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Beliebtes Fotomotiv: Viele Urlaubsgäste halten die verglaste Kabine mit den Kameras fest. Oft entscheiden sie sich kurzfristig noch für eine Fahrt mit dem Wunderwerk der Technik.

Jeder Tag ist eine Herausforderung

Kinderkrankheiten der Seilbahn Zugspitze: So verlief der erste Monat

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Aller Anfang ist schwer, heißt es: Das gilt auch für die Probephase der Seilbahn Zugspitze. Das Team muss sich in die hochmoderne Technik und neue Abläufe einarbeiten. Überraschungen? Keine Seltenheit.

Garmisch-Partenkirchen/Grainau – So einfach kann er nicht abschalten, unbekümmert den Arbeitsalltag bestreiten. Die Anspannung bei Peter Huber ist längst nicht verflogen. Die Sorge, dass Störungen bei der neuen Seilbahn Zugspitze auftreten könnten, treibt ihn und sein Team um. „Ich stehe noch unter Strom“, gibt der technische Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) offen zu.

Seit der Jungfernfahrt am 21. Dezember 2017 versucht sich das Personal, in die Eigenheiten des Wunderwerks einzuarbeiten, das drei Weltrekorde vereint. Trotz aller Erfahrung eine diffizile Angelegenheit angesichts der hochmodernen Bahn. „Es gibt viele Überraschungen“, sagt Huber. Zum Beispiel, wenn die Automatiktüren einfrieren, die mit enormen Sicherheitsanforderungen behaftet sind.

Mit solchen Dingen muss sich das Betriebspersonal vertraut machen und die komplexeren Abläufe verinnerlichen. Das fängt schon mit der Vorbereitung in der Früh an, die länger dauert als beim Vorgängermodell. Täglich stehen vor der ersten Fahrt Prüfungen an. „Unendlich viele“, wie der BZB-Chef betont. „Das Handbuch ist deutlich dicker als das alte.“ Er vergleicht die Bahn deshalb scherzhaft mit einer neuen Spülmaschine, die über haufenweise Funktionen verfügt. Mit dem technischen Wissen allein ist es aber nicht getan. Vor allem jetzt im Winter. Jeweils drei bis vier Kubikmeter Schnee schaufelt das Personal manchmal vom Dach der zwei Kabinen, ehe überhaupt der erste Gast einsteigt. Das kostet Zeit und Kraft.

Seil zu lang - Kabine kann nicht in Bergstation einfahren

Das ein oder andere Problem blieb im vergangenen Monat nicht aus. Einmal konnte die Kabine nicht richtig in die Bergstation einfahren, musste dreimal wieder nach unten gondeln und einen neuen Anlauf nehmen. Das Seil war zu lang. „Wir mussten die Längen neu einjustieren“, erklärt Huber. Er nimmt das Personal in Schutz, dem so ein Fall unbekannt sei. Gleichzeitig bedauert er aber, das die Kunden die Unannehmlichkeit ertragen mussten und betont: „Das kommt nicht mehr vor.“

Solche Sachen können passieren, schließlich befindet sich die Seilbahn Zugspitze noch in der Probephase. „Wir müssen Erfahrungen sammeln.“ Viel Einarbeitungszeit im Vorfeld der Inbetriebnahme gab es nicht. „Die war gleich null“, betont Huber. Die letzten Handwerker werkelten bis zwei Uhr, um halb neun begann die Eröffnung. Manche Mitarbeiter machten durch. Sie alle stellen sich der großen Herausforderung. „Das ist wie wenn man sich in einen Lkw reinsetzt“, sagt Huber, „vorher aber nur VW gefahren ist.“

Bisher zeigt sich der technische Vorstand überaus zufrieden mit den ersten Wochen des 50-Millionen-Euro-Projekts. Zwar stand die Bahn wegen Sturmböen am Silvestertag bis 10.30 Uhr still, ansonsten hat sie mit ihrem „guten Windverhalten“ überzeugt, sei stabiler als das ausrangierte Modell.

Viele Nicht-Skifahrer nutzen die Seilbahn Zugspitze

Der Zuspruch der Gäste spielt für Huber selbstverständlich ebenfalls eine wichtige Rolle. Positiv wurde vor allem die Start-Aktion angenommen, bei der Einheimische zum halben Preis in den Genuss einer Berg- und Talfahrt kamen. In diesen Tagen traf Huber Menschen auf der Zugspitze an, die er zuvor noch nie dort gesehen hatte. Darunter Einheimische, die sich noch nie auf Deutschlands höchstem Berg aufhielten. Premiere dank der Seilbahn Zugspitze. „Sie waren durch die Bank begeistert“, erzählt der BZB-Vorstand. Ein Lohn für die Mühen der Mannschaft.

Wie viele Menschen die neue Attraktion, die 580 Passagiere pro Stunde transportieren kann, nutzten, weiß Huber nicht. Er sagt: viele. Vor allem der Anteil an Nicht-Skifahrern sei hoch gewesen. Ebenso erweckt es den Eindruck, als ob einige, denen die Wartezeiten bisher zu lang erschienen und deshalb von Ehrwald aus auf die Zugspitze fuhren, zurückkommen. Die Neugier auf die Weltrekord-Bahn lockte vor allem aber viele Urlaubsgäste an. Die BZB erntet die Früchte der medialen Aufmerksamkeit seit Baubeginn. Die Touristen kommen, knipsen Fotos im Tal. Das Phänomen dabei: Nicht selten entscheiden sie sich Huber zufolge noch gegen 14 oder 15 Uhr zu einer Fahrt. Wie lang dieser Werbeeffekt noch anhält, vermag der technische Vorstand nicht abzuschätzen. Aber solange die Gäste zufrieden sind, hat er eine Sorge weniger.

Feierliche Einweihung der Seilbahn Zugspitze

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