Zwei Wanderer erklimmen am 29. Mai 2020 die Zugspitze.
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An der Zugspitze drohen wegen des Klimawandels Felsstürze und Steinschläge.

Ist schon einmal passiert

Felsstürze und Steinschläge an Zugspitze - ZDF-Doku zeichnet düsteres Bild

  • Veronika Mahnkopf
    vonVeronika Mahnkopf
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Vor über 3000 Jahren hat es an der Zugspitze einen gigantischen Bergabsturz gegeben. Schuld war ein Klimawandel. Und heute? Droht ähnliches?

Grainau - Die Nachrichten aus dem Himalaya Anfang Januar waren erschreckend: Dort war eine riesige Gletscher-Geröll-Masse abgestürzt und hatte im Tal viele Menschen unter sich begraben, 34 Tote wurden bisher geborgen.

Zugspitze: Droht ein Szenario wie am Himalaya?

Grund für den plötzlichen Absturz von Berg- und Gletscherteilen ist nach Expertenmeinung auch der Klimawandel. Der betreffende Gletscher schmilzt seit Jahrzehnten, das ganze Gelände sei so in Bewegung geraten.

Ein Szenario, das man auch in den Alpen im Blick haben muss. So wurde im vergangenen Sommer ein Gebiet unweit des Mont Blanc evakuiert, weil ein Gletscher-Abbruch drohte. Die Bedrohung erwies sich zwar als nicht so akut, Forscher behalten die Situation aber im Auge. Zumal an der Zugspitze, Deutschlands höchstem Berg, ähnliches vor Jahrtausenden schon passiert ist.

Vor über 3000 Jahren: Die Zugspitze explodiert

Im Jahr 1730 vor Christus ist Grainau am Fuße der Zugspitze* und unweit des Eibsees ein Handelsplatz der Kelten. Die Gegend ist besiedelt, es wird reger Handel zwischen Norden und Süden betrieben. In diesem Jahr ereignet sich hier eine Naturkatastrophe* gigantischen Ausmaßes: Teile der Zugspitze brechen ab und stürzen ins Tal.

Noch heute klafft unterhalb der Zugspitz-Gipfelstation eine große Wunde im Berg. 200 Millionen Kubikmeter Material sind damals heruntergekommen. Die Steine und Felsen liegen immer noch am und im Eibsee wie von Riesen-Hand verstreut herum. Wie das kam? Durch einen Klimawandel.

„Wie 150 Hiroshima-Bomben“: Teile der Zugspitze werden durch die Luft katapultiert

Vor über 3000 Jahren war es in der Gegend etwa zwei Grad wärmer als heute. Das Eis der Gletscher auf der Zugspitze schmolz, der Permafrost im Inneren des Berges ebenfalls. Durch in das Berginnere eindringendes Oberflächenwasser entstand ein massiver Druck, der schließlich ein Ventil suchte - und fand.

Die Zugspitze explodierte förmlich. In der ZDF-Dokureihe Terra X zieht Geologe Bernhard Wagner vom Landesamt für Umwelt (LfU) einen erschreckenden Vergleich: Einen Rumms wie von „zwei Mega-Tonnen TNT“ habe es gegeben, die Zugspitze sei mit der Gewalt von „150 Hiroshima-Bomben“ quasi in die Luft geflogen.

Danach war die Zugspitze kein 3000er mehr

Die damals vermutlich über 3000 Meter hohe Zugspitze verlor dadurch einiges an Höhe, heute misst sie 2962 Meter. Die Steinlawine rollte laut Wagner zehn Kilometer weit.

Und heute? Ist so etwas wieder denkbar in Zeiten eines erneuten Klimawandels? Der Permafrost im Inneren des Berges liegt laut Roland Eichhorn, ebenfalls Geologe am LfU und Experte in der ZDF-Doku, konstant bei - 1 Grad Celsius. Er halte den Berg wie ein Kleber zusammen - noch.

Forscher: „Die Zugspitze ist safe.“ Aber...

Denn: Der Schneeferner, so heißt der Gletscher auf der Zugspitze, schmelze kontinuierlich - und sehr schnell. Er schützt den Permafrost im Inneren der Zugspitze vor Erwärmung. Ist diese Schicht nicht mehr da, geht das Schmelzen innen weiter. Die Stabilität des Berges nimmt ab, Druck entsteht - und es könnte wieder zu einem Bergabsturz kommen.

Mehrere tausend Menschen im Tal wären davon betroffen, schätzt die Terra-X-Moderatorin. Plus all die Touristen, die täglich auf die Zugspitze kommen. Roland Eichhorn beruhigt zwar: „Die Zugspitze ist safe.“ Aber: „Man muss in Zukunft mit Felsstürzen und Steinschlägen rechnen.“ Diese Entwicklung habe längst begonnen. „Das ist nicht mehr zu verhindern.“ *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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