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Nach Unwetter: Stangensteig gesperrt – Höllentalklamm öffnet am Sonntag

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Von: Katharina Bromberger

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Noch am Sonntag bauten die Arbeiter eine Behelfsbrücke zur Hütte. © Dörfler Alpinbau

Das Unwetter vom Wochenende hat auf dem Weg zur Höllentalangerhütte Schäden verursacht. Die Reparaturarbeiten laufen, der Stangensteig ist gesperrt. Dies muss unbedingt beachtet werden. Es herrscht Lebensgefahr.

Update Freitag, 15.15 Uhr: Gute Nachrichten für Wanderer haben die Alpenvereinssektionen München und Garmisch-Partenkirchen: Die Höllentalklamm öffnet an diesem Sonntag. Bei starken Gewittern jedoch kann es kurzfristig zu Schließungen kommen. „Geologen werden die Klamm regelmäßig inspizieren“, betont Referent Bernhard Ostler von der Sektion Garmisch-Partenkirchen. Ausdrücklich hebt er den Einsatz aller ehrenamtlichen Helfer hervor, die es überhaupt erst ermöglicht haben, die Klamm und auch den weiteren Weg bis zur Höllentalangerhütte an diesem Wochenende wieder zu öffnen. 

Der Weg von der Höllentalangerhütte zum Hupfleitenjoch ist bereits ab diesem Samstag wieder begehbar. Nach dem Unwetter gesperrt bleibt jedoch der Stangensteig. Ausdrücklich weist der DAV darauf hin, dass der Weg unpassierbar ist, auch lässt sich der Hammersbach am Ende des Steiges nicht überqueren. Es besteht akute Lebensgefahr. Bis der Steig und der Weg repariert sind, dauert es wohl noch mindestens 14 Tage.


Update Dienstag, 18.30 Uhr: 
Die Höllentalklamm bleibt vorerst geschlossen und öffnet nicht am Samstag. Anders, als es Thomas Gesell von der DAV-Sektion München am Montag angekündigt hatte. Doch die Schäden durch das Unwetter sind größer als auf den ersten Blick ersichtlich. „Es ist aktuell nicht absehbar, wann wir die Klamm aufmachen“, sagt Bernhard Ostler von der Alpenvereinssektion Garmisch-Partenkirchen. 

Zum Teil wurden Stangen der Geländer verbogen, zum Teil fehlen sie ganz. Zudem liegt jede Menge Kies auf den Wegen. Wurzeln müssen beseitigt werden. Auch wollen die Verantwortlichen erst die Geologie prüfen – etwa, ob sich an Felsabschnitten Steine gelockert haben –, bevor sie eine Entscheidung treffen. „Wir brechen nichts übers Knie“, betont Klammreferent Ostler. Für Freitag oder Samstag ist eine Begehung geplant.

Erstmeldung:

Grainau – Aus dem Pitztal fährt Silvia Auer am Samstagabend nach Garmisch-Partenkirchen. Sie will ihren Mann besuchen. Ihm helfen auf der Höllentalangerhütte, die sie seit Mai 2010 betreiben. Ehemann Thomas erwartet sie schon, geht ihr entgegen. Im Regen marschiert er gegen 22 Uhr los. Seine Frau ist unterwegs. Treffen werden sie sich an diesem Abend nicht. Drei Brücken auf dem Weg zur Hütte hat der Hammersbach weggespült. Thomas Auer kommt nicht nach unten. Silvia Auer nicht nach oben. Sie dreht um, fährt wieder nach Hause. „Dann musst’ ich noch einmal alleine schlafen“, sagt der Wirt und lacht.

Entspannt sitzt er in der Hütte. Die 61 Gäste sind weg, evakuiert am Sonntagnachmittag, als klar war: Zu Fuß kommen sie nicht mehr ins Tal. Nicht über die Klamm, auch nicht über das Hupfleitenjoch hinüber aufs Kreuzeck. „Kannst du vergessen“, sagt Auer. Ein Helfer schaute sich den Weg am Sonntagmorgen an. Zu gefährlich. Den Eindruck bestätigte ein Bergführer. Er war ihn gegangen, musste seine Gäste am Seil sichern auf einem Pfad, den Wanderer normalerweise problemlos bewältigen.

Evakuierung der Gäste für Bergwacht-Sprecher die richtige Entscheidung

Wie lange würden die Wege unpassierbar bleiben? Wie lange die Regenwolken über dem Tal hängen? Keine konnte eine sichere Prognose geben. Deshalb entschied man sich, die Gäste auszufliegen. Der richtige Weg, sagt Johannes Zollner von der Bergwacht-Sektion Hochland auch einen Tag später. „Man war sich einig, dass sie runter vom Berg gehören.“

Thomas Gesell, Hüttenreferent der DAV-Sektion München, machte sich am Montag ein Bild von der Lage. Was er nach dem Ausgang aus der Klamm sah, hat ihn schockiert. „Die Landschaft da oben hat sich verändert.“ Das lokal sehr begrenzte Unwetter hinterließ massive Spuren. Mit einem solchen Ausmaß hatte keiner gerechnet.

Sperrungen der Wanderwege beachten: Akute Stein- und Lebensgefahr

Noch am Sonntag begann die Grainauer Firma Dörfler mit den ersten Aufräum- und Reparatur-Arbeiten, brachte zwei Behelfsbrücken ein, damit die Hütte so schnell wie möglich wieder erreichbar ist. Einen „geilen Job“ hätten die Männer gemacht, sagt Gesell. Viel ist noch zu tun. Deshalb bleiben die Klamm und das Hupfleitenjoch bis Freitag gesperrt. 

Den Weg nicht zu begehen, sei keine nette Bitte, betont Gesell. Aufgrund der Arbeiten besteht massive Stein- und damit Lebensgefahr. Ab Samstag sind die Klamm – dort halten sich die Schäden in Grenzen – und das Joch wieder geöffnet. Nicht jedoch der Stangensteig. Gesell rechnet mit mindestens vier Wochen, bis der Weg – er fehlt zum Teil komplett – wiederhergestellt ist. Einen „hohen fünfstelligen Betrag“ werden die Sektionen München und Garmisch-Partenkirchen wohl alles in allem investieren müssen.

Bis Samstag muss Wirt Thomas Auer also noch auf Gäste und auf seine Frau warten. Er nimmt’s gelassen. Mit Naturgewalten, sagt er, kann er umgehen. 

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