblick in Grainaus Vergangenheit, in das Leben der Menschen damals geben.

Margot Schäfer

Die Ausstellung

in der Grainauer Dorfgalerie (Am Krepbach 4) ist bis 30. September am Freitag und Samstag von 16 bis 18 Uhr sowie am Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

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