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Millimeterarbeit: Die Monteure befestigen die Kabine am Gehängearm.

50-Millionen-Euro-Projekt schreitet voran

Seilbahn Zugspitze: Die erste Kabine hängt

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Die neue „Seilbahn Zugspitze“ nimmt immer mehr Gestalt an. Am Freitag wurde die erste Kabine montiert – ein besonderer Moment für alle Beteiligten. Um das 4,2 Tonnen schwere Konstrukt an der Talstation einzuhängen, war viel Kraft und zudem Fingerspitzengefühl gefragt.

Grainau – „Fragile“ – zerbrechlich – steht auf dem überdimensionalen Paket. Davon lassen sich die fünf Männer allerdings nicht beirren. Sie hämmern auf dem 4,2-Tonnen-Konstrukt herum, zerren an Seilen, um es in Position zu bringen, und hieven es mit Hilfe eines Greifzugs Zentimeter für Zentimeter nach oben. Dann gilt’s, den Koloss richtig einzufädeln – Millimeterarbeit an der Talstation der neuen Seilbahn Zugspitze. Was wenige Meter über dem Eibsee passiert, verfolgen zwei Männer mit Argusaugen. Jeden Schritt beobachten Peter Huber und Martin Hurm. Immer wieder zücken sie ihre Smartphones, halten den Moment für die Ewigkeit fest. Arg viel mehr können der Technische Vorstand und der Projektleiter der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) an diesem Freitagmorgen nicht tun. Sie sind zum Zuschauen verdammt. Das Kommando hat Harald Raich, Chefmonteur der Doppelmayr/Garaventa Gruppe. Der Schweizer ist omnipräsent, als es gilt, die erste Kabine der neuen Seilbahn Zugspitze einzuhängen.

Froh, dass die erste Kabine hängt: BZB-Vorstand Peter Huber.

Für Hurm ist es „einer von vielen besonderen Momenten“, den er bei der Realisierung des 50-Millionen-Euro-Projekts miterlebt. „Vergangene Woche haben wir uns schon über die Seilreiter gefreut“, erzählt er und deutet auf die orange-farbenen Metallteile, die etwa alle 300 Meter an den Tragseilen befestigt sind. Die Farbe ist dem Flugverkehr geschuldet. Genau wie die Positionierung der jeweils 21 Reiter – nämlich versetzt. Mit Hilfe eines blauen Montagewagens, der durch eine Winde gezogen wurde, haben die Arbeiter diese angebracht. Als wäre es nichts, bewegten sich die Männer dafür auf dem Seil – hunderte Meter über dem Abgrund. Natürlich gut gesichert. Ein paar Maschinisten der BZB durften diesen Schritt begleiten. „Mit leuchtenden Augen“ seien sie ins Tal zurückgekehrt, erzählt Hurm. Begeistert und sichtlich beeindruckt.

Verständlich. Ähnliche Gefühle hegen er und Huber beim Anblick der Anlage, die am 21. Dezember in Betrieb gehen soll. „Es tut gut, dass jetzt das erste Fahrzeug hängt“, sagt Huber. Bis es so weit ist, dauert’s aber um einiges länger, als die beiden Ingenieure gedacht haben. Dreimal muss die weiß verpackte Kabine mit Hilfe des Autokrans versetzt werden. Ehe das Laufwerk samt Gehängearm aus der Station gezogen werden kann, schaffen die Arbeiter den Montagewagen aus dem Weg. Wieder spazieren sie in ihren schweren Schuhen über das Seil – mit einer Leichtigkeit, die jeden Artisten neidisch machen würde. Erst setzt der Kranführer den Korb auf den Boden, dann folgt das Laufwerk. Wenn das passiert ist, wird die Kabine in Position gebracht. Die ersten Meter hievt sie der Kran nach oben, anschließend übernehmen die vier Männer mit den Greifzügen. Einer in jeder Ecke. Da kommt’s schon vor, dass das tonnenschwere Konstrukt etwas schief hängt. Aber nur ganz kurz.

In der Station passiert dann etwas, was Hurm nicht so erfreut. Das Paket wird geöffnet. Ein bisschen nur, um in die Kabine zu gelangen. „Die Höhe muss eingestellt werden“, erklärt Huber. Mit einer Art Wasserwaage. Logisch, dass das Fahrzeug danach wieder verhüllt wird. Denn gelüftet werden die weißen Folien erst kurz vor der Einweihung.

Während im Tal die Kabine eingehängt wird, der Innenausbau der Station voranschreitet und die alte Halle abgerissen wird, arbeiten die Männer am Berg auf Hochtouren, um die Scheiben einzubauen. „Wichtig ist, das Ganze dicht zu bekommen“, sagt der BZB-Vorstand. Mitte, Ende November sollte das geschafft sein. Dabei passen ihm die Feiertage in der kommenden Woche so gar nicht ins Konzept. Auch mit dem Wetter hadert er. „Wenn’s zu viel schneit, sind die Männer oben vor allem mit Schneeschaufeln beschäftigt.“

Nachdem die erste Kabine nun angebracht ist, sind die Zugseile an der Reihe. „Das sollte relativ schnell gehen“, meint Huber. Läuft alles nach Plan, gelangt das erste Fahrzeug um den 6. November auf Deutschlands höchsten Berg, dann wird sein Gegenstück montiert. „Ist das geschafft, können wir das erste Mal umfahren“, sagt Projektleiter Hurm. Schon jetzt blitzen seine Augen vor Vorfreude. „Das wird ein Wahnsinn.“ Ein Tag, dem er genau wie seine Kollegen gespannt entgegenfiebert.

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