Widerstand seitens der Bevölkerung

Grainauer Almdorf ist vom Tisch

Grainau - Nun ist es amtlich: Grainaus Gemeinderäte haben sich eindeutig gegen das Almdorf am Zigeunerweg ausgesprochen. Investor und Projektentwickler wollen sich jetzt mit ihrem Konzept woanders umsehen.

Applaus ertönt im Sitzungssaal des Grainauer Rathauses. Endlich ist eine Entscheidung über das seit Jahren im Raum stehende Almdorf am Zigeunerweg gefallen. Mit 11:4-Stimmen haben sich die Mitglieder des Gemeinderates endgültig gegen die Umsetzung des Acht-Millionen-Euro-Projekts ausgesprochen. Der Bebauungsplan für ein „Sondergebiet Tourismus am Zigeunerweg“ soll nicht weiter verfolgt werden. Als Begründung führten die meisten Kommunalpolitiker an, dass die Realisierung mit 15 Ferienhäusern, inklusive Fitness-, Wellness und Seminarräumen und einem Verwaltungshaus schwer umzusetzen und der Widerstand der Einheimischen zu groß sei. Anwohner des Zigeunerwegs, die der Sitzung als Zuhörer beiwohnten, verließen den Saal mit einem Lächeln.

Schon seit 2011 beschäftigt das Vorhaben des Projektentwicklers Sepp Hohlweger und des Investors Dr. Viktor Prediger die Gemeinderäte. Mehrfach stand das Almdorf auf der Tagesordnung des Bauausschusses. Im September vergangenen Jahres hatte man sich mit knapper Mehrheit dazu durchgerungen, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen. Nun hat sich das Blatt endgültig gewendet.

„Äußerst schade“, findet das Hohlweger. Er respektiert die Entscheidung der Kommune, kann „den plötzlichen Sinneswandel“ aber nicht nachvollziehen. „In vielen Punkten sind wir der Gemeinde entgegengekommen“, sagt er. Besonders enttäuschend sei, dass bereits viel Zeit und Geld in die Planungen geflossen sind. „Seit dem Beschluss im Herbst haben wir erneut Geld in die Hand genommen.“ Nach wie vor ist Hohlweger davon überzeugt, dass sein Alpendorf ein Gewinn für Grainau gewesen wäre. Nun will er sich anderswo umsehen.

Kreisbehörde sieht Projekt mit Vorbehalten

Auch Grainaus Bürgermeister Stephan Märkl (CSU) glaubt, dass das Projekt dem Tourismus gut getan hätte. „Wir hätten ein gehobenes Klientel in den Ort bekommen“, sagt er. Es tut ihm leid, dass das Alpendorf nun vom Tisch ist. „Das Gelände ist dafür aber wohl einfach der falsche Platz.“ Baurechtlich gestaltete sich vieles schwierig. „Eine Genehmigung wäre frühestens in zwei Jahren möglich gewesen.“ Zahlreiche Auflagen vonseiten der Behörden hätten beachtet werden müssen. Dies wurde auch bei der Gemeinderatssitzung deutlich, bei der Märkl die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange vorlas.

Die Untere Bauaufsichtsbehörde des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen sieht das Fünf-Sterne-Projekt „mit Vorbehalten“. Die Untere Naturschutzbehörde sprach sich gegen eine „Überplanung der Bereiche“ aus. Auch die Hanglage der Wiesen und die Anzahl der Häuser werden kritisch gesehen. Der Bund Naturschutz befürchtet, dass aufgrund „des eher schattigen, feuchten und kühlen Mikroklimas“ Hochwaldrodungen vorgenommen werden müssten. Schon beim Bau des Campingplatzes habe die Gemeinde einen Präzedenzfall geschaffen. Dies sollte sich nicht wiederholen.

Großer Protest der Bürger kam für Bürgermeister Märkl überraschend

Diese Empfehlungen sind Märkl zufolge zwar „keine Totschlagargumente“ gegen das Almdorf. Seiner Einschätzung nach hätte der Investor aber auf jeden Fall weitere Abstriche machen müssen. „Dann hätte es sich wirtschaftlich wiederum nicht rentiert“, sagt er. Dass die Umsetzung des Projektes seitens der Behörden kritisch gesehen wird, hat den Bürgermeister nicht überrascht. Mit dem „enormen Widerstand“ der Bevölkerung hatte er nicht gerechnet, obwohl er in Gesprächen immer wieder auf Protest gestoßen sei. Ein Ablehnungsschreiben der Zigeunerweg-Anwohner und eine Liste mit 157 Unterschriften gegen das Almdorf sind bei der Gemeinde eingegangen. „Die Meinung der Bürger gilt es zu respektieren“, findet der Rathauschef.

Glücklich darüber, dass das Almdorf nicht wie geplant gebaut wird, ist der Fraktionsvorsitzende der Bürger für Grainau, Christian Andrä: „Wir befürworten den Beschluss“, sagt er. Von Anfang an haben sich er und seine Gruppierung gegen einen Bau auf besagtem Grundstück ausgesprochen. „Wir haben nichts gegen ein Alpendorf. Das Gelände am Zigeunerweg ist dafür aber der falsche Ort.“

Magdalena Kratzer

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